Doppelter Düffel

Gleich zwei von John von Düffel bearbeitete Bühnenfassungen beschert diese Woche den Leverkusener Theaterbesuchern. In beiden Fällen handelt es sich um Stücke nach Romanen aus der Jahrhundertwende um 1900, die längst unumstößlich Klassiker-Status genießen: Heute Abend Thomas Manns “Buddenbrooks” und am Sonntag Joseph Conrads “Herz der Finsternis”.

Der Schriftsteller John von Düffel schreibt nicht nur Romane und Novellen (“Vom Wasser”, “Houwelandt”, “Hotel Angst” oder zuletzt “Beste Jahre”), er ist auch regelmäßig als Dramaturg an verschiedenen Bühnen tätig, derzeit am Deutschen Theater Berlin. In dieser Funktion widmet er sich bevorzugt Prosatexten, die er für das Theater in Dialoge übersetzt: So zuletzt Thomas Manns Epos “Joseph und seine Brüder” am Schauspiel Düsseldorf oder Joseph Conrads “Herz der Finsternis” in Berlin.

Letztere Inszenierung, die im September 2009 am Deutschen Theater Berlin Premiere feierte, holt die Bayer Kultur-Abteilung nach Leverkusen: Der englischsprachige Klassiker über Kolonialismus und Ausbeutung wird in seiner Bühnenfassung am Sonntag, 28. November (Beginn: 18 Uhr), in der Inszenierung von Andreas Kriegenburg im Erholungshaus (neuerdings: “Kulturhaus”) gezeigt. Die Nachtkritik lobte die Inszenierung als “trickreich” und “fantasievoll”, schränkte aber auch ein: “Zwar wird an diesem Abend Text in rauen Mengen transportiert, er kommt aber trotzdem zu kurz.”

Bereits zuvor kommen die Buddenbrooks. Von Düffels Bearbeitung von Thomas Manns Geschichte der Lübecker Kaufmannsfamilie wird auf Einladung der KulturStadtLev in Opladen gezeigt: Am heutigen Montag, 22. November (Beginn: 19.30 Uhr), bringt das Eurostudio Landgraf das Schauspiel nach den “Buddenbrooks” in der Inszenierung von Frank Matthus auf die Bühne der Festhalle. Diese Bühnenfassung von von Düffel feierte unter der Regie von Stephan Kimmig 2005 am Hamburger Thalia-Theater Premiere. Er habe an Thomas Manns Sprache “nichts geändert, ich habe nur komprimiert”, erklärte von Düffel dem Hamburger Abendblatt damals. Interessiert an dem Stoff habe ihn besonders das ökonomische Denken, das die Mitglieder der Familie beherrsche: “Es wird ständig gerechnet, denn die Familie misst ihr eigenes Befinden immer an dem Wert der Firma, und deren Interessen stehen über allem, auch über dem privaten Glück. Letztlich ist das eine Situation, die wir heute haben. Ob wir jetzt in einer Phase der Depression leben oder nicht, die Angst vor dem Abstieg ist allgegenwärtig.”

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