Brand im Chempark Leverkusen

In einer Abfüllanlage der Firma Momentive im Chempark Leverkusen, in der vornehmlich flüssige Stoffe gelagert werden, war aus bislang unbekannter Ursache ein Feuer entfacht. Verletzt worden sei niemand, auch werde niemand vermisst, der Brand war um 3.36 Uhr morgens gelöscht. Die Warn-App NINA informierte am Abend zunächst die Kölner, später die Leverkusener Anwohner, in beiden Städten sowie in Monheim sollten Fenster und Türen geschlossen gehalten werden. Erste Messungen ergaben später, dass keine giftigen Stoffe freigesetzt worden sein sollen, niedergegangene Rußflocken solle man sicherheitshalber dennoch nicht berühren.

UPDATE: Der Brand war um 3.36 Uhr gelöscht, um 4 Uhr gab es Entwarnung für die Bevölkerung.
UPDATE2: Die Messungen der Luft ergaben laut Chempark keine Giftstoffe, ebenso hätten die Untersuchungen der nach dem Brand niedergegangenen Rußflocken gezeigt, dass auch von diesen keine Gefahr ausging.

Um 20.24 Uhr habe sich ein Feuer in einem Abfüllbetrieb der Firma Momentive im Chempark Leverkusen entfacht, das sich rasch ausbreitete. Die Feuerwehr des Chempark bekam Unterstützung von den Berufsfeuerwehren aus Leverkusen und Köln, ebenso von der Freiwilligen Feuerwehr. Über 120 Feuerwehrleute waren im Einsatz, weder unter ihnen, noch unter den Mitarbeitern sind Verletzte oder Vermisste. In dem Gebäude, in dem vornehmlich Flüssigkeiten lagerten, darunter Siloxane, die unter anderem für die Herstellung von Kosmetika verwendet werden, sowie Lösungsmittel, seien nicht giftig. Daher habe nach aktuellem Kenntnisstand auch keine Gefahr für die Bevölkerung bestanden, informierte Chempark-Leiter Ernst Grigat bei der für 1 Uhr einberufenen Pressekonferenz. Dafür sprächen auch die Ergebnisse der auf beiden des Rheins ausgesandten Messfahrzeuge.

Dennoch riet Grigat dringend davon ab, niedergegangene Rußflocken zu berühren: Diese sollten der Feuerwehr gemeldet werden, man werde deren genaue chemische Zusammensetzung und ihre Giftigkeit prüfen. Da auch Löschwasser in den Rhein gelangt sei, habe man überdies Rheinalarm ausgelöst. Auch die Analyse der Zusammensetzung der in den Fluss gelangten Stoffe stehe noch aus, erläuterte Grigat, der den beteiligten Feuerwehren für die gute Zusammenarbeit dankte.

Der Brand in dem Gebäude habe sich rasch auf zwei Etagen ausgebreitet, zunächst habe die Feuerwehr von außen angreifen müssen. Im Erdgeschoss sei das Feuer gelöscht, zur Stunde lösche die Feuerwehr im Innenangriff das Feuer in der ersten Etage. Die Löscharbeiten würden nach Einschätzung von Leverkusens Feuerwehrchef Hermann Greven auf der Pressekonferenz um 1 Uhr noch Stunden dauern, eine größere Rauchentwicklung sei aber nicht mehr zu erwarten. Um 3.36 Uhr war das Feuer gelöscht und die Nachlöscharbeiten begannen, für die Bevölkerung wurde um 4 Uhr Entwarnung gegegeben.

Warn-App NINA informierte zuerst die Kölner

Die Bevölkerung wurde zuvor in mehreren Schritten informiert: Die Warn-App NINA informierte um 21.17 Uhr zunächst die Kölner Anwohner, weil der Wind den Rauch über den Rhein in Richtung Kölner Norden trug. Für Leverkusen erging die Warnung erst gegen 22 Uhr. Außerdem wurden die Alarmsirenen in Leverkusen ebenso wie in Köln aktiviert und die Nachricht via Rundfunk übermittelt. Der Chempark schaltete die Nachbarschaftshotline, bei der sich Anwohner unter Tel. 0214-3099333 informieren können.

Johannes Feyrer von der Kölner Feuerwehr erläuterte, dass aufgrund der Windrichtung sowie der Temperaturen insbesondere in den Kölner Stadtteilen Langel, Rheinkassel und Merkenich Brandgeruch wahrnehmbar war und dort Fenster und Türen geschlossen gehalten werden sollten. Die Feuerwehr Köln habe auf Anforderung mobile Dämme für die Schadwasserzurückhaltung angeliefert. In den kommenden Stunden würde eine Task Force gemeinsam mit den verschiedenen zuständigen Ämtern die Gefährdungslage weiter analysieren.

Momentive ist laut Wikipedia ein US-amerikanisches Chemieunternehmen, das im Dezember 2006 durch den Verkauf von GE Advanced Materials und dessen Joint Ventures GE Bayer Silicones und GE Toshiba Silicones an Apollo Management entstand.

Im vergangenen Oktober hatte es eine schwere Explosion bei BASF in einem Chemiepark in Ludwigshafen gegeben, bei der vier Menschen starben.

Tweets zu dem Brand im Chempark in chronologischer Reihenfolge:

Die beiden Pressekonferenzen im Chempark Leverkusen (via leverkusen.com):

Um 1 Uhr morgens:

Um 14 Uhr am Sonntagnachmittag:

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„Museum Morsbroich passte schon damals nicht zur Stadt“

Welt-Autorin Swantje Karich ist in Leverkusen geboren. Seit gestern macht sie daraus kein Geheimnis mehr: „Von heute an werde ich es allen erzählen“, verkündete sie in der „WamS“. Ihren Sinneswandel eingeleitet, schreibt sie, habe der drohende Kahlschlag in der Leverkusener Kultur – von der freien Szene bis zum Museum Morsbroich.

Gerhard Richters "Tiger" im Museum Morsbroich.

Ein Graus, für viele, die Vorstellung: Gerhard Richters „Tiger“ – hier in einer Ausstellung im Museum Morsbroich im Frühjahr 2016 – könne verkauft werden oder wieder in der Vorstandsetage der Sparkasse Leverkusen verschwinden. Handyfoto: Stefan Andres

Vor sechs, sieben Jahren, nicht lange, nachdem ich das LevLog gestartet hatte, fragte ich ein paar Journalisten, die ehedem aus Leverkusen kamen, ob sie nicht einen kleinen Text über ihre einstige Heimat schreiben mögen. Irgendwas, freie Themenwahl. Thomas Nehls rief immerhin an, Werner Sonne antwortete nicht. Swantje Karich, damals noch bei der FAZ, antwortete. Ich weiß nicht mehr, ob wir gemailt oder telefoniert haben, jedenfalls antwortete sie mir, dass sie mit Leverkusen nichts verbinde außer ihrer Geburt im Klinikum. Sie habe keine Erinnerung an diese Stadt, die es in einen Text zu gießen gelte.

Für das Feuilleton der „Welt am Sonntag“ hat sie an diesem Wochenende bekannt, dass das nicht die ganze Wahrheit war. Die Erklärung, warum sie derlei Fragen oder Anfragen bis dato so beschied, liefert sie gleich mit: „Ich bereue, dass ich immer nur dachte, nur eines aus Leverkusen mitgenommen zu haben: Scham. Die Scham, in dieser Stadt geboren zu sein. Ich habe meine Heimat mit Köln, Bonn, Frankfurt oder Berlin umschrieben. Leverkusen aber steht in meinem Ausweis. Von heute an werde ich es allen erzählen.“ [An einem hinreichend entlegenen Ort bekannte sie immerhin schon 2009, dass sie einst kleine Buchrezensionen für eine „Buchhandlung in Schlebusch“ verfasste, was ihr den Weg zur Kulturjournalistin ebnete.]

Der „Kürzungskrieg“ in der Leverkusener Kultur habe ihren Sinneswandel befördert, schreibt sie. Haushaltsprobleme und (Kultur-)Kürzungen waren schon vor sechs, sieben Jahren und auch schon vor sechzehn oder siebzehn Jahren ein aktuelles Thema in Leverkusen. Aber mit der wieder mal drohenden Schließung von Museum Morsbroich nach dem Gutachten der Unternehmensberatung KPMG ist offenbar eine neue Eskalationsstufe erreicht:

„Ich habe mich in den letzten zwanzig Jahren nicht mit meiner Herkunft beschäftigt. Dann hörte ich, dass das Museum Morsbroich geschlossen werden soll. Ein Kürzungskrieg war ausgebrochen – gegen die Kultur, den Sport. Die Unternehmensberatung KPMG hat das Konzept erarbeitet. Ein Sturm der Entrüstung folgte, bundesweit war die Kunstszene entsetzt. Sogar Gerhard Richter schrieb einen offenen Brief an den Leverkusener Oberbürgermeister. Das Junge Theater der Stadt demonstrierte. 15.000 Unterschriften wurden gesammelt.“

Karich erinnert ihren Klavierunterricht und wie sie die Zeit jeweils kurz zuvor verbrachte („Es gab kein Café, es gab nur zwei Tankstellen“). Ihr Vater arbeitete bei Agfa, er fuhr eines der begehrten roten Werksfahrräder, sie selbst arbeitete noch als Werkstudentin im Bayerwerk. Natürlich arbeitet sie sich an der „Retortenstadt“ ab, am Beton und an der in ihre Stadtteile zersplitterten Stadt ohne Tradition. Damit aber, bekennt sie nun, erschöpfe sich Leverkusen eben nicht:

„Doch dann gibt es das Museum Morsbroich. Es passte schon damals nicht zur Stadt. Ein Barockschloss, so verspielt und mutig, dass es mir am Anfang wahnsinnig hässlich vorkam. Ich musste mich daran gewöhnen. Der Spiegelsaal. Der Stuck. Die Symmetrie. Hier atmete alles Geschichte. Hier erzählte mir die Architektur von neobarocker Verspieltheit und von Abenteuern.“

Immerhin hatte sie sicher einen guten Gesprächspartner, der ihr ihre bislang verleugnete Erinnerung aufzufrischen helfen konnte: Schließlich ist Andreas Rosenfelder, Chef beim WamS-Feuilleton, selbst gebürtiger Leverkusener. Ihn hatte vor 14 Jahren – die Bayer-Kicker waren gerade, glaube ich, wieder nicht Deutscher Meister geworden – schon das FAZ-Feuilleton gebeten, etwas über Leverkusen zu schreiben. Ich stelle mir das etwa so vor: „Sie kommen doch aus Leverkusen. Schreiben Sie uns bitte bis 16 Uhr 2000 Zeilen über die Stadt, die irgendwie nach Feuilleton klingen!“ Mindestens die Überschrift erfüllte diesen Anspruch: Leviathan an der Autobahn

Bei Springer ist „online“ kein Schimpfwort, daher geht’s hier umweglos zur Online-Version des Artikels von Swantje Karich: http://www.welt.de/print/wams/kultur/article157654689/Leverkusen-als-geistige-Lebensform.html

Ein paar Reaktionen zu dem Artikel bei Twitter:

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A3: Die Welt zu Gast bei Freunden

Auf der A3 zwischen Leverkusen und Köln-Mülheim werden zwei Behelfsbrücken abgebaut, daher ist der Autobahnabschnitt seit gestern Abend und noch bis voraussichtlich heute, 22 Uhr, voll gesperrt. Auf der B8 dürfen wir in Leverkusen daher wieder die Reisenden in unserer Stadt begrüßen.

Das geht bei aller Gastfreundschaft einher mit ein paar Unannehmlichkeiten für alle Beteiligten. Eine Pink-elpause der besonderen Art an der B8 hat @drehumdiebolzening dokumentieren können:

Ich habe mir gestern extra ein Auto besorgt, um zu probieren, ob der Verkehr wirklich so grausam ist. Nach rund 2 Stunden quer durch Köln-Mülheim teile ich @Jimfi s Einschätzung:

Vom Stau noch heute überraschen ließ sich @schopfzz:

Ein Blick in die Zukunft von @zusehrverkuerzt:

Manchmal muss man merkwürdige Dinge tun, Andreas Born von leverkusen.com hat das in tiefer Nacht wieder mal beherzigt und bei den Versuchen verschiedener Autofahrer, mit den Sperrungen klarzukommen, einfach mal draufgehalten. Dank moderner Schnitttechnik ein unterhaltsamer 145-Sekünder:

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„Wir wollen hier gewinnen!“

Bayer 04 und die Leverkusener Fußballfans betrauern den Tod von Sascha Lewandowski.

Der Fußballtrainer, der zuletzt wegen eines „Burnout“-Syndroms sein Engagement bei Zweitligist FC Union Berlin vorzeitig beenden musste, starb mit 44 Jahren in Bochum. Als Trainer der Leverkusener Profis gemeinsam mit Sami Hyypiä feierte er bemerkenswerte Erfolge. Unter anderem gelang es dem Trainer-Duo, nach 23 Jahren wieder einen Sieg beim FC Bayern München einzufahren: Beim 2:1-Sieg der Leverkusener im Oktober 2012 fingen die Mikrophone dabei am Spielfeldrand einen Satz Lewandowskis zu Gonzalo Castro ein, der so gar nicht zu Leverkusens sonst üblichem Auftreten im Münchner Olympiastadion passen wollte – kurz bevor Sidney Sam tatsächlich den Siegtreffer für Bayer 04 erzielte. Stefan Klüttermann (twitter) beschrieb das damals für die Rheinische Post sehr treffend so:

Es läuft die 84. Minute in der Allianz-Arena. Sieben Zeigerumdrehungen zuvor scheinen Bayers Träume vom ersehnten Auswärtssieg in München durch Mario Mandzukics Ausgleichstor zerplatzt zu sein. Ja, mehr noch: Viele erwarten nun den Siegtreffer der Münchner. Und was macht Leverkusens Trainer Sascha Lewandowski? Gibt er den Befehl zum kolossalen Einigeln, um wenigstens das Remis über die Zeit zu retten? Ein Achtungserfolg als kleine Lösung?

Nein. Ganz im Gegenteil. Lewandowski ruft Gonzalo Castro deutlich hörbar zu: „Wir wollen hier gewinnen!“ Es ist ein Satz in den Startlöchern zum Kultstatus. Einer, den sich so mancher Fan der Werkself im Geiste einrahmen dürfte. Und es ist ein Satz, mit dem Lewandowski einem in Sachen Eigenwerbung für ihn perfekten Tag das i-Tüpfelchen aufsetzt.

Der Verein wird Sascha Lewandowski ein ehrendes Andenken bewahren. Für die Fans hat sein Satz, in dem sein Enthusiasmus, seine Begeisterung und sein Ehrgeiz wie in einer Nussschale stecken, längst den Kultstatus, den Klüttermann voraussah. Hier ist der Satz dokumentiert (er lautet korrekt tatsächlich ohne „hier“ – gleichviel: Gänsehaut!):

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Zukunft der Zeitungen: Totholz für die Geschichte?

Über die „Geschichte des Zeitungswesens an Rhein und Ruhr“ berichtete der Leverkusener Lokalhistoriker Reinhold Braun in der Villa Römer. Sein Rückblick reichte bis in die Gegenwart, in der sinkende Abonnentenzahlen immer weniger werdender Lokalzeitungen den Historikern Sorgen um die Zukunft bereiten.

Denn wenn es nicht die tägliche Zeitung ist, die dereinst verlässlich über unsere Vergangenheit berichten kann – was sonst könnte gleichwertig an dessen Stelle treten? Schließlich gebe es kein anderes Medium, stellt Braun seinem Vortrag als Fazit voran, „das alle Facetten des politischen, kulturellen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und teils auch des sportlichen Lebens so konkret darstellt wie die Zeitungen“.

Bilder aus dem Vortrag von Reinhold Braun (mit Klick vergrößern):

Mit den Internetmedien tun sich Historiker schwer. Reinhold Braun erklärt mir das auf Nachfrage so: „Historiker beschäftigen sich damit, was früher war – vor 5, 10, 50 oder mehr Jahren. Internet- oder Blogbeiträge verschwinden schnell oder werden verändert“ – und damit seien sie als historische Dokumente unbrauchbar. Als diese seien sie später nur dann auswertbar, „wenn jemand sie gespeichert oder ausgedruckt hat“. Braun erläutert dazu sorgfältige Historikerarbeit beim Quellenstudium: „Bei einer gedruckten Zeitung weiß ich: der Artikel über Schlebusch aus dem Jahre 1848 war so und so, der Artikel über dasselbe Thema im Jahre 1925 war so und so. Wenn der Artikel ähnlich geblieben ist, dann weiß ich, der Schreiber von 1925 kannte den älteren Artikel oder hat die gleichen Quellen genutzt. Schreibt er etwas anderes, hatte er wohl andere, neuere Quellen oder er kannte die älteren Quellen nicht.“ Also müssen um der Geschichtsschreibung willen doch weiter Bäume sterben?

Bis 1975 gab es bis zu sieben Tageszeitungen in Leverkusen

In Leverkusen gibt es mit dem Leverkusener Anzeiger (Kölner Stadt-Anzeiger / „KStA“) und der Rheinischen Post („RP“) derzeit zwei Tageszeitungen, in denen zwei Redaktionen unabhängig voneinander an sechs Tagen in der Woche die aktuellen Nachrichten aus Leverkusen zusammentragen. Das erscheint mir für eine Stadt von der Größe Leverkusens als gar nicht mal so wenig. Das allerdings sieht Braun aus historischer Sicht entschieden anders – und erinnert an „goldene Zeiten“ des Zeitungswesens im 20. Jahrhundert: „In den ersten Jahren nach dem 2. Weltkrieg gab es im Raum des heutigen Leverkusen bis zu sieben verschiedene lokale Zeitungen, bis 1974 vier lokale Zeitungen: KStA, RP, Kölnische Rundschau und Neue Rhein Zeitung, teils mit zwei verschiedenen Ausgaben für den Rhein-Wupper-Kreis und Opladen oder Leverkusen.“ Das heiße, folgert Braun: Mehr Redakteure hätten auf viel mehr Seiten aus unterschiedlicher ideologischer oder anderer Sicht geschrieben, sodass für die Geschichtsforschung mehr lokale Informationen zu finden seien als in den Jahren nach 1975.

Zuletzt musste 2003 die Leverkusener Lokalredaktion der Kölnischen Rundschau wegen sinkender Leserzahlen ihre Pforten dichtmachen, nachdem sie zuvor bereits 15 Jahre mit einer Schrumpfredaktion weitgehend nur noch die Artikel des Leverkusener Anzeigers übernommen hatte. „Und heute“, registriert Braun mit Bedauern, „müssen RP und KStA aus verschiedenen Gründen mehr auf Unterhaltung bei ihrer Berichterstattung eingehen und sie haben weniger Seiten Platz für Leverkusen als früher.“

„Blogs sind in ein oder drei Jahren weg“

Onlinequellen könnten diese größer werdende Lücke nicht füllen, befindet Braun: „Die älteren Leverkusener Zeitungen bieten eine Fülle von Informationen aus der früheren Zeit. Blogs, die wir heute im Internet lesen können, sind vielleicht in ein oder drei Jahren weg. Das heißt, sie sind nur kurzzeitig verfügbar. Und sie haben, so mein Eindruck, auch nur wenige Fotos.“ Dennoch gibt es Hoffnung für die Geschichtsschreibung, ergänzt Braun: Denn etwas anderes sei es, wenn es Zeitungen zukünftig nur noch online gebe, etwa als e-Paper: „Diese können unter anderem von Archiven digitalisiert gesammelt werden und so wieder für die historische Arbeit zur Verfügung gestellt werden.“

„Haben die Zeitungen noch eine Zukunft?“ – Das fragt eine Veranstaltung der VHS Leverkusen am Dienstag, 07. Juni 2016, um 19 Uhr im Forum Leverkusen, zu der ich eingeladen bin, um gemeinsam mit Bert Gerhards vom Leverkusener Anzeiger sowie Horst Thoren und Ulrich Schütz von der Rheinischen Post ebenjene Frage zu erörtern.

Die Veranstaltung gehört – wie auch der Vortrag von Reinhold Braun – zum Begleitprogramm der Ausstellung „Zeitung – Buch – Film. Mediengeschichte an Rhein und Wupper“ von drei Leverkusener Geschichtsvereinen, die noch bis zum 19. Juni in der Villa Römer in Opladen zu besuchen ist.

Der Vortrag von Reinhold Braun ist übrigens bei leverkusen.com via YouTube dokumentiert und kann jederzeit hier abgerufen werden:

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Die ultimative OB-Wahl-Hilfegrafik

In exakt 24 Stunden schließen die Wahlbüros: Für die Wahl des Oberbürgermeisters sind die Wahlbüros morgen, Sonntag, 13. September 2015, von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Wer seine Briefwahlunterlagen bereits zu Hause hat, kann auch die noch bis Sonntag, 16 Uhr, im Rathaus abgeben (lassen). In besonderen Ausnahmefällen, zum Beispiel bei akuter Erkrankung, werden auch Briefwahlanträge noch am Wahltag bis 15 Uhr im Bürgerbüro entgegengenommen.

Hier kommt die ultimative Handreichung zur OB-Wahl 2015: Die LEVlog-OB-Wahl-Hilfe für Kurz- und Unentschlossene!

Zur Wahl stehen:

– ein überzeugender, aber, so hört man, bisweilen mürrisch und unzugänglicher Zeitgenosse mit unvermittelt auftretendem Autoritätstourette, weswegen man ihm zumindest im beruflichen Umfeld zu begegnen unbedingt vermeiden sollte.
– ein ausgewiesener Experte für Damenmode, den die meisten für die Zukunft kaum auf dem Schirm hatten, der aber gerade mit Charme seine große Herbstoffensive startet.
– ein beharrlicher Zeitgenosse, der bis heute lieber telefoniert statt E-Mails zu schreiben, dessen Wirken – langer Rede knapper Sinn: auf manchen nachgerade außerirdisch wirkt.
– ein peinlicher Onkel mit Hang zu inszenierter Selbstdarstellung.

Fünf Jahre lang, bis 2020, wird einer von ihnen dem Rat der Stadt und der Stadtverwaltung vorsitzen. Die folgende Illustration löst alle Entscheidungsprobleme zuverlässig, kurz und knapp (Grafik mit Klick vergrößern):

Die OB-Wahlhilfegrafik

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Die zehnte Leverkusener Kunstnacht – Der Künstler ist anwesend!

45 Stationen öffnen dem geneigten Kunstfreund bei der 10. Leverkusener Kunstnacht heute von 18 Uhr bis Mitternacht ihre Türen. Nicht nur Kunstkenner möchten die Aussteller zu dieser Gelegenheit in ihre Ateliers locken, sondern natürlich auch solche, die die Welt der Kunst erst noch für sich entdecken. Für all jene eine kleine Handreichung für einen gelungenen Atelierbesuch.

Twitter-Hashtag: #kunstnachtlev
Facebook-Seite: Kunstnacht Leverkusen
Webseite mit allen Infos: www.kunstnacht-lev.de

Neugier ist die vielleicht vornehmste Eigenschaft, die einen Atelierbesucher auszeichnen kann. Aber alle Neugier ist vergebens, wenn sich vor des Künstlers Kammer Schwellenangst breit macht. Diese zu überwinden soll die Kunstnacht helfen. Denn während man im Museum üblicherweise anonym die Werke abschreiten, hier und da den Kennerblick – sei er echt oder nur vorgetäuscht – nach Belieben schweifen lassen kann, muss man im Atelier natürlich dringend damit rechnen, dem Künstler selbst in die Arme zu laufen. Und woher soll man schon wissen, was so ein Künstler dann von einem erwartet? Muss man stundenlang über seine Kunst debattieren? Womöglich erwartet er gar noch, dass man gleich ein paar seiner Werke käuflich ersteht?

Mit ihrem Atelier in Hitdorf ist Martina Auweiler-Gewaltig seit der ersten Kunstnacht mit dabei, und sie weiß genau, was sie von einem Besucher erwartet: „Die Kommunikation ist mir schon wichtig, als Künstlerin möchte ich die Reaktion der Menschen sehen und die Resonanz erspüren.“ Sie versuche, jeden Besucher persönlich zu begrüßen und sich zumindest kurz vorzustellen – insbesondere, wenn sie ein neues Gesicht erblickt. „Wenn ich dann merke, dass jemand nicht viel reden möchte, dann lasse ich ihn natürlich in Ruhe.“ Es sei ohnehin genug zu tun bei so einer Kunstnacht, sodass auch Introvertierte nicht damit rechnen müssten, den ganzen Abend in Debatten verwickelt zu werden. Jeder könne sich ungestört umsehen, sich am Rotwein bedienen, dem Bühnenprogramm folgen oder auch nach fünf Minuten wieder gehen.

Auch Ulrike Harter aus Schlebusch versichert: „Bei uns wird niemand bedrängt oder vollgequatscht!“ Andererseits sei so eine Kunstnacht ja durchaus dazu angetan, mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen. Harter: „Unser Zelt ist für mich eine Begegnungsstätte, das ist ja auch spannend für uns Künstler!“ Ob jemand lange Diskussionen vor einem Bild führen möchte oder nicht – „das obliegt jedem selbst!“ Ein gewisses kommunikatives Rüstzeug schätzt auch Bernd Wachtmeister bei seinen Atelierbesuchern: „Wenn die Besucher mit einer Frage auf mich zukommen, vereinfacht das das Gespräch, das merkt man schon.“ Das sei ihm allemal lieber als der Besucher, der einmal täppisch anmerkte: „Schönes Männchen hamse da gemalt!“

9. Leverkusener Kunstnacht, 11.10.2013 - EVL City-Point Wiesdorf mit Bernd Wachtmeister

Bei der 9. Leverkusener Kunstnacht im EVL City-Point Wiesdorf mit Bernd Wachtmeister.

Welches Outfit ist das richtige? Ist Extravaganz angesagt oder doch gepflegtes Understatement? „Viele Besucher, insbesondere Besucherinnen“, hat Wachtmeister beobachtet, „nutzen solche Anlässe gerne für ein schrilles Outfit.“ Dagegen sei gar nichts einzuwenden, keinesfalls aber erwarte er von Besuchern Trendsettermentalität. Auch für Ulrike Harter muss niemand darauf achten, „besonders chic gekleidet zu sein“. Und Martina Auweiler-Gewaltig hat nur eine Bitte an ihre Besucher: „Niemand soll sich verkleiden! Ich muss ganz bei mir bleiben – als Künstler genauso wie als Besucher!“

Schließlich: Ist es unhöflich, ohne gutgefüllte Einkaufstüte das Atelier wieder zu verlassen? „Um Gottes Willen!“, rufen beide Künstlerinnen unisono aus. Ulrike Harter: „Dann müsste ich ja 400 Werke an einem Abend verkaufen!“ Wehren würde sie sich dagegen nicht, aber „das ist ja nicht der Grund, warum ich die Leute zu mir einlade.“ Natürlich sei es schön, Geld einzunehmen, um die nächste Miete bezahlen zu können, ergänzt Martina Auweiler-Gewaltig, aber: „Die wenigsten kaufen ein Bild – und kein Künstler würde das erwarten.“ Es gehe schlicht darum, das Atelier zu erkunden und die Techniken des Künstlers kennenzulernen.

Fazit: Anziehen, was bequem ist – nur das kaufen, was außerordentlich gefällt – und fragen, fragen, fragen. Und notfalls damit rechnen, dass man auch auf einen eher mürrischen Künstler treffen könnte, der mit Picasso zu verstehen gibt: „Könnte ich es beschreiben, hätte ich es geschrieben und hätte es nicht malen müssen!“

Der Text ist dem Katalog entnommen, den Norbert Kaluza anlässlich der 10. Kunstnacht zusammengestellt hat:

Titelseite Kunstnacht-Katalog

Titelseite Kunstnacht-Katalog

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Schüsse in Steinbüchel: Mann verletzt

Mit Schüssen lebensgefährlich verletzt wurde in der vergangenen Nacht ein 25-jähriger Mann in Steinbüchel: Gegen 1.50 Uhr meldeten Zeugen der Polizei mehrere Schüsse auf der Hermann-Hesse-Straße, die vom Theodor-Heuss-Ring abgeht. Die Polizisten fanden das Opfer kurz darauf schwer verletzt auf der Straße liegend. Der Mann wurde in ein Krankenhaus gebracht und schwebt weiter in Lebensgefahr.

UPDATE 21.08.: Heute Vormittag führte die Polizei erneut „Durchsuchungsmaßnahmen“ im Umfeld der Carl-von-Ossietzky-Straße durch. Eine Waffe sei gefunden worden, bestätigte die Polizei, allerdings müsse noch geprüft werden, ob es sich um die gesuchte Tatwaffe handele.

UPDATE 15.08.: Eine Polizei-Hundertschaft durchkämmte am Donnerstag das Wohnviertel in Steinbüchel, offenbar weiterhin auf der Suche nach der Tatwaffe. Bereits am Mittwoch, erklärt Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer, sei in Steinbüchel ein weiterer Mann festgenommen worden, der Vorwurf gegen ihn laute „Versuchter Mord“.
UPDATE 13.08.: Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer zum aktuellen Stand gegenüber dem levlog: „Wir müssen uns in dem Fall weiter bedeckt halten, die Ermittlungen laufen auf Hochtouren.“
UPDATE 12.08., 16.15 Uhr: Eine Spezialeinheit der Polizei hat heute in den frühen Morgenstunden in Steinbüchel einen weiteren mutmaßlichen Täter festgenommen. Dieser stehe im Verdacht, teilt die Polizei mit, an der Tat am 17. Juni beteiligt gewesen zu sein. Umfangreiche Ermittlungen des Kriminalkommissariates 11 in enger Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft Köln hätten nun zu dem 29-Jährigen geführt. Nach einer Vernehmung werde der 29-Jährige dem Haftrichter vorgeführt, kündigt die Polizei in einer Pressemitteilung an. Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer hatte gegenüber dem levlog vergangene Woche erklärt, dass aufgrund „biographischer Nähe“ ein Zusammenhang zwischen den Fällen vom 17. Juni und vom 27. Juli überprüft werde. Es handele sich um einen „sehr komplexen Fall“, erklärte Bremer weiter.
UPDATE 29.07., 16 Uhr: Der mutmaßliche Schütze wurde gestern im Amtsgericht Opladen dem Haftrichter vorgeführt. Er wurde wegen des Verdachts auf vorsätzlichen Totschlag sowie gefährliche Körperverletzung in Untersuchungshaft genommen, berichtete Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer dem levlog. Der 25-Jährige, dem es seit gestern besser geht und außer Lebensgefahr ist, konnte inzwischen zum Tathergang befragt werden. Die Ermittlungen zur Motivlage dauerten aber weiterhin an, so Bremer, der zugleich darauf verwies, dass die Polizei in Köln derzeit eine sehr große Zahl an Mordkommissionen eingerichtet habe und die Ermittlungen sich daher hinziehen können.
UPDATE 28.07., 16 Uhr: Der 25-Jährige ist nach Angaben der Polizei inzwischen außer Lebensgefahr. Die Ermittlungen dauern an, weitere Neuigkeiten zu dem Fall meldet die Polizei keine.

Die Hermann-Hesse-Straße in Steinbüchel am Sonntag.

Die Hermann-Hesse-Straße in Steinbüchel am Sonntag.

Ein 31-jähriger Tatverdächtiger flüchtete und konnte erst rund sieben Stunden später von einem Sondereinsatzkommando festgenommen werden: Gegen 8.45 Uhr sei der Zugriff erfolgt, geben Polizei und Staatsanwaltschaft Köln bekannt. Das Tatmotiv sei derzeit noch unklar, die Polizei Köln hat eine Mordkommission eingesetzt.

Auffällig häufig werden Streitigkeiten zuletzt mit Schusswaffen „gelöst“: Erst Mitte Juni wurde ein 24-Jähriger in Steinbüchel nachts an der Karl-Jaspers-Straße mit Messerstichen und durch Schüsse schwer verletzt (hier ein Bericht bei ksta.de). Er überlebte nach einer Notoperation. Anfang Juni schoss ein Mann vor einer Bäckerei in Wiesdorf um sich: Das Opfer wurde nur leicht verletzt, der Schütze wurde von einem SEK in seiner Wohnung festgenommen und sitzt seither in Untersuchungshaft.

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Rialto-Boulevard 6 Monate Baustelle

Eine Freigabe der Brücke für Fußgänger sei bald wieder möglich, die Geschäfte auf der Nordseite können in wenigen Wochen wieder den Betrieb aufnehmen. Für die vom Brand unmittelbar betroffene Südseite fällt die Prognose allerdings „deutlich schlechter“ aus. Die Polizei wertet derweil weiter Spuren und Zeugenaussagen aus.

UPDATE 29.08., 13 Uhr: Ab Montag, 1. September, können die Geschäfte auf der nördlichen Seite der Brücke sowie das Eiscafé wieder öffnen. Ein Gutachter für Brandmeldeanlagen habe heute die technischen Anlagen in den Geschäfts-, Keller- und Nebenräumen des nördlichen Rialto Boulevard sowie im Eiscafé geprüft und abgenommen, teilt die WGL mit: Mit der Prüfbescheinigung können die Betreiber dieser Ladenlokale „ab dem 01.09.2014 ihren Geschäftsbetrieb uneingeschränkt wieder aufnehmen“.

UPDATE 01.08., 13:15 Uhr: Die Polizei schließt mittlerweile „böse Absicht“ als Brandursache aus. Die Ermittlungen nach der Brandursache dauerten weiter an, jedoch könne ausgeschlossen werden, dass dort ein gegen die Betreiber des Geschäfts gerichteteter Anschlag verübt worden sei. In dem Geschäftslokal hatte sich zu dem Zeitpunkt ein Kind alleine aufgehalten; ein technischer Defekt als Brandursache könne weiterhin nicht völlig ausgeschlossen werden. UPDATE 25.07., 14 Uhr: Die Rialto-Brücke ist für Fußgänger wieder geöffnet!

Blick auf den "Rialto-Boulevard" - in der Mitte das zerstörte Glasdach.

Blick auf den „Rialto-Boulevard“ – in der Mitte das zerstörte Glasdach.

Für rund ein halbes Jahr wird der „Rialto-Boulevard“ eher einer Baustellengasse gleichen: So lange werde es dauern, bis die vom Brand am Abend des 11. Juli unmittelbar betroffene Ladenzeile wieder hergestellt ist, prognostizierte WGL-Geschäftsführer Wolfgang Mues heute bei einem Pressetermin. Die Ladenzeile sei von dem „verheerenden Brand“ (hier der Bericht im LevLog) so sehr in Mitleidenschaft gezogen, dass dort „bis zum Zustand des Rohbaus zurückgebaut werden muss“, erklärte Mues. Den Gesamtschaden schätzt Mues auf 1 Million Euro.

Die erfreulichere Nachricht, die Mues parat hatte: Für Fußgänger könne die Brücke voraussichtlich „in Kürze“ wieder freigegeben werden. Das Ergebnis der Materialprüfung von der die Brücke überspannenden Stahl-Glas-Decke durch die Fachhochschule Köln werde in diesen Tagen erwartet. Fällt dieses Urteil zufriedenstellend aus, sei es möglich, rasch eine mit Bauzäunen gesicherte, fünf Meter breite Passage für Fußgänger über die Brücke zu öffnen. Auf einen genauen Tag mochte sich Mues nicht festlegen, zumal ein Statiker und der Fachbereich Gebäudewirtschaft der Stadt Leverkusen letztlich über die Freigabe zu entscheiden haben. Voraussetzung dafür sei jedoch, dass überall dort, wo noch Glasscheiben in den Rahmen stecken, die Standsicherheit der Stahlkonstruktion nicht gefährdet sei. Andernfalls müsse auch dort das Glas entfernt werden, bevor die Brücke wieder freigegeben werden kann.

Bildergalerie – zum Vergrößern einfach klicken! Unten geht’s weiter im Text.

„Der Brand hatte verheerende Folgen“, beschönigte Mues nichts. Entstanden sei der Brand, wie im LevLog bereits berichtet, in dem Geschäft „Amore Accessoires“ und habe von dort auf die benachbarten Geschäfte übergegriffen. Bei Temperaturen von zum Teil über 500 Grad Celsius habe die Konstruktion sehr gelitten. Auch die nicht unmittelbar vom Brand betroffene Ladenzeile auf der Nordseite der Brücke (mit „Mr. Chicken“, die Pizzeria oder „Back-Company“) sei durch Verrußung und Löschwasser in Mitleidenschaft gezogen. Die gebäudetechnischen Einrichtungen und der Strom seien hier außer Betrieb, derzeit sei ein Brandsanierer damit beauftragt, alle Spuren des Brandes zu beseitigen. Dazu gehöre auch das Prüfen sämtlicher Lüftungsöffnungen. „Das dauert einige Wochen“, erläutert Mues, „wir rechnen damit, dass die Geschäfte auf dieser Seite in rund vier bis sechs Wochen wieder öffnen können.“

Auf der vom Brand unmittelbar betroffenen Südseite müsse die Metalldachkonstruktion, die dem Bau ein Hangar-ähnliches Aussehen verleiht, nahezu vollständig entfernt werden. Hierzu sei es voraussichtlich nötig, die Abfahrt vom Europaring in Richtung Rathenaustraße und Bahnhof für ein bis zwei Tage zu sperren. Die Dauer der Arbeiten sei jedoch schwer einzuschätzen, womöglich ließen sich die vom Brand zum Teil erheblich verformten Metallteile nur mit schwerem Gerät entfernen. Eine neue Metallverkleidung müsse in Auftrag gegeben werden, es handele sich um eine Sonderanfertigung. Mues: „Die bekommt man nicht von der Stange“. Ebenfalls sämtliche Innenarchitektur und Zwischenwände in der Ladenzeile müssten entfernt werden, ebenso der fünflagige Bodenaufbau, der durch Löschwasser in Mitleidenschaft gezogen sei. Das betreffe die Geschäfte vom China-Imbiss auf der Bahnhofsseite bis zu „Pretty Shoes“. Mues: „Hier wird mehrere Monate kein Geschäftsbetrieb möglich sein, wir rechnen mit einem Zeitraum von bis zu einem halben Jahr.“ Glück im Unglück könnte die Eisdiele auf Seite der City C gehabt haben, hier seien die Schäden nicht so groß: „Die wird vielleicht in ein paar Wochen wieder öffnen können“, ist Mues hier vorsichtig optimistisch.

Kritik am Brandschutzkonzept mochte Mues nicht gelten lassen: „Eine Sprinkleranlage ist bei Verkaufsflächen dieser Größe nicht notwendig und auch nicht vorgeschrieben“, verweist er auf die Gesetzeslage. Gleichwohl stehe er der Einrichtung einer Sprinkleranlage beim Neuaufbau auf der Südseite durchaus offen gegenüber, „wenn sie etwas bringt“. Die WGL ist durch Versicherungen abgesichert, sowohl für den Schaden als auch für den Einnahmeausfall durch die fehlenden Mietzahlungen. Den Mietern stelle man für die Dauer der Arbeiten keine Miete in Rechnung, die bereits gezahlte Juli-Miete habe man bereits anteilig wieder zurückgezahlt. Mit den Händlern selber stehe man ständig in engem Kontakt, es habe mehrere Versammlungen gegeben, die nächste sei bereits terminiert. Allerdings: „Was die Händler für Versicherungen abgeschlossen haben, wissen wir nicht.“ Aus Händlerkreisen war zu erfahren, dass sich nicht alle für einen solchen Fall abgesichert haben.

Der Brand hat hinter der Verkleidung die Wand wieder freigelegt, auf der das Jugendamt Leverkusen auf der Brücke bis zum Bau des „Boulevards“ 2003 mit einem großen Graffiti für die „Nummer gegen Kummer“ (diese hier) für Eltern und Jugendliche warb. Eine „Nummer gegen Kummer“ dürfte mancher Geschäftsbetreiber jetzt bitter nötig haben.

Im Dunkeln bleibt weiterhin die Brandursache: Die Polizei hatte Videoaufnahmen umliegender Kameras unmittelbar nach dem Brand einkassiert und auch im Umfeld der Brücke nach Spuren und Hinweisen gesucht. Darunter auch von Videokameras, die die WGL dort installiert hat. „Wir hatten keine Gelegenheit, die Bänder zu sichten, die Polizei hat die unmittelbar am nächsten Tag eingesammelt“, erklärte Klaus-Ulrich Heimann von der WGL. Die Polizei teilte heute auf Anfrage nur mit, es lägen „mehrere Spuren und Zeugenaussaugen vor“, deren Auswertung aufgrund ihrer Fülle noch andauere. Sobald man näheres sagen könne, werde man dies tun, „in Absprache mit der Staatsanwaltschaft Köln“.

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Großbrand auf Rialto-Boulevard

Ein Kind wird von Passanten aus einem brennenden Geschäft gerettet. Polizei sucht offenbar nach Hinweisen auf Brandstiftung. Die Sicherheit der Brücke muss von einem Statiker geprüft werden.

UPDATE 23.07. & alle weiteren Neuigkeiten – bitte hier entlang: Rialto-Boulevard 6 Monate Baustelle

UPDATE 22.07., 16.15 Uhr: Nach dem Brand haben heute weitere Abstimmungsgespräche zwischen Wohnungsgesellschaft Leverkusen, städtischer Bauaufsicht und Feuerwehr zur Frage einer Wiederöffnung der Brücke für Fußgänger stattgefunden, meldet die Pressestelle der Stadt soeben. Derzeit würden Stahlproben der Dachkonstruktion in einem Prüflabor untersucht, das entsprechende Gutachten werde voraussichtlich im Laufe dieser Woche vorliegen. Parallel dazu würden die Vorbereitungen zur Demontage der beschädigten Stahlträger getroffen. Im Anschluss daran müsse die Standsicherheit der verbliebenen Dachkonstruktion erneut durch einen Statiker begutachtet werden, bevor die städtische Bauaufsicht über eine Freigabe zur Öffnung für Fußgänger entscheiden könne. Angedacht sei, einen etwa fünf Meter breiten, durch Bauzäune abgesicherten Fußgängerweg in der Brückenmitte einzurichten. Am Mittwochmittag informiert die WGL die Presse bei einem Pressetermin.

UPDATE 15.07., 15 Uhr: Bis die Rialto-Brücke wieder (teilweise) freigegeben werden könne, werden eher Wochen denn Tage vergehen, so die Auskunft für’s LevLog von der WGL.
UPDATE 14.07., 12.13 Uhr: Erste Entwarnung für die Rialto-Brücke: Die Statik der Brücke sei durch das Feuer nicht in Mitleidenschaft gezogen. Das habe die Prüfung der drei Teilbrücken des Rialto-Boulevards durch die Brückenfachleute der Technischen Betriebe Leverkusen (TBL) ergeben, teilt die Stadtverwaltung soeben mit. Unklar sei nunmehr, ob die Glasdachkonstruktion stabil sei, das werde nun durch einen Statiker geprüft. Dann solle über die Öffnung des Fußgängerüberweges auf der nördlichen Seite der Brücke entschieden werden.
Die Wohnungsgesellschaft Leverkusen (WGL), die Eigentümerin der beiden seitlichen Brückenteile mit der Dachkonstruktion und den darauf befindlichen Ladenzeilen ist, werde über die weiteren Schritte zur Sicherung bzw. möglichen Abtragung des Glasdaches gemeinsam mit der städtischen Bauaufsicht entscheiden.
Derzeit ist der Rialto-Boulevard noch gesperrt, eine Sicherheitsfirma ist damit beauftragt, das Gelände zu überwachen. Der Zugang vom Busbahnhof LEV-Mitte zur Innenstadt und in die Gegenrichtung ist derzeit über die Y-Brücke, den Fußgängerüberweg zwischen Forum und Kinopolis oder die Fußgängerbrücke zwischen Rentenversicherung und Musikschule möglich.

UPDATE 2: Hier ist übrigens die Webpräsenz des Ladens, der am stärksten von dem Brand betroffen war: http://www.amore-accessories.com/

Zu einem Großbrand auf der Rialto-Brücke in Leverkusen-Wiesdorf zwischen City und Busbahnhof LEV-Mitte musste die Feuerwehr am Freitagabend ausrücken. Zwei Personen wurden leicht verletzt, darunter ein Kind; beide hatten Rauchgas eingeatmet und wurden zur Behandlung in ein Krankenhaus gebracht. Das Feuer war offenbar in einem Bekleidungsgeschäft ausgebrochen, etwa dort, wo Ladenzeilen-Eigentümerin WGL auf dieser (veralteten) Übersicht noch das Geschäft für „Tierbedarf“ führt.

Bildergalerie – zum Vergrößern einfach klicken! Unten geht’s weiter im Text.

Um 21.05 Uhr war die Feuerwehr durch die automatische Brandmeldeanlage zu dem Einsatz gerufen worden. Kurz zuvor sollen sich nach Auskunft eines Augenzeugen dramatische Szenen abgespielt haben: Demnach sei der circa 10 bis 12 Jahre alte Sohn des Ladenbesitzers offenbar allein in dem Geschäft gewesen, als sich Rauch darin ausbreitete. Daraufhin hätten Passanten versucht, den Jungen aus dem Laden zu befreien und eine Glastüre eingeschlagen. Kurz darauf, vermutlich durch den nun in den Laden strömenden Sauerstoff, habe sich das Feuer schlagartig zu einem riesigen Brand ausgedehnt. Bilder von Augenzeugen zeigen, wie die Flammen auf allen Seiten meterweit aus dem Geschäft schlugen. Dichter Rauch stieg über dem Rialto-Boulevard auf. Auf dem Fußweg der Brücke lagen später zahllose Glassplitter zerborstener Glasplatten von der Überdachung der Brücke, auch die Aluminiumverkleidung der Fassade hatte sich verbogen. Auch benachbarte Geschäfte, unter anderem der Blumenladen, seien zum Teil erheblich in Mitleidenschaft gezogen worden. Zum Teil seien auch Trümmerteile auf die Fahrbahn der B8 gestürzt.

Zur Ursache des Brandes konnte die Feuerwehr nach Angaben von Chef und Einsatzleiter Hermann Greven noch keine Auskunft geben. Die Polizei hatte aber bereits die Umgebung nach Videokameras abgesucht, womöglich besteht also ein Anfangsverdacht auf Brandstiftung. Auch die Gebüsche neben der B8 wurden durch Polizisten mit Taschenlampen abgesucht. Die Feuerwehr war angesichts der Dimensionen des Brandes mit 142 Kräften im Einsatz, zum Teil mit schwerem Atemschutzgerät. Löschzüge der Berufsfeuerwehr, der Freiwilligen Feuerwehr Wiesdorf sowie zwei weitere Löschzüge benachbarter Freiwilliger Feuerwehren wurden alarmiert. Nachdem der Brand gelöscht war, suchten sie unter der Deckenverkleidung über dem Geschäft als auch im Brückengerüst unter dem Geschäft nach Glutnestern, zumal sich das Feuer auch nach außen gefressen habe. Diese Arbeit dauerte nach 1 Uhr in der Nacht noch an, die Deckenverkleidung musste dafür zum Teil aufgeflext werden.

Der Rialto-Boulevard war die ganze Zeit über gesperrt und wird es laut Greven sicher auch am Samstag noch sein. Die Busse wurden umgeleitet und auch die B8, die unter der Brücke herführt, musste während der Löscharbeiten gesperrt werden. Zwischenzeitlich sollen die Straßen wieder freigegeben sein. Ob die Statik der Brücke in Mitleidenschaft gezogen sei, vermochte Greven nicht zu sagen: „Das ist Sache des Eigentümers der Brücke, die werden einen Statiker mit der Prüfung beauftragen.“

Der Brand in den sozialen Medien:

Auf Facebook gibt es einige bewegte Bilder von dem Brand: Hier und hier

Bei Twitter verbreitete sich die Nachricht am raschesten. Hier ein paar Tweets:

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