„Ein qualitativer Unterschied“

Leverkusen muss sich möglicherweise für einen ernstzunehmenden Streit um den Bürgerbusch rüsten: Zwei Entsandte der Landesbehörde Straßen NRW berichteten am Donnerstag dem Ausschuss für Stadtentwicklung in Burscheid, wo die neue Raststätte an der Autobahn 1 bislang gebaut werden sollte, dass die Suche nach einem Standort nach den Widerständen in Burscheid nun ganz neu begonnen würde. Neben den bereits untersuchten Standorten sollen dann auch Standorte in Leverkusen in den Topf kommen: Außer dem Bürgerbusch wurde auch die Bayer-Deponie als denkbarer Standort genannt. Der Burscheider Politiker Michael Baggeler („Bündnis für Burscheid“) gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass der Kelch an Burscheid vorübergehen möge: „Wenn man bedenkt, dass im Bürgerbusch nur ein paar Bäume gerodet werden müssten, während hier Anwohner unmittelbar in Mitleidenschaft gezogen würden – das ist schon ein qualitativer Unterschied.“
Ob die SPD-Landtagsabgeordnete für Bergisch Gladbach und Rösrath Helene Hammelrath Anteil – und wenn ja: welchen – an diesem Umschwenken hat, ist ungewiss. Sie selbst jedenfalls teilt mit, ihre Intervention habe dazu beigetragen, den „Bürgerbusch“ von der Straßenbauverwaltung des Landes Nordrhein-Westfalen in die weiteren Planungsprozesse bezüglich der Suche nach weiteren Rastanlagen miteinzubeziehen. In der Rheinischen Post wird sie dafür von Parteigenosse Walter Mende zünftig gerügt. Das Ansinnen der Behörde weckt bei Mende auch natürliche Advokaten-Instinkte: Gerne würde er „als Anwalt so ein Planungsverfahren im Keim ersticken. Wir haben hier Europas größtes Autobahnkreuz, das noch erweitert werden soll.“

Wichtiger war für alle Zeitungen freilich dieses Ereignis: Offenbar Toilettenspray, in unangemessenem Umfang am Geschwister-Scholl-Berufskolleg versprüht, bescherte 66 Schülern am Freitag Übelkeit, 16 von ihnen einen Besuch im Krankenhaus. Und den Lokalredakteuren, nachdem sie sich todesmutig selbst in den „Frischluft“-Nebel vorgewagt und offenbar unverletzt zurückkehrten, ihre Aufmacher für Samstag: „Gas-Alarm im Unterricht“ titelt die Rheinische Post. Das Fazit dieses unangemeldeten Feldversuchs verkündete der städtische Amtsarzt Martin Oehler bei Radio Leverkusen: „Die Inhaltsstoffe in Toilettensprays sind nicht ohne.“ (Zitat sinngemäß)

Partypeople aufgepasst! Diese Meldung ist für Euch: Das „Calcio“ kommt zurück! Nach Informationen des Anzeiger wird der Club unter der Regie des alten und neuen Betreibers, der Bayer-Gastronomie GmbH, in der BayArena am Freitag, 9. Oktober, wiedereröffnet. Offenbar hat’s die Meldung nicht bis auf die Anzeiger-Internetseite geschafft, also müsstet Ihr die Zeitung jetzt für die 20-zeilige Meldung kaufen – oder mir einfach glauben. Freilich bestätigt die „Calcio“-Homepage schon, dass sich da offenbar etwas tut. (Dass es nicht wenige gibt, die das zum Anlass nehmen werden, heute schon ausgiebig vorzuglühen, das haben die Reporter von „Habt ihr Bock“, kurz: „HiB“-TV bereits hier eindrücklich dokumentiert: Aus Liebe zum geilsten Club Leverkusens.)

Von einer neuen Kondensationsturbine für die Avea-Müllverbrennungsanlage Im Eisholz berichten Anzeiger und RP: Das Wunderding soll 2011 in Betrieb gehen und statt bisher jährlich 43.000 dann 75.000 Megawattstunden Strom aus Müll erzeugen. Laut Avea-Geschäftsführer Hans-Jürgen Sprokamp handelt es sich ganz offenbar um eine Variante der eierlegenden Wollmilchsau für die Müllverbrennungsindustrie: Das Gerät erzeugt nicht nur Strom ausreichend für 15.000 Haushalte, kann so die Abfallgebühren der Verbraucher für Müll „mindestens stabil“ halten und soll überdies auch 25.000 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr sparen. Ein offenkundig begeisterter Sprokamp in der RP: „Diese Investition lohnt sich vom ersten Tag des Betriebes an.“

Von einem neuen „Familien-Discounter-Konzept“ , das die Zukunft für die Woolworth-Filiale in Opladen und ihre 36 Mitarbeiter sichern soll, berichtet Radio Leverkusen.

Von einem Bürgerfest in Schwedt am kommenden Mittwoch anlässlich des 20-jährigen Bestehens der Städtepartnerschaft mit Leverkusen berichtet der Uckermark Kurier. Es wird dort auch ein Fass Freibier geben!

Über die Bemühungen des städtischen Fachbereichs für Umwelt gegen die Ausbreitung von Bärenklau, Springkraut oder Ambrosia berichtet Werner Röder für den Anzeiger: „Der Kampf geht weiter.“

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Ein Kommentar

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Eine Antwort zu “„Ein qualitativer Unterschied“

  1. Keiner will die Raststätte haben, aber irgendwo muss sie hin. Erfreulich ist, dass nun doch alle denkbaren Alternativen ergebnisoffen geprüft werden. Klar ist, es sollen in Deutschland 4000 (oder sogar 14000) neue LKW-Stellplätze geschaffen werden. Bisher alternative Standorte für Raststätten im Raum Remscheid/Burscheid/Leverkusen sind aus Gründen des Umwelt- oder Gewässerschutzes nicht realisierbar. Sehr wesentlich für die Planungen von Straßen NRW ist offenbar, dass Raststätten-Ausfahrten zur Autobahn hin steigungsfrei gebaut werden müssen, damit sich die LKW problemlos in den fließenden Verkehr einfädeln können.
    Was stimmt?: Über wie viele LKW-Stellplätze in unserer Region reden wir eigentlich, über insgesamt neue 60 Stellplätze, über jeweils 60 Plätze in beiden Richtungen oder wie vor einigen Wochen schon über insgesamt 300 Stellplätze? Auch stellt sich die Frage, ob und wo es in Deutschland eine Raststätte gibt, die in der geplanten Größenordnung von 11 Hektar Fläche schon derart nah an der Wohnbevölkerung betrieben wird.
    Was stimmt?: Zuerst hieß es, die Erweiterung der Raststätte Remscheid sei nicht möglich. Nun heißt es von Straßen NRW, eine Erweiterung der Raststätte Remscheid sei „viel zu teuer, aber gehen tut alles“. Allein die in Burscheid notwendigen Geländeeingriffe erfordern vorsichtig geschätzt Erdbewegungen von ca. 300.000 m³ durch den Aushub und die Wiedereinbringung der Erde. Allein hierfür liegen die Kosten hart verhandelt wahrscheinlich bei 3 bis 5 Millionen €. Ist das nicht zu teuer?
    Bei allen Überlegungen zu Alternativ-Standorten müssen neben den Kostenargumenten in erster Linie die tatsächlichen Auswirkungen von Lärm, Licht und Emissionen auf die Umwelt und das Umfeld des jeweiligen Standortes berücksichtigt werden. Hier darf es nicht darum gehen, durch politisches Ungeschick im Wahlkampf die Raststätte zwischen Burscheid und Leverkusen im St. Florian Prinzip hin und her zu argumentieren. Die Verantwortlichen in Politik und im Landesbetrieb Straßenbau müssen in den nun kommenden Planungs- und Konzeptphasen sehr detailliert prüfen, welche besonderen Belästigungen in der Nähe der Raststätte entstehen. Und zwar durch den spezifischen LKW-Lärm und durch die Schadstoffemissionen auch im LKW-Standbetrieb oder durch die erforderliche Beleuchtung der Raststätte. Welche Auswirkungen sind erfahrungsgemäß in 50, 100 oder 500 Metern um eine Raststätte dieser geplanten Größenordnung zu erwarten? Soll die Raststätte rückwärtig aus der Stadt heraus versorgt werden oder wird die Raststätte rückwärtig verwallt und abgeschirmt und wird dann ausschließlich über die Autobahn versorgt werden?
    Es stimmt: Die Erfahrung zeigt, immer wenn in der frühen Planungsphase auf Basis aller bekannten Fakten und Probleme alle denkbaren Lösungsalternativen mit Kreativität und allen Vor-/Nachteilen betrachtet werden, findet man fast immer automatisch die optimale Lösung. Diese ist dann oft auch sogar noch die Kostengünstigste.
    Es ist daher politisch falsch und nur schwer zu verstehen, dass bei Entscheidungen zur Infrastruktur im Straßenbau immer nur der Umweltschutz und Gewässerschutz mehr zählen soll, als der Schutz der Menschen. Dipl.-Wirtsch.-Ing. Ralf D. Scholz + Silke Scholz, Burscheid

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