Was Erstwähler wirklich wissen wollen

Der Leverkusener Anzeiger hat es online noch nicht verraten, also mache ich das jetzt einfach mal von hier aus: Heute ist der Leverkusener Anzeiger ohne Lokalteil erschienen! Es gab dort offenbar Probleme mit der „Einlegemaschine“. Ausgeliefert wurde die Zeitung in Leverkusen ohne Lokalteil und auch ohne „Magazin“. Die Teile von heute sollen dann der morgigen Ausgabe zusätzlich beiliegen, die Leser werden um Entschuldigung gebeten. So jedenfalls hört man.

In diesem Sinne: Gepriesen sei das Internet!

Das hätte heute in der Zeitung gestanden: Rainer Schmidt hätte seine Leser durch die Gerüchteküche der Leverkusener Parteien und Politiker auf der verzweifelten Suche nach mehrheitsfähigen Koalitionen und auf der Suche nach der magischen Zahl geführt: „SPD, Grüne und Linke brächten es auf 26 Mandate, das reicht nicht. Bekäme man aber die sieben Bürgerlistler und das Trio von Pro Opladen mit ins Boot, dann stünde am Ende die wunderschöne Zahl 36.“ Das wäre eine Mehrheit – und hieße, dass der neue Oberbürgermeister Reinhard Buchhorn (CDU) ohne eigene Mehrheit dastünde. Für ihn in der Lostrommel sind weiterhin die „Jamaika Plus“-Lösung mit CDU, FDP, Freien Wählern und Grünen. Oder eben eine „Große Koalition“ mit CDU und SPD. So oder so hängt es offenbar wesentlich an den Grünen, ob und mit wem sie im neuen Rat zusammenarbeiten wollen. Dementsprechend wagt der Anzeiger die gleiche Prognose, die gestern bereits die RP machte: „Eine Vorentscheidung könnte die Mitgliederversammlung der Grünen am kommenden Montag bringen.“ Wir warten gespannt.

Eine Etage tiefer blickt die Rheinische Post, nämlich in die Ausschüsse, die ebenfalls besetzt sein wollen: Peter Korn berichtet, dass die vornehmlich von der CDU geplante Zusammenlegung von Haupt- und Finanzausschuss vom Tisch sei. Allerdings solle der Finanzausschuss, in dem über die meisten Themen aus allen übrigen Ausschüssen gesondert debattiert werden muss, von 15 auf 21 Mitglieder vergrößert werden. Das würde kleineren Gruppierungen, wie etwa der Linken, ein Stimmrecht in diesem wichtigen Ausschuss ermöglichen. Die kleinen Parteien in den Ausschüssen angemessen zu repräsentieren, so wird der neue OB Buchhorn in der RP zitiert, sei „Wählerwille. Und den ignorieren wir nicht.“ Abgeschafft werden soll aber der Beschwerdeausschuss, dessen Aufgaben dem Bürger- und Umweltausschuss zufallen sollen.

Und es gibt ja auch noch den Bundestagswahlkampf, und da porträtiert die RP heute den CDU-Kandidaten Thomas Portz: Der fährt jetzt mit seinem Konterfei auf dem Auto durch die Gegend, von dem bis Ende August noch Reinhard Buchhorns gewinnendes Lächeln blitzte. Der promovierte Historiker – Thema seiner Dissertation: „Carl Duisberg und die deutsche Außenpolitik im Ersten Weltkrieg“ – und Pharma-Repräsentant (bevor er zu Daiichi Sankyo Europe wechselte, leitete er unter anderem die Bayer-Repräsentanz in Berlin) ist kein Freund von Berufspolitikern: „Die Politik braucht mehr Quereinsteiger.“ Aber müssen es gleich Pharma-Lobbyisten sein?

In die Reihe „Was Erstwähler wirklich wissen wollen“ gehört wohl diese Meldung: Das Kreuzfeuer der Fragen hat zwei andere Leverkusener Bundestagswahl-Kandidaten bei einer Podiumsdiskussion in der Gesamtschule Schlebusch offenbar zu äußerst intimen Geständnissen getrieben: Benedikt Vennemann von der FDP und Manuel Lindlar von der Linken sollen sich dort laut Berichterstatter Alexander Franz zu ihrer homosexuellen Neigung „bekannt“ haben – und dafür auch mit großem Applaus bedacht worden sein. Wir gratulieren!

Lindlar erklärte bei der Veranstaltung übrigens auch, warum er keine Krawatten tragen mag (er wolle den Anschluss zur Basis nicht verlieren, heißt es im Artikel sinngemäß). Für den Wahlkampf-Besuch von Sahra Wagenknecht am Mittwoch in Wiesdorf hatte er sich das offenbar schon wieder anders überlegt, denn da trug er Krawatte. Aber Wagenknecht ist ja auch nicht die Basis.

ECE hat es geschafft: Der Willy-Brandt-Ring wird doch erst 2012 saniert. Die Investoren und Bauherren der Rathaus-Galerie fürchteten um prognostiziert 420.000 Kunden aus dem Umland, wenn deren Anfahrt von der Autobahn 3 schon zur Eröffnung im März 2010 im Staudebakel ende. Auch die Frauen-Fußball-WM 2011 in der BayArena solle verschont bleiben, daher hat der Verwaltungausschuss der Technischen Betriebe Leverkusen (TBL) die Maßnahme gleich um zwei Jahre verschoben.

Apropos ECE: Mit Axel Kaechele, dem Chef der mit der Werbekampagne für die Rathaus-Galerie beauftragten Leverkusener Werbeagentur „TasteOne“, führte die RP ein Interview. Kaechele gibt darin einen Vorgeschmack: „Die außergewöhnliche Architektur der Galerie wird in der Werbung sicher eine zentrale Rolle spielen. Auch das gesamte Umfeld wird sich wiederfinden. Unser Ziel wird es sein, das Einkaufszentrum fest in Leverkusen zu verankern.

Von steigenden Gebühren an der Leverkusener Musikschule zum 1. Januar 2010 berichtet die RP: Die Anhebung um durchschnittlich 6,4 Prozent folgt als vorerst letzter Schritt als Konsequenz aus dem Kienbaum-Gutachten aus dem Jahr 2006. Mehreinnahmen in Höhe von rund 40.000 Euro beschert der Stadtkasse die Hundesteuer, weiß die RP.

Von einem „wissenschaftlichen Kolloquium“ im Kölner Gürzenich auf Einladung von Lanxess anlässlich des Kautschuk-Jubiläums (der synthetische Kautschuk wurde am 12. September 1909 patentiert) berichtet die RP (leider nicht online). Lanxess-Chef Axel C. Heitmann ließ sich bei der Gelegenheit auch von TV-Moderatorin Nina Ruge interviewen. Man gönnt sich in diesen Krisenzeiten ja auch sonst nur noch sehr wenig.

Vom ersten „Business-Frühstück“ der Wirtschatsförderung Leverkusen (WFL) berichtet die RP, auch nur im Print: Geladen waren Unternehmer, die sich mit „Innovativen Werkstoffen“ auseinandersetzen möchten. Schließlich möchten WFL-Leiter Wolfgang Mues und Currenta ganz Leverkusen und den Chempark bis 2020 sehr gerne zu einem Leuchtturm-Standort für die futuristischen Werkstoffe machen.

Von den Jagdplänen auf die Wildgänse am Hitdorfer See berichtete am Mittwoch die Lokalzeit im WDR. Tierschützer plädieren dafür, die Gänse nicht zu jagen, sondern mit Gipseiern „auszutricksen“; und Ursula Arand vom Umweltamt erklärt, warum es so viele Gänse gibt: Weil Gänse nämlich gar nicht dumm sind. Der Bericht ist hier abrufbar.

Der Anzeiger vermeldet heute (bzw.: hätte heute vermeldet) auch das neue Verkehrskonzept rund um die BayArena mit den Straßensperrungen rund um den Stadtpark, was wir schon von Radio Leverkusen und aus der RP kennen.

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