Grüße aus der Provinz

Zum großen Wahlkampffinale steuern wir heute keine Stichworte mehr für die im Netz herumwabernden Cloudtags bei. Morgen wird entweder Thomas Portz (CDU) oder Karl Lauterbach (SPD) über den „Wahlkreis 102 Leverkusen – Köln IV“ direkt in den neuen Bundestag gewählt. Die Wähler aus der Provinz der Rheinischen Tiefebene haben damit die Wahl zwischen einem, der sich für die Interessen von Ärzten, Apothekern und dem Pflegepersonal engagieren will – und einem, der sich für eine klassenfreie Gesundheitspolitik einsetzt. Das war’s im Prinzip, aber mehr Themen würden uns Wähler vielleicht ohnehin nur überfordern. Leverkusener Anzeiger und Rheinische Post zeigen ihren Lesern schon einmal den Wahlzettel und Wahlleiter Rainer Häusler appelliert in beiden Blättern angesichts einer ernüchternden Briefwahlbeteiligung, am Sonntag an die Wahlurnen zu pilgern: „Es kann doch nicht sein, dass am Ende die Nichtwähler die stille Mehrheit bilden.“

Radio Leverkusen meldet übrigens unter Berufung auf Rainer Häusler, diesmal in seiner Funktion als Stadtkämmerer, dass die Einnahmen der Stadt aus der Gewerbesteuer 2010 noch niedriger ausfielen als kalkuliert.

Von der „großen“ Bundes- damit zur provinziellen Kommunalpolitik: Eine geradezu anrührende Hommage auf die Arbeit in die tiefsten Niederungen von Provinzpolitik, nämlich in der Bezirksvertretung des Stadtbezirks III, schreibt zur letzten Sitzung in der ablaufenden Wahlperiode Werner Röder: „Während bei der UN-Vollversammlung in New York, diesem Schaulaufen der Provokateure, oder dem G 20-Treffen in Pittsburgh Politiker, mit fürstlichen Apanagen ausgestattet, versuchen, mit Heißluftverbalismus die Welt zu retten, wird hier lokal diskutiert – und gehandelt.“
Die 26 einstimmigen Ergebnisse der letzten Sitzung, bei der unter anderem beschlossen wurde, einen Runden Tisch aus Umweltexperten der Fraktionen zur Zukunft des Ophovener Weihers einzuberufen, fasst Röder hier zusammen, die RP erzählt aus der gleichen Sitzung u.a. über den Beschluss, für eine besseren Busanbindung an die Linie 4 zu sorgen.

Apropos provinziell: Das Museum Morsbroich ist von der „Internationalen Vereinigung der Kunstkritiker“ (AICA) laut Anzeiger zum „Museum des Jahres 2009“ gekürt worden – und AICA-Jurymitglied Thomas Wulffen lobt laut Anzeiger doch tatsächlich so: „Das Museum zeigt, wie auch in der Provinz Ausstellungen mit internationalem Renommee gezeigt werden können.“ Wir gratulieren zu dieser Einsicht und grüßen nach Berlin.
Die nächste Provinz-Ausstellung kündigen Anzeiger und RP schon für Sonntag an, um 12 Uhr ist Eröffnung: Die Grafiketage zeigt bis zum 7. Februar Arbeiten von Michael Schoenholtz.

Ein Ende hat es für unsere Provinzzeitungen nun auch mit zwei Fortsetzungsromanen aus den Zuschauerbereichen im Landgericht Köln: Sowohl der Messerstecher aus Leichlingen als auch der Sexualstraftäter aus Manfort wurden am Freitag verurteilt, berichten Anzeiger (hier und hier) und RP (nur hier). Der Messerstecher wegen gefährlicher Körperverletzung für vier, der Sexualstraftäter wegen sexuellen Missbrauchs in zwei und Vergewaltigung in einem Fall für fünf Jahre Haft.

Wir wissen zwar noch nicht, wer demnächst unser Land regiert, aber wir kennen schon den „Ritter des Humors“: In der bevorstehenden Session wird der städtische Beigeordnete Marc Adomat Schwert und Schild zur Verteidigung des Narrentums in unserer Provinz halten, berichten Anzeiger und RP hier und hier.

Mit diesem vorläufigen Stimmungsbild geben wir zurück ins Hauptstadtstudio. Gibt es schon neue Hochrechnungen?

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