„Fundamental oppositionell“

Auch der Sportbund Leverkusen hat seine Nische zur Verwaltung des Mangels gefunden: Ana Ostrić hat sich für den Leverkusener Anzeiger eine Fortbildungsmaßnahme für Arbeitslose angeschaut, die sich offenbar an die Fitteren unter den Empfängern von Arbeitslosengeld II richtet. In dem Pilotprojekt des Dachverbands der Leverkusener Sportvereine können sich Arbeitslose unter der gewissenhaften Anleitung von Diplom-Sportlehrer Thomas Edelmann zu Übungsleitern ausbilden lassen, um die sogenannte „Breitensport-Übungsleiter-C-Lizenz“ zu erwerben. Mit dem Schein sollen sie dann, so lautet der Plan, bei Sportvereinen oder in Offenen Ganztagsschulen wieder Arbeit finden können. 120 Stunden Theorie und Praxis erfordert die Fortbildung, und was erwartet so ein Diplom-Sportlehrer von seinen Schützlingen? Natürlich: „Eiserne Disziplin.“ Edelmann hält aber auch Lob bereit: „Positiv überrascht“ sei er von Motivation und Leistungsbereitschaft der insgesamt 13 Teilnehmer. Doch nicht alles Drückeberger, soll das wohl heißen. Die ins Bild gesetzten Anwärterinnen Andrea Neuber und Astrid Lindner machen jedenfalls durchaus eine gute Figur an den Trainingsgeräten. Freilich steht das ganze Modell vielleicht doch ein wenig auf wackligen Füßen, Sportbund-Geschäftsführer Thorsten Morig selbst warnte schließlich erst Ende September, dass den Vereinen vom Landessportbund (LSB) schon 2010 jene Zuschüsse gekürzt werden sollen, die die für ihre Übungsleiter erhalten. Morig regte damals übrigens indirekt an, statt Zuschüsse zu kürzen solle der LSB besser seine Personalkosten reduzieren.

Mit den Widrigkeiten von Arbeitslosigkeit befasst sich auch der Rest der ersten Lokalseite des Anzeigers: Thomas Käding erzählt uns von dem Hartz-IV-Empfänger Lothar H., der sich wegen um 57 Euro zu hoher Mietkosten eine neue, preiswertere Wohnung suchen muss. Die findet er auch, bekommt sie aber nicht, weil die Leverkusener Hartz-IV-Behörde, die Arbeitsgemeinschaft Leverkusen (AGL), die Miete partout nicht direkt an den Vermieter überweisen will – worauf der aber besteht. Also muss Lothar H. weiter suchen. Die fällige Rüge handelt sich die AGL im beistehenden Kommentar von Käding ein.
Und in einem Kasten informiert der Anzeiger über die aktuellen AGL-Interna: Auf den in das Oberbürgermeisteramt ausscheidenden Geschäftsführer Reinhard Buchhorn folgt übergangsweise dessen Stellvertreterin Renate Helff. Bis zur fälligen Neuorganisation der AGL Ende 2010 wird sie kommissarische Geschäftsführerin sein, ihr Stellvertreter wird Andreas Laukötter.

Die Leser der Rheinischen Post müssen schon etwas abkönnen: Die setzt heute für ihre lokale Aufmacherseite auf den Schockeffekt und zeigt die Mündung eines Maschinengewehrs. Was das mit Leverkusen zu tun hat, erklärt die Unterzeile des beistehenden Artikels: „Auch in Leverkusen“ gilt nämlich die landesweite Verordnung, nach der Polizeiautos ab sofort die Schusswaffe, Modell „Heckler & Koch MP5“, mitführen. Sollte sich also in Zukunft neben Tankstellen- oder Taxiräubern auch mal ein Terrorist nach, sagen wir: Hitdorf verlaufen, dann können ihm die Schutzpolizisten ab sofort relativ umstandslos einheizen. Natürlich verzichtet der Artikel nicht auf Schlagworte wie „Terrorgefahr“ oder gar „Al qaida“.

Fundamentalisten haben sich die Leverkusener offenbar auch in ihren Stadtrat gewählt: Die neue Ratsfraktion von Pro NRW kündigt laut Anzeiger an, sie werde im Rat einen „fundamental oppositionellen Kurs in Sachfragen“ einschlagen. Die drei tapferen Bürgervertreter ahnen offenbar, dass sie es im Rat nicht allzu oft zu tragfähigen Mehrheiten bringen werden. So ganz fundamental oppositionell will Fraktionschef Markus Beisicht dann aber wohl doch nicht sein: „Zum Wohle des Bürgers“ werde man sich auch gesprächsbereit zeigen. Die Kenntnisse der Grundprinzipien der Demokratie kann man ihnen folglich wohl nicht absprechen. Wir warten gespannt auf die erste Ratsfraktion, die diese Gesprächsbereitschaft antestet. Schwerpunkte der Pro NRW-Ratsarbeit sollen übrigens sein: „Innere Sicherheit“ und „multikulturelle Gesellschaft“.

Die RP meldet, dass es in der CDU Bestrebungen gebe, noch vor der offiziellen Kandidatennominierung für die Landtagswahlen 2010 aus den derzeit drei Bewerbern (Rainer Ewig, Albrecht Omankowsky, Rüdiger Scholz) einen zu machen. Richtige Wahlen sind eben auch für richtige Demokraten manchmal eine lästige Sache, zumal dann, wenn der Kandidat sich schon innerparteilich nur haarscharf durchsetzen kann und so unnötig beschädigt werden könnte.

Am Standort Geretsried in Bayern läuft die DyStar-Produktion schon wieder, melden der Anzeiger und auch die FAZ. Die Suche nach neuen Investoren sei wieder in Gang gesetzt, wird Insolvenzverwalter Stephan Laubereau zitiert, die Gespräche freilich seien in einem „sehr frühen Stadium“.

Über „“Gefallene M-Dax-Engel“ mit Bilderbuch-Erholung“ berichtet die FAZ heute und meint neben GEA und Hochtief auch Lanxess: Deren Aktien blieben in der Kategorie „Zukäufe“. Beide FAZ-Artikel kosten online Geld.

Im Sinkflug hingegen sieht der Anzeiger die Aktien der Kanadagänse in Hitdorf: Am 31. Oktober ende die Schonfrist für die Tiere, die Jäger grübeln schon, wie sie die Tiere ins Visier nehmen sollen. Förster Karl Zimmermann schätzt die Leverkusen Gänse-Population auf 250 Tiere, nur 100 seien besser. Der Vorsitzende des Leverkusener Tierschutzvereins, Gerd Kortschlag, protestiert: „Nur weil einige Leute gepennt haben, können die Gänse doch nicht jetzt abgeschossen werden.“

Über die Kollision zweier Lastkähne am frühen Freitagmorgen auf dem Rhein bei Wiesdorf, unmittelbar vor dem Chempark, berichten online Anzeiger, RP, Radio Leverkusen und auch die Bild.

Und schließlich Kultur: Die RP war bei einem Comedy-Abend bei der Tanzschule Kaechele in Opladen. Der Anzeiger lauscht in die Debüt-CDs der Leverkusener Musiker Crazy Freilach und Marc Schönberger, blickt auf das Konzert von Brian Auger am Samstag (19.30 Uhr) im Opladener Scala sowie auf die achte Leverkusener Shuttle-Nacht am Samstag, 24. Oktober.

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