„Lumpensammler“, „Pöstchenschieber“

Letzte Ratssitzung des Jahres in Leverkusen: Die SPD entfernt den Genossen Hofmann aus allen Gremien. Die Bürgerliste scheitert mit ihrem Antrag zur Wirtschaftsförderung. Außerdem: Verunsicherung bei DyStar-Angestellten.

Rund 100 Tagesordnungspunkte gab es bei der letzten Stadtratssitzung des Jahres, Probleme gibt es in Leverkusen auch genug, aber der SPD-interne Streit, die in diesem Rahmen ausgetragen werden musste, bietet den Lokalzeitungen heute ihre Aufmacher (hier und hier): Die SPD hat ihren Genossen Hans-Erich Hofmann aus allen Gremien abberufen lassen. Mit den Stimmen von SPD, Grünen, OP Plus, Bürgerliste und der Linken sei dies mit 32:28 Stimmen knapp gelungen, wie der Leverkusener Anzeiger beobachtet hat. Garniert wurde das Ganze mit einem Wortgefecht zwischen SPD-Fraktionschef Walter Mende und Ex-Genosse Jürgen Scharf, jetzt OWG/UWG: Mende nannte die OWG/UWG mit Blick auf die Ex-Genossen Scharf und Michael Schmidt „Lumpensammlerfraktion“, Scharf erwiderte, „ich könnte ja sagen, dass ich jetzt hier sitze, weil ich die Pöstchenschieberbande verlassen wollte“. Die SPD wirft Hofmann „Parteiverrat“ vor, er habe bei der Bezirksvertreterwahl seine Stimme dem CDU-Kandidaten Rainer Schiefer gegeben. Gegenüber dem Anzeiger bestätigt Hofmann, der nun nicht mehr in Volkshochschulrat, Kulturausschuss, Bauausschuss und Bahnstadt GmbH sitzt, was er schon der RP in der vorvergangenen Woche mitteilte: „Ich bin und bleibe Sozialdemokrat.“

Erhard Schoofs wiederholte im Rat die Vorwürfe gegen Stadtverwaltung und Wirtschaftsförderung, die bereits gestern im Anzeiger nachzulesen waren. CDU-Fraktionschef Klaus Hupperth konterte laut Rheinischer Post, Schoofs selbst „sei das größte Wirtschaftshindernis, das in dieser Stadt rumläuft“. Der Bürgerlisten-Antrag auf eine Neuaufstellung der WfL sei abgelehnt, der Wirtschaftsplan 2010 der WfL beschlossen worden.

Keine Brauchtumstage wird es für die Verwaltungsangestellten an Karneval geben. Der Anzeiger fasst das Geschehen noch einmal mit einem Blick hinter die Kulissen zusammen: Die Stadtverwaltung habe ihre Ratsvorlage kommentarlos zurückgezogen, mit der Oberbürgermeister Reinhard Buchhorn den Mitarbeitern ein Geschenk machen wollte. Die Bürgerliste habe zuvor Wert darauf gelegt, die Meinung von Kämmerer Rainer Häusler dazu zu erfahren. Dazu sei es nun nicht mehr gekommen.

Verunsicherung registriert die RP bei DyStar-Angestellten vor der sich anbahnenden Übernahme durch Kiri Dyes & Chemicals: Der Insolvenzverwalter rate ihnen derzeit dazu, zu kündigen und in eine Transfergesellschaft zu wechseln. Arbeitsrechtler Peter Orlowski aus Opladen rate davon jedoch ab: Ihm dränge sich der Eindruck auf, dass hier „die Braut geschmückt werden soll“, zitiert ihn die RP. Er meine damit: Je weniger Angestellte übrig blieben, desto mehr sei Kiri bereit, für die DyStar-Übernahme zu zahlen.

Die Bezirksvertretung II wird aktiv in Sachen Erhalt des alten Amtsgerichtsgebäudes in Opladen: Einstimmig sei beschlossen worden, die Obere Denkmalschutzbehörde der Kölner Bezirksregierung aufzufordern, das über 120 Jahre alte Gebäude in die Denkmalliste einzutragen – zumindest die Fassade. Das berichten heute Anzeiger und RP. Außerdem sollten die Leverkusener Parteien versuchen, auf Landesebene Einfluss zu nehmen.

So geht’s auch: Auf der zweiten Lokalseite lesen wir im Anzeiger: „Genossen ehren Urgesteine“ – die SPD feierte mit vieljährigen Mitgliedern in der Villa Wuppermann.

Kultur:
Die RP stellt das neue Krimi-Hörbuch „Einkaufsparadies mit Vorhölle“ von Regina Schleheck vor, das von einem VHS-Kursus eingespielt worden sei.
Und ansonsten wurde gesungen, was das Zeug hält: Hier, hier, hier und erst recht hier.

Advertisements

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Presseschau

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s