Maren Gottschalks Romanerstling: „Ein bisschen wie mit Schokolade“

Maren Gottschalk, Die Symmetrie der Liebe

Die Leverkusener Autorin und Journalistin Maren Gottschalk hat ihre Biographie-Produktion vorübergehend ausgesetzt, um einen Roman zu schreiben: „Die Symmetrie der Liebe“ erscheint in diesen Tagen im Verlag LangenMüller, es ist der erste Roman von Maren Gottschalk. LevLog führte ein E-Mail-Interview mit ihr über Fußnoten, Fiktionen und über die „Magie der Bäume“.

LevLog: Frau Gottschalk, wir kennen Sie bislang als Biographin so illustrer Personen wie Pablo Neruda, Astrid Lindgren, Nelson Mandela oder zuletzt Frida Kahlo. Nun erscheint Ihr erster Roman „Die Symmetrie der Liebe“ – wie funktionierte der Schritt von der Sach- zur schönen Literatur?

Maren Gottschalk: Schon nach meiner ersten Biographien-Sammlung „Der geschärfte Blick“ (erschienen 2001, d. Red.) habe
ich das Bedürfnis gehabt, mal ein Leben zu erfinden, mir Dialoge auszudenken und einen Text „ohne Fußnoten“ zu schreiben. Und so sind die ersten Motive des Romans auch genau damals – vor etwa 10 Jahren – entstanden.

Erzählen Sie etwas über die Motive. Worum geht es in dem Roman?

Gottschalk: Es geht um eine Liebe, um Verrat, um Angst und darum, dass man aus der Magie der Bäume etwas lernen kann.

Klingt esoterisch. Ist es ein Roman für spiritistisch interessierte Leserinnen?

Gottschalk: Oh Gott nein! Ist es nicht!

Dann ziehe ich die Frage zurück. Was ist es denn in Ihrem Buch um die „Magie der Bäume“?

Gottschalk: Die „Magie der Bäume“ ist der Titel einer Ausstellung, die in der Fondation Beyeler in Basel gezeigt wurde. Lorenz, eine meiner Romanfiguren, hat sie gesehen und dort etwas Wesentliches gelernt. Unter anderem, dass es im Leben darum geht, zu unterscheiden zwischen dem, was nun mal gegeben ist, und dem, was sich ändern lässt. Gerade für ihn als Landschaftsarchitekten ist das eine wichtige Erkenntnis, aber er lernt auch als Liebender etwas daraus. Manchmal muss man einen Anspruch aufgeben und etwas Geliebtes loslassen.

Ich hab mal gegoogelt: Eine Ausstellung über „das Phänomen Baum in der Kunst der klassischen Moderne und der Gegenwart“, mit Gemälden von Caspar David Friedrich über van Gogh bis Penone.

Gottschalk: Die Ausstellung war mit Sicherheit eine der schönsten, die ich je gesehen habe. Ich glaube, dass ich erst dort verstanden habe, was Bäume für Menschen bedeuten. Sie sind schweigsame, aber nicht stumme Begleiter. Sie sind allgegenwärtig, sie strukturieren die Welt für uns. Besonders bewegend waren die von Christo eingepackten Bäume im Park des Museums. Den Rest erzählt Ihnen Lorenz.

Auf dem Titelcover schaut, scheint’s, eine Journalistin über ihrer Kamera hervor. Verhilft sie ihm zur Erkenntnis?

Gottschalk: Nein, das tut sie nicht. Die Dame auf dem Cover ist Nina. Sie entdeckt die heimliche Liebe zwischen der Journalistin und dem Regisseur beim Fotografieren. Aber nicht, weil die beiden sich küssen oder sich sonst irgendwie berühren. Nina entdeckt etwas, das eigentlich für die Augen unsichtbar ist. Davon ist sie so fasziniert, dass sie das Paar heimlich zu verfolgen beginnt und mit der Zeit wird sie geradezu besessen von der Idee, das Unsichtbare zu fotografieren. Warum das so ist, erfahren die Leserinnen und Leser aber erst gegen Ende des Buches, darum verrate ich es Ihnen jetzt auch nicht.

Wie war das „Erfinden eines Lebens“ für Sie als Biografin? Blieben die Figuren Ihnen Willens oder haben sie sich verselbständigt?

Gottschalk: Die Freiheit, die ich suchte, in dem ich von den historischen Personen zu den fiktiven wechselte, stellte sich nur bedingt als Freiheit heraus. Je klarer die Personen waren, desto schwieriger wurde es für mich, sie zu dirigieren. Ich hätte es der Journalistin March gewünscht, dass sie lockerer sein kann, unkomplizierter, fröhlicher. Aber das ist sie nun einmal nicht. Zu beobachten, dass eine Romanfigur selbständig ist, macht Spaß, aber es ist auch anstrengend.

Welche Figuren waren Ihnen während des Schreibens näher: Die historischen, über die Sie geschrieben haben, oder nun die fiktiven?

Gottschalk: Wenn ich an Frida Kahlo oder Astrid Lindgren denke, dann weiß ich von beiden sehr, sehr viel, überblicke ihr ganzes Leben, kenne Briefe und Tagebücher. Und trotzdem bin ich nicht wirklich in ihrem Kopf. Bei March oder Nina ist es anders. Sie können sich nicht davor schützen, dass ich ihnen nahe komme. Ich weiß, was sie denken oder fühlen. Trotzdem muss ich mir Mühe geben, sie zu verstehen.

Am kommenden Dienstag stellen Sie Ihren Romanerstling in Morsbroich im „Museum Litterale“ vor. Aufgeregt?

Gottschalk: Ja.

Es gibt dazu ein musikalisches Rahmenprogramm von David Zernack – durften Sie sich die Musik wünschen?

Gottschalk: Musik und Lesung sind genau aufeinander abgestimmt. David Zernack, der ein ganz wunderbarer Musiker ist, wird die Atmosphäre der Texte musikalisch umsetzen. Und da die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven erzählt wird, greift er dann auch zu verschiedenen Instrumenten…

Sicher arbeiten Sie bereits an neuen Büchern. Wird der Ausflug in die erzählende Literatur einmalig bleiben? Oder haben Sie den zweiten Roman schon in der Schublade?

Gottschalk: Der zweite Roman umfasst bereits 120 Seiten. Es ist ein bisschen wie mit Schokolade: Wenn man angefangen hat, Geschichten zu erzählen, möchte man unbedingt weitermachen.

Maren Gottschalk: Die Symmetrie der Liebe. Roman. Verlag LangenMüller, Herbig 2010, 278 Seiten, 17,95 Euro.
ISBN 978-3-7844-3215-1

Maren Gottschalk

Maren Gottschalk

Dr. Maren Gottschalk, geboren 1962 in Leverkusen, studierte Geschichte und Politik, promovierte in Mittelalterlicher Geschichte. Seit 18 Jahren schreibt und spricht sie für den Westdeutschen Rundfunk, u.a. für die Sendung WDR-ZeitZeichen. 2007 wurde sie mit dem Kurt-Lorenz-Preis ausgezeichnet.

Maren Gottschalk liest heute Abend, Dienstag, 23. Februar, um 19.30 Uhr im „Museum Litterale“ in Schloss Morsbroich aus ihrem Romanerstling. Die Lesung ist allerdings bereits ausverkauft. Für die Lesung morgen, Mittwoch, 24. Februar, 20.30 Uhr im topos, Hauptstr. 134 in Wiesdorf, gibt es noch Karten. An beiden Abenden wird sie von dem Musiker David Zernack begleitet.

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