Monatsarchiv: April 2010

Überbelichtung ist CDU-Praxis

Donnerstag, 15. April – was ist heute Stadtgespräch?
Wer mitreden will, wenn es um die Wahlplakate geht, die uns noch einige Wochen in unserem Alltag begleiten werden, der sollte heute den Leverkusener Anzeiger lesen.

Wer will schon über Wahlplakate reden? Und, vor allem: was?
Das geht sehr wohl: Anzeiger-Fotograf Ralf Krieger hat die Plakate von vier Kandidaten (Rüdiger Scholz/CDU, Ruth Tietz/Linke, Timur Lutfullin/FDP, Eva Lux/SPD) unter seine Kennerlupe genommen – und fördert Erstaunliches zu Tage.

Zum Beispiel?
Überbelichtung ist bei der CDU scheinbar gängige Praxis!

Nein!?
Doch! Kandidat Scholz komme auf seinem Plakat „stark überbelichtet“ daher. Er sei „fast vollkommen schatten- und damit faltenfrei“ aufgenommen, der Lehrer wirke „fast unschuldig jungenhaft“. Das Verblüffende: Schon das Plakatfoto von Reinhard Buchhorn bei der Kommunalwahl 2009 sei stark überbelichtet gewesen…

…und der ist nun unser Oberbürgermeister! Sollten die Wähler hier im wahrsten Sinne des Wortes geblendet worden sein?
Das liegt wohl im Auge des Betrachters. Schon der alte Goethe soll ja auf seinem Totenbett verlangt haben: „Mehr Licht!“

Weise Worte! Und die anderen? Sehen die alle ganz natürlich aus?
Natürlich nicht. Allein die Kandidatin der Linken, Ruth Tietz, verschweige keine Falte – „eine ehrliche Haut“, wolle dieses Bild sagen, mutmaßt der Fotograf. Demhingegen setze SPD-Kandidatin Lux bei ihrem Plakat auf das volle Programm gekonnter Camouflage: Professionelles Make-Up, weiches „Beauty-Light“ und offenbar Nachbearbeitung am Rechner. Ihr Gesicht wirke „so glatt und sanft, dass man ihr über die Wange streicheln möchte“, bekennt Krieger.

Und der junge Mann von der FDP?
Timur Lutfullin setze auf eine Wildwest-Pose: Mit der „amerikanischen Einstellung“, bei der in Western der Revolver an der Hüfte gerade noch zu sehen sei. Zwar trage Lutfullin keine Waffen, aber seine Hände in den Hosentaschen – das solle lässig wirken. Allerdings wolle das nicht recht mit dem darunter prangenden Slogan „Aufstieg durch Leistung“ korrespondieren, bemängelt Krieger: Eine Aussage, deren Wahrheitsgehalt der Student Lutfullin selbst erst noch erfahren müsse – „dazu muss er aber die Hände aus den Taschen nehmen“.

Herrlich! Warum lesen wir so etwas nicht häufiger?
Es ist vielleicht einfach viel zu selten Wahlkampf. Der kann offenbar auch an Schulen unterhaltsam sein: Rheinische Post und Anzeiger waren bei einer Diskussion mit Kandidaten im Berufskolleg Opladen dabei und haben dort jedenfalls „rasante 90 Minuten“ erlebt. Und Lina Feder stellt das „Youth Meets“-Projekt heute noch einmal auf den „Junge Zeiten“-Seiten im Anzeiger vor.

Politische Aufklärung ist ja wichtig.
Das gilt übrigens auch für gestandene Politiker: Politikwissenschaftler Frank Überall will in einer Studie nachgewiesen haben, dass Kommunalpolitiker mithin „große Naivität“ im Umgang mit Pro NRW zeigten. Steht in einer ddp-Meldung, die Anzeiger und RP heute jeweils auf ihren Politikseiten abdrucken. „Laut Medienberichten hatte es in einzelnen Kommunen Kontakte von CDU-Vertretern zu Pro-Politikern gegeben“, heißt es darin.

Gab es nicht auch mal so etwas in Leverkusen?
CDU-Ratsherr Hermann Josef Kentrup soll den Versuch zugegeben haben, sich unter anderem mit einer Pro NRW-Stimme zum Vorsteher im Bezirk I wählen zu lassen, besagte eine Meldung Ende Oktober. Geklappt hätte es jedenfalls nicht: Bezirksvorsteher wurde Rainer Gintrowski von der Bürgerliste.

Anderes Thema: Was passiert eigentlich mit dem vielen Geld, das die Stadt aus dem Konjunkturpaket II bekommen soll?
Die Schulsanierungen haben begonnen! Die Grundschule In der Wasserkuhl wird jetzt zum Beispiel mit Mitteln aus dem Paket energetisch aufgerüstet, Anzeiger und RP haben sich persönlich vor Ort vom Fortschritt der Arbeiten überzeugt.

Was gibt es Neues zum Streit um den geplanten „Bruno-Wiefel-Weg“?
Einen weiteren Vorschlag: Die RP meldet, dass SPD-Politiker Hans-Erich Hofmann dafür plädiere, den Opadener Bahnhofsvorplatz nach Wiefel zu benennen.

Neues vom Sport?
Der Rücktritt des Vorstands um Geschäftsführer Otto Reintjes bei den Bayer 04-Basketballern bei der gestrigen Abteilungsversammlung ist vollzogen, wie die RP gestern bereits ankündigte. Der neue Vorsitzende Hans Stubbe übernehme sein Amt allerdings nur kommissarisch.

Was war kulturell so los?
In den Zeitungen lesen wir vom Konzert der „Red Hot Chilli Pipers“, die das Publikum im Scala laut Anzeiger „komplett kirre“ machten. Außerdem werden die Ausstellung „Radierungen“ der Leichlinger Künstlerin Nina Holzweg in der Forum-Galerie sowie die Ausstellung „Leverkusen begeistert“ im Forum-Foyer angekündigt.

Zum Schluss vielleicht noch einen Ratschlag?
Ja: Die katholische Kirche in Leverkusen rät ab!

Wovon rät sie ab?
Von Einbrüchen in die leerstehende Kirche St. Maria Friedenskönigin in Wiesdorf, deren Zukunft weiter ungewiss sei. Dort sei höchstens noch Plunder zu finden, erklärt Pfarrer Gregor Schulte dem Anzeiger.

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Schöne Stadt

Holla! So früh heute?
Viel zu erledigen, wichtige Termine. Da muss das fertig werden.

Dann mal los: Mittwoch, 14. April – was muss man heute wissen in Leverkusen?
Die Chinesen sind da! „Schöne Stadt“ lobt der Bürgermeister von Nanjing, Shouwen Wang, Leverkusen, zitiert ihn der Leverkusener Anzeiger.

Was führt den Bürgermeister einer 5,8 Millionen-Einwohner-Stadt in China nach Leverkusen – so schön es hier auch sein mag?
Touristische Highlights stehen weniger im Mittelpunkt, vielmehr natürlich knallharte Wirtschaftsinteressen. Leverkusen hat den Chempark, Nanjing den „Nanjing Chemical Industry Park“ (NCIP) – und dass die Chinesen lukrative Geschäftspartner sind, predigt ja nicht nur das Forum Wuxi-Leverkusen. Vor fünf Monaten habe der Chempark einen Partnerschaftsvertrag mit dem NCIP geschlossen und nun sucht man offenbar nach sinnvollen Wegen für diese Partnerschaft. Chempark-Chef Ernst Grigat weiß, worauf es ankommt: „Am Ende geht ein Investor dahin, wo er verstanden wird und willkommen ist“, zitiert ihn die Rheinische Post.

Apropos Fernost und touristische Highlights: Im Japanischen Garten blüht es derzeit ja auf das Prächtigste.
Es ist ja auch Frühling. Ralf Krieger hat für den Anzeiger ein hübsches Mandarinenten-Pärchen fotografiert, sogar die Lokalzeit im WDR-Fernsehen hat gestern ihre Wettervorhersage für heute mit Bildern mit Leverkusener Kirschblüten geschmückt.

Und direkt danach kam in der Sendung das „Völler Fußball-Ballett“
Jau. Aber Rudi Völlers Geburtstag ist nun wirklich Schnee von gestern. Aber auch RP Online hat übrigens noch einen Video-Geburtstagsgruß parat.

Einer seiner Nachfolger als Bayer-04-Stürmer soll ja auch mit zur WM – schafft der Stefan Kießling das denn?
Das fragen sich ja derzeit alle, spätestens seitdem Bundestrainer Jogi Löw nun auch nicht mehr ausschließt, vielleicht doch den einst in Ungnade gefallenen Schalker Kevin Kuranyi mitzunehmen. Christian Oeynhausen vom Stadt-Anzeiger nennt das heute im Sport-Kommentar „Fringsen ohne Not“ – zumal mit Kießling ein gleich guter Spieler zur Verfügung stünde. Aber seit wann interessierst Du Dich für Fußball?

War nur vorgetäuscht. Keine Polit-Aufreger?
Wie man’s nimmt. Immerhin „zarten Ärger“ hat die RP in Opladen registriert: „Opladen Plus“ wolle den Rad- und Wanderweg von der Düsseldorfer Straße entlang der Wupper nach Bruno Wiefel benennen, SPD-Politiker fänden hingegen, der ehemalige Opladener Bürgermeister habe mehr verdient.

Was sagt Bezirksvorsteher Rainer Schiefer dazu?
Der CDU-Mann ist wohl vom Standpunkt der Sozialdemokraten nicht weit entfernt: „Aus meiner ganz persönlichen Sicht passt eine Wiefel-Straße in der Bahnstadt besser als ein Wiefel-Wupperweg“, zitiert ihn die RP.

Wenn es sonst keine Probleme gibt…
Wohl leider doch: „Ist eine vertrauensvolle Zusammenarbeit im Leverkusener Integrationsrat noch möglich?“, fragt die RP. Dort gibt es offenbar Irritationen, nachdem der vieljährige Vorsitzende Jannis Goudoulakis (von der Liste „InterLev“) die Kampfabstimmung um den Vorsitz gegen Serkan Kaygisiz (Liste „Dein Leverkusen“) mit nur einer Stimme verloren hatte.

Was ist daran auszusetzen?
Möglicherweise geschah bei dieser Wahl etwas überaus seltenes: Die Stimme des Pro-NRW-Entsandten hatte Gewicht.

Oh!
Eben. Nun wollen sich die Gruppen außerhalb des Rates wieder zusammenraufen, schreibt die RP.

Andere Politikmeldungen?
Die SPD werbe für eine Ausweitung der offenen Ganztagsschulen in Leverkusen auch im Primarbereich, steht in der RP. Vielleicht befeuert durch die Berichterstattung gestern im Anzeiger.

Zum Schluss noch etwas Sport? Außer Fußball?
Der Vorstand der Bayer-04-Basketballer trete bei der Hauptversammlung heute Abend zurück, meldet die RP, es handele sich aber um eine „turnusmäßige Staffelstabübergabe“. Und die RP weiß, wie es bei den Bayer-04-Volleyballern nach dem bevorstehenden Weggang von Trainer Dirk Sauermann, den Roman Zilles auch interviewt hat, weitergehen soll: Der Co-Trainer Zhong Yu Zhou soll das Zepter bei den Damen übernehmen.

Schon wieder ein Chinese?
Immerhin gibt es 1,3 Milliarden von ihnen, jeder einzelne soll ja sogar online abrufbar sein. Da sind das hier doch im Verhältnis noch denkbar wenig.

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Bayer 04 sichert sich den Titel

Hast du gelesen: „Strafraumwühler“ möchte „bitte mehr von diesen Selbstgesprächen“.
Soll er bekommen! Wichtig ist natürlich, dass man auch sieht, dass das hier ein Dialog ist. All jene nämlich aus meinem unmittelbareren Umfeld, die das gestern nicht gleich erkannt hatten, signalisierten desolatestes Unverständnis. Das gilt es zu vermeiden.

Man muss aber auch wirklich sehr genau hinschauen…
…, weil sich die kursiv gesetzten Fragen optisch nicht so gut absetzen wie zum Beispiel beim Kölner Stadt-Anzeiger. Dort handelt ein Sportredakteur mit dem Stilmittel feiner Ironie in Rede und Gegenrede Woche für Woche und meist sehr unterhaltsam die Kuriositäten des jüngsten Spieltags der Fußball-Bundesliga ab (übrigens stets nur im Print). Womit auch klar wäre, woher ich diese Idee habe.

Schon wieder alles nur geklaut?
Nur bei den Besten!

Na gut. Wegen der Optik: Versuch’s doch mal mit Fetten – so wie hier.
Das könnte klappen!

Nun, wohlan: Dienstag, 13. April – was gibt es Neues in Leverkusen?
Heute sind die Zeitungen voll mit Bayer 04.

Fußball? Wochenende ist doch vorbei?
Macht doch nichts. Schließlich wird Rudi Völler heute 50! Im Stadt-Anzeiger auf Seite 2 widerlegt Frank Nägele aus diesem Anlass unter anderem den Gassenhauer „Es gibt nur ein Rudi Völler“: „Schon oberflächliches Suchen ergibt, dass im Eifelstädtchen Schleiden an der Seite seiner Frau Anneliese ein zweiter Rudi Völler lebt“. (Tatsächlich!). Im Lokalteil gratuliert auch Günter Müllers Freund und Fußballfan Kurt und bei der Rheinischen Post schlägt sich Stefan Klüttermann im Sportteil einmal quer durch Völlers Fußballerleben. Außerdem: Im Lokalaufmacher weiß die RP zu berichten, dass die BayArena neuerlich ausgebaut wird – freilich nur die dritte Etage des Gebäudes an der Westseite. Und der Anzeiger hat sich für seinen Lokalaufmacher die Kiste im Bayer 04-Fundbüro zeigen lassen. Aber die beste Nachricht ist selbst das noch nicht!

Sondern?
Bayer 04 hat sich den Titel gesichert! Den Titel „Vizekusen“. Kein Witz: Der Begriff ist ab sofort als Marke geschützt!

Heißt das, wann immer jemand den Verein künftig mit diesem Schimpfwort verhöhnt, kann Bayer 04 anschließend eine Rechnung schicken?
Das wäre fürwahr ein Geniestreich. Aber zuvorderst will der Verein den Begriff wohl einfach selbst vermarkten – ganz so wie schon „Pillendreher“ oder „Werksklub“, beliebte Verbalinjurien aus dem Prä-„Vizekusen“-Zeitalter. Über soviel Selbstironie staunt selbst ZEIT Online. Und für alle Fälle hat Bayer 04 sich auch den bislang völlig unbekannten Begriff „Meisterkusen“ schützen lassen. Man weiß ja nie…

Na denn. War’s das mit Fußball? Vielleicht ein bisschen Politik?
Oh ja! Renate Künast war da! Die Vorsitzende der Berliner Bundestagsfraktion der Grünen hat sich die Bahnstadt Opladen zeigen lassen. Und der nächste hohe Besuch aus Berlin steht schon in der Startlöchern: Am Donnerstag will auch FDP-Generalsekretär Christian Lindner die Bahnstadt sehen, meldete gestern der Anzeiger.

Schön, schön! Können die betriebsamen Berliner Bahnstadt-Besucher denn auch dafür sorgen, dass die so wichtige Gütergleisverlegung planmäßig durchgeführt wird?
Nö. Aber solche Details sind zu vernachlässigen, schließlich ist Wahlkampf.

Geht es Politikern denn wirklich immer nur um Wählerstimmen?
Ja. Aber wenn man diese dann hat, kann man auch mal Sinnvolles tun. So wie die Bürgerliste, die sich nun dafür einsetzt, dass Jugendliche in Rheindorf, die ihre BMX-Bahn ahnungslos über einer Gasleitung angelegt haben, einen geeigneten anderen Bereich für eine neue Bahn bekommen.

Man darf diesen Einsatz der Bürgerliste unumwunden würdigen!
Stimmt! Zumal es die Jugendlichen in Rheindorf bekanntlich nicht immer leicht haben: Ihr neues Jugendhaus soll nicht am Bauspielplatz entstehen, fordert laut RP nun ein Antrag, da andernfalls Klagen von Anwohner drohten. Antragsteller: SPD und … Bürgerliste. Diese „Zwangs-Ratskoalition“, wie die RP die beiden Nicht-Mitglieder von „Jamaika Plus“ nennt, wolle übrigens auch das Verkehrskonzept für Hitdorf schnell umsetzen und den Ausbau der Rheindorfer Burgstraße dafür zurückstellen.

Gibt es auch etwas ohne Bürgerliste?
Eher nicht. Nur aus dem Bereich Schule: Ana Ostrić widmet sich im Anzeiger recht ausführlich dem Thema Offene Ganztagsschule. Und angehende Abiturienten des Werner-Heisenberg-Gymnasiums haben sich zum Abi-Gag als Radfahrer zu einer „Kritischen Masse“ (vergleiche hier) zusammengeschlossen und so kurzzeitig die Kreisverkehre an der Steinbücheler Straße und am Berliner Platz in Beschlag genommen.

Was gibt es für die Kulturinteressierten?
Einiges: Frank Weiffen lobt im Anzeiger die Bayer-Kulturverantwortlichen, die Uraufführung von „Liebe Tilla Durieux“ durch Studenten der Berliner Ernst-Busch-Hochschule für Schauspielkunst in das Erholungshaus geholt zu haben: Sie hätten damit „Mut und Gespür für Qualität bewiesen“.

War das nicht Puppentheater?
Na und? Puppentheater für Erwachsene, und Weiffen lobt ausdrücklich, dass es dieser Inszenierung gelinge, Seriosität zu bewahren. Nicht zwingend seriös muss es bei der „Legendary Ghetto Dance Band“ aus Leverkusen zugehen, die ebenfalls Frank Weiffen vorstellt: Nur knapp sei die Combo bei einem TV-Wettbewerb am Titel „Deutschlands beste Partyband“ gescheitert. Wie Objektkünstler Lüder Seedorf am Hitdorfer Rheinufer die Feuergeburt einer Schwarzen Venus zelebrierte, hat die RP beobachtet. Beim Jazz-Konzert von Mezartha im Sensenhammer lauschte auch die RP.

Großartig! Und – klappt das mit dieser Zusammenfassung auch mal vor Einbruch der Dunkelheit?
Mal gucken. Aber so können wir heute auch noch flugs das Gerücht streuen, demzufolge Novartis Bayer schlucken will.

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Früher oder später

Na, Ostern vorbei?
Ostern und die Osterferien. Unwiderruflich.

Fest und Ferien brachen nicht nur ziemlich überraschend über das LevLog herein, sondern auch ein paar Tage zu früh.
Schon richtig. Das ist aber natürlich nur ein Test, ob eigentlich überhaupt irgendjemand bemerkt, wenn das LevLog aussetzt. Kann ja sein, dass die tausende Klicks, die da täglich in der Statistik angezeigt werden, nur von irgendwelchen seelenlosen Maschinen herrühren.

Und?
Naja, immerhin: Drei Leute (die ich an dieser Stelle besonders herzlich grüßen möchte!) haben nachgefragt, was denn los sei und wann es wohl weitergehe. Und „Drei“ galt schon bei den alten Ägyptern als Zeichen für „viel“.

Na also! Dann geht es jetzt also wieder los? Wo sind denn die Rubriken? Und der Vorspann?
Gibt’s nicht. Das ist hier ja schließlich nichts für Buchhalter. Das muss auch irgendwie anders funktionieren.

Zum Beispiel wie?
Frag mich doch einfach mal, was heute so in der Zeitung steht!

Was steht denn heute so…
…jaja, schon klar. Also: Och, eigentlich nix besonderes. Aber es war ja auch Wochenende. Also macht der Leverkusener Anzeiger seinen Lokalteil konsequenterweise mit den Frettchen auf, die im Tierpark Reuschenberg ein Gehege bezogen haben.

Wie süß! Sonst nichts von Belang?
Nö. Es sei denn, man hat ein Auto, wohnt im Wiesdorfer „Parkbezirk D“ und fragt sich gerade, wann denn wohl die alten Ausweise ihre Gültigkeit verlieren (Antwort: 30. April). Das ist sogar so uninteressant, dass es erst gar nicht online steht. Na gut, wer sich für Kultur interessiert: Der Anzeiger staunt über Falko Steinbach, den „Musiker im Strickpulli“. Und: Die Wirtschaftsjunioren haben sich Gedanken über Hauptschulen gemacht!

Moment mal: Die Wirtschaftsjunioren, die erst kürzlich die grandiose Idee hatten, das Arbeitslosengeld II für Familien aufzustocken, deren Kinder gute Schulnoten nach Hause bringen?
Genau die. Also – zumindest deren örtlicher Ableger. „Liegt das Problem nicht eher in den Inhalten und Strukturen als im auf der Schule angebrachten Namensetikett?“, fragen die nun laut Anzeiger (leider auch nicht online) zum Thema „Hauptschule“.

Respekt: Die packen das Problem ja direkt an der Wurzel!
Richtig! Lustig ist nur: Sie haben es selbst gar nicht gemerkt. Denn der Meldung darf man entnehmen, dass die Wirtschaftsjunioren den Erhalt der Hauptschulen eher befürworten. Also, obwohl es da möglicherweise Probleme „in den Inhalten und Strukturen“ an den Hauptschulen geben könnte und der Name doch zweitrangig ist. „Gesamtschule“, soviel steht fest, wollen sie es jedenfalls offenbar lieber nicht nennen.

Ach so. Und in der Rheinischen Post? Steht da nichts drin?
Doch, doch! Die weiß, dass die Stadt den Friedhof Lützenkirchen zurückgebaut hat, um Geld zu sparen. Und dass die Aktionsgemeinschaft Opladen nicht mal mehr für ihre verkaufsoffenen Sonntage werben kann, weil die Parteien vor der Landtagswahl alles mit ihren Plakaten zukleben.

Da treffen natürlich zwei zivilisatorische Plagen aufeinander: Wahlkampf und verkaufsoffene Sonntage.
Eben. Also alles halb so schlimm. Die RP interpretiert auch ein Beratungspapier zum Bebauungsplan des Leverkusener Klinikums für ein neues Parkhaus. Der Satz „Die Klinikum-Geschäftsführung hat darauf hingewiesen, dass die heutigen kliniknahen Wald- und Parkanlagen ‚nach Möglichkeit’ erhalten bleiben sollen“ heiße demnach wohl nichts anderes als: Wald und Park ade – früher oder später!

Schade! Aber so lange es den Frettchen im Tierpark gut geht…
Vergiss die Frettchen. Im RP-Wirtschaftsteil finden wir noch den Hinweis, dass RP und RP Online eine „regionale Portal-Serie“ gestartet haben, die „Wirtschaftsinteressierten und -akteuren“ ab sofort wirtschaftsrelevante regionale Nachrichten unter www.lokale-wirtschaft.topics.de bündele. Inhaltliche Grundlage böten die Artikel aus den RP-Lokalredaktionen. Da fehlt Leverkusen natürlich nicht.

Toll! Das Portal, lese ich, soll kostenfrei zur Verfügung gestellt werden?
Vorsicht: „z u n ä c h s t kostenfrei“, steht da! Das ist ganz ähnlich wie mit dem Klinikum-Beratungspapier: Das genaue Gegenteil wird der Fall sein – früher oder später. Es handelt sich hier offenbar um einen Vorboten der Zeit, in der Lokalnachrichten auch im Internet wieder Geld kosten, Stichwort: Paywall. Da müssen die User nämlich erst behutsam dran gewöhnt werden.

Oha! Und „Wirtschaftsinteressierte und -akteure“ werden da Verständnis für haben?
Wenn nicht die, wer dann?

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