Bayer 04 sichert sich den Titel

Hast du gelesen: „Strafraumwühler“ möchte „bitte mehr von diesen Selbstgesprächen“.
Soll er bekommen! Wichtig ist natürlich, dass man auch sieht, dass das hier ein Dialog ist. All jene nämlich aus meinem unmittelbareren Umfeld, die das gestern nicht gleich erkannt hatten, signalisierten desolatestes Unverständnis. Das gilt es zu vermeiden.

Man muss aber auch wirklich sehr genau hinschauen…
…, weil sich die kursiv gesetzten Fragen optisch nicht so gut absetzen wie zum Beispiel beim Kölner Stadt-Anzeiger. Dort handelt ein Sportredakteur mit dem Stilmittel feiner Ironie in Rede und Gegenrede Woche für Woche und meist sehr unterhaltsam die Kuriositäten des jüngsten Spieltags der Fußball-Bundesliga ab (übrigens stets nur im Print). Womit auch klar wäre, woher ich diese Idee habe.

Schon wieder alles nur geklaut?
Nur bei den Besten!

Na gut. Wegen der Optik: Versuch’s doch mal mit Fetten – so wie hier.
Das könnte klappen!

Nun, wohlan: Dienstag, 13. April – was gibt es Neues in Leverkusen?
Heute sind die Zeitungen voll mit Bayer 04.

Fußball? Wochenende ist doch vorbei?
Macht doch nichts. Schließlich wird Rudi Völler heute 50! Im Stadt-Anzeiger auf Seite 2 widerlegt Frank Nägele aus diesem Anlass unter anderem den Gassenhauer „Es gibt nur ein Rudi Völler“: „Schon oberflächliches Suchen ergibt, dass im Eifelstädtchen Schleiden an der Seite seiner Frau Anneliese ein zweiter Rudi Völler lebt“. (Tatsächlich!). Im Lokalteil gratuliert auch Günter Müllers Freund und Fußballfan Kurt und bei der Rheinischen Post schlägt sich Stefan Klüttermann im Sportteil einmal quer durch Völlers Fußballerleben. Außerdem: Im Lokalaufmacher weiß die RP zu berichten, dass die BayArena neuerlich ausgebaut wird – freilich nur die dritte Etage des Gebäudes an der Westseite. Und der Anzeiger hat sich für seinen Lokalaufmacher die Kiste im Bayer 04-Fundbüro zeigen lassen. Aber die beste Nachricht ist selbst das noch nicht!

Sondern?
Bayer 04 hat sich den Titel gesichert! Den Titel „Vizekusen“. Kein Witz: Der Begriff ist ab sofort als Marke geschützt!

Heißt das, wann immer jemand den Verein künftig mit diesem Schimpfwort verhöhnt, kann Bayer 04 anschließend eine Rechnung schicken?
Das wäre fürwahr ein Geniestreich. Aber zuvorderst will der Verein den Begriff wohl einfach selbst vermarkten – ganz so wie schon „Pillendreher“ oder „Werksklub“, beliebte Verbalinjurien aus dem Prä-„Vizekusen“-Zeitalter. Über soviel Selbstironie staunt selbst ZEIT Online. Und für alle Fälle hat Bayer 04 sich auch den bislang völlig unbekannten Begriff „Meisterkusen“ schützen lassen. Man weiß ja nie…

Na denn. War’s das mit Fußball? Vielleicht ein bisschen Politik?
Oh ja! Renate Künast war da! Die Vorsitzende der Berliner Bundestagsfraktion der Grünen hat sich die Bahnstadt Opladen zeigen lassen. Und der nächste hohe Besuch aus Berlin steht schon in der Startlöchern: Am Donnerstag will auch FDP-Generalsekretär Christian Lindner die Bahnstadt sehen, meldete gestern der Anzeiger.

Schön, schön! Können die betriebsamen Berliner Bahnstadt-Besucher denn auch dafür sorgen, dass die so wichtige Gütergleisverlegung planmäßig durchgeführt wird?
Nö. Aber solche Details sind zu vernachlässigen, schließlich ist Wahlkampf.

Geht es Politikern denn wirklich immer nur um Wählerstimmen?
Ja. Aber wenn man diese dann hat, kann man auch mal Sinnvolles tun. So wie die Bürgerliste, die sich nun dafür einsetzt, dass Jugendliche in Rheindorf, die ihre BMX-Bahn ahnungslos über einer Gasleitung angelegt haben, einen geeigneten anderen Bereich für eine neue Bahn bekommen.

Man darf diesen Einsatz der Bürgerliste unumwunden würdigen!
Stimmt! Zumal es die Jugendlichen in Rheindorf bekanntlich nicht immer leicht haben: Ihr neues Jugendhaus soll nicht am Bauspielplatz entstehen, fordert laut RP nun ein Antrag, da andernfalls Klagen von Anwohner drohten. Antragsteller: SPD und … Bürgerliste. Diese „Zwangs-Ratskoalition“, wie die RP die beiden Nicht-Mitglieder von „Jamaika Plus“ nennt, wolle übrigens auch das Verkehrskonzept für Hitdorf schnell umsetzen und den Ausbau der Rheindorfer Burgstraße dafür zurückstellen.

Gibt es auch etwas ohne Bürgerliste?
Eher nicht. Nur aus dem Bereich Schule: Ana Ostrić widmet sich im Anzeiger recht ausführlich dem Thema Offene Ganztagsschule. Und angehende Abiturienten des Werner-Heisenberg-Gymnasiums haben sich zum Abi-Gag als Radfahrer zu einer „Kritischen Masse“ (vergleiche hier) zusammengeschlossen und so kurzzeitig die Kreisverkehre an der Steinbücheler Straße und am Berliner Platz in Beschlag genommen.

Was gibt es für die Kulturinteressierten?
Einiges: Frank Weiffen lobt im Anzeiger die Bayer-Kulturverantwortlichen, die Uraufführung von „Liebe Tilla Durieux“ durch Studenten der Berliner Ernst-Busch-Hochschule für Schauspielkunst in das Erholungshaus geholt zu haben: Sie hätten damit „Mut und Gespür für Qualität bewiesen“.

War das nicht Puppentheater?
Na und? Puppentheater für Erwachsene, und Weiffen lobt ausdrücklich, dass es dieser Inszenierung gelinge, Seriosität zu bewahren. Nicht zwingend seriös muss es bei der „Legendary Ghetto Dance Band“ aus Leverkusen zugehen, die ebenfalls Frank Weiffen vorstellt: Nur knapp sei die Combo bei einem TV-Wettbewerb am Titel „Deutschlands beste Partyband“ gescheitert. Wie Objektkünstler Lüder Seedorf am Hitdorfer Rheinufer die Feuergeburt einer Schwarzen Venus zelebrierte, hat die RP beobachtet. Beim Jazz-Konzert von Mezartha im Sensenhammer lauschte auch die RP.

Großartig! Und – klappt das mit dieser Zusammenfassung auch mal vor Einbruch der Dunkelheit?
Mal gucken. Aber so können wir heute auch noch flugs das Gerücht streuen, demzufolge Novartis Bayer schlucken will.

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