Endlich: Bayer wächst bald wieder

Nach weniger als zwei Monaten bekennt sich der neue Vorstandschef Dr. Marijn Dekkers zu seinem großen Plan: Bayer soll wieder wachsen! Leider geht das freilich nur, wenn man zunächst etwas Ballast abwirft. Und Ballast, das sind nunmal die teuren Angestellten: 4500 von ihnen sollen den Konzern verlassen.

Endlich geht es wieder aufwärts beim Bayer: Man strebt nicht nur im Fußball zu höchsten Weihen, auch in seinen Kerngeschäften Gesundheit („HealthCare“), Pflanzenschutz („CropScience“) und Kunststoffe („MaterialScience“) soll Bayer weltweit wieder in die Spitzenränge vorstoßen, Wachstum und Innovation wieder Einzug halten in den schlaffen Konzern. Und Dr. Marijn Dekkers, der im vergangenen Oktober den Vorstandsvorsitz von Werner Wenning übernommen hat, weiß natürlich auch, wie das geht: „Mehr Innovation, weniger Administration“, lautet die Losung des Niederländers.

Der Verwaltung soll es nun also an den Kragen gehen. Dass Dekkers ausgerechnet hier mit eisernem Besen kehren möchte, kann eigentlich kaum verwundern, gilt sie doch als traditionell recht üppig ausstaffiert. Und Angestellte sind nunmal ziemlich teuer. Angestellte in Deutschland sogar besonders. Angestellte in „Schwellenländern“ sind nicht ganz so teuer, außerdem sind Schwellenländer die begehrten „emerging markets“, in die all jene drängen, die Großes vorhaben. Also müssen von knapp 109.000 Angestellten bei Bayer weltweit 4500 gehen, 1700 davon in Deutschland. Im Gegenzug sollen rund 2500 neue Jobs in ebenjenen Schwellenländern geschaffen werden.

Das Problem mit Bayer-Angestellten in Schwellenländern ist freilich: Die werden höchst selten in die Wiesdorfer Rathaus-Galerie zum Shoppen kommen. Und da die Verwaltung großenteils in Leverkusen sitzt, dürften hiesige Arbeitsplätze einen ordentlichen Batzen der 1700 abzubauenden Stellen ausmachen. Der Express will in Erfahrung gebracht haben, dass knapp 700 Plätze in Leverkusen wegfallen sollen. Oberbürgermeister Reinhard Buchhorn äußert sich in der Rheinischen Post jedenfalls entsprechend bestürzt: „Das ist eine Hiobsbotschaft“, stellt er fest und gibt seiner Hoffnung Ausdruck, dass die Maßnahme für die betroffenen Mitarbeiter so sozialverträglich wie möglich gestaltet werden könne. Das Stichwort „sozialverträglich“, immerhin, hat auch Dekkers in diesem Zusammenhang schon geäußert: „Bayer hat in der Vergangenheit notwendigen Arbeitsplatz-Abbau stets sozialverträglich gestaltet. Das ist mir auch jetzt sehr wichtig.“

RP-Wirtschaftsredakteurin Antje Höning resümiert trocken: „Der Rheinische Kapitalismus in Leverkusen ist zu Ende.“

UPDATE: Die „Coordination gegen Bayer-Gefahren“ (CBG) verweist auf Rekordgewinne, denen zum Trotz nun der Stellenabbau vorangetrieben werde. Der Betriebsrat wolle Alternativen zu dem Stellenabbau prüfen.

UPDATE II: Bayer: Dekkers verstehen … mit Schumpeter

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