Endlich wieder unterm eigenen Dach: Das Junge Theater Leverkusen

Seit Freitagabend hat eine Institution der Leverkusener Theaterszene endlich wieder eine Adresse: Das Junge Theater Leverkusen öffnete nach rund zweijähriger Umbauzeit mit allen dazugehörigen Höhen, Tiefen und Bauabnahmen wieder seine Tore. Ab sofort ist der Bunker an der Opladener Karlstraße, Haus Nummer 9, das Domizil der Talentschmiede für Spielwütige ab 17 Jahren.

Michael Schmidt, Vorsitzender des JTL-Fördervereins, bekannte, „mächtig stolz“ zu sein – und in einer rund einstündigen Darbietung unter dem Titel „Herzstück“ zeigten die beiden Leiterinnen Petra Clemens und Claudia Sowa, Techniker, Maske und natürlich das neue Ensemble, was sie und die neue Spielstätte so alles können. – Eine kurze boulevardeske Kritik zu Abend und Ambiente in Stichworten:

Die Adresse
Top! Dieser Teil der Karlstraße mit Künstlerbunker, Studiobühne und Pentagon ist nun ganz und gar der Kunst geweiht. Mögen die Spiele beginnen!

Das Haus
Das klobige Ding war nunmal ein Bunker. Wer Neobarock will, ist weiterhin im Erholungshaus gut aufgehoben. Aber nicht nur für die Bauabnahme, auch für das Auge haben die fleißigen Helfer aus Team und Förderverein gewerkelt, freundliche Farben sorgen bereits für eine gute Stimmung im Eingangsbereich.

Illustre Gäste bei der Eröffnung des Jungen Theater Leverkusen.

Im Foyer: Illustre Gäste bei der Eröffnung im Jungen Theater Leverkusen.

Nassräume/Toiletten:
Wenige, dafür aber flammneu und blitzsauber. Und die Fliesen wurden beim KAW stibitzt, gab Petra Clemens zu.

Der Bühnenraum:
Klein, eine niedrige Decke – wie gemacht für atmosphärisch dichte Darbietungen in kleinerer Besetzung. Eher nichts hingegen für eine überbordende Inszenierung z.B. des kompletten Faust.

Das Licht…
… musste noch kurz vor der Eröffnung angebracht werden. Durch die niedrige Decke kommen die Strahler dem Publikum wirklich nahe und wer als Gast im Schweinwerferlicht sitzt, dem wird zumindest am Rücken selbst im Winter kaum kalt.

Die Sicht:
So mittel. Wer sehen will, was passiert, wenn sich die Darsteller auf dem Boden tummeln, sollte sich einen Platz in Reihe 1 sichern. Aber vielleicht hilft da irgendwann noch ein kleines Podest ab?

Dramatik:
Der bisweilen schleppende Fortschritt der Arbeiten, immer wieder neue Hindernisse, berufliche Veränderungen: Die einstündige Darbietung, bei der unter anderem Clemens und Sowa 2 Jahre Theater ohne Obdach Revue passieren ließen, machte ahnen, was die beiden und das gesamte Team durchgemacht haben. „Wir gingen echt auf dem Zahnfleisch“, erinnert sich Petra Clemens an die ganz schwere Zeit. Marion Bryx, einst dritte im JTL-Leiterinnen-Bunde und inzwischen am Düsseldorfer Schauspiel, war am Freitag als Gast mit dabei.

Emotionaler Höhepunkt:
Beinahe schien es schon, als wolle man die Anfänge des Jungen Theaters an der neuen Spielstätte hinter sich lassen, aber da würde man Petra Clemens und Claudia Sowa schlecht kennen: Ganz am Schluss stießen die beiden auf der Bühne mit Sekt an und widmeten den Bühnenraum dem 2006 viel zu früh verstorbenen Gründer des Jungen Theaters Bernd Vossen.

Das fand auch er hier prima:

Und last but not least:

Das Ensemble:
Wer nicht versteht, was so ein Junges Theater eigentlich soll, der schaue sich diese Truppe an! Meist kaum älter als 17, quasi keine Bühnenerfahrung (woher auch?) – aber jede Menge Power. Herausragend am Freitag: Inga Dreger mit einem Monolog von Borcherts Beckmann, Yasmin Münter als verzogene Göre oder Kilian Bierwirth (hier beim Poetry-Slam im KAW), der den Faust in der Studierstube im Engelskostüm probt.

Kilian Bierwirth gibt den Faust als Engel.

Kilian Bierwirth gibt den Faust als Engel. (Für schöne Fotos verweise ich auf den Stadt-Anzeiger.)


Samstag & Sonntag gastierte Schauspieler Helmut Thiele mit Süßkinds „Der Kontrabass“ im JTL; am Dienstag, 2. Oktober, 20 Uhr, gibt es übrigens eine „JTL Eröffnung II“.
Ab Freitag, 12. Oktober, startet dann der Spielplan mit den Produktionen „Klasse der Besten“ und einer Bühnenfassung Lesung von Irmgard Keuns „Das kunstseidene Mädchen“ (Premiere: 21.10.). Dazu Gastspiele und u.a. eine Lesung der Leverkusener Autorin Maren Gottschalk am Freitag, 9. November. Und 2013 soll Schillers „Kabale und Liebe“ auf die Bühne im „Vossen“ gebracht werden.


http://www.jungestheaterlev.de/

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