„Rassismus ist ein Arschloch!“

Noch bis Samstag zeigt die Stadtbibliothek Leverkusen in Wiesdorf die Ausstellung „Tatort Stadion 2“. Heute referiert der Fansoziologe Dieter Bott über die Rolle der Massenmedien im modernen Fußball.

Tatort Stadion 2

Stadtbibliotheks-Leiterin Lucia Werder (li.) und Sozialpädagogin Daniela Frühling vom Fanprojekt Leverkusen freuen sich, die Ausstellung „Tatort Stadion 2“ nach Leverkusen geholt zu haben.

Es ist seit langem das erste Mal gewesen, dass man bei Bayer 04 Leverkusen von einem „Problem“ mit den Fans sprechen musste: Als die vergangene Saison sportlich endgültig nicht das einzulösen versprach, was sich die Fans erhofft hatten, zogen Trainer, Spieler und Geschäftsführung Unmut auf sich. Über „Beleidigungen aus der Fäkaliensprache“ empörte sich Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser damals gegenüber dem Express, „das ist eigentlich nicht zu tolerieren“. Inzwischen ist die Unruhe gewichen, woran zum einen die zufriedenstellenden Ergebnisse der vergangenen Monate ihren Anteil haben, zum andern sicher auch die gute Fanarbeit, die in Leverkusen betrieben wird.

Das Fanprojekt Leverkusen, ein eingetragener Verein, kümmert sich seit 1996 um die Belange der Fans, parallel zur Fanbetreuung von Bayer 04 selbst, mit denen sie sich das Fanhaus an der Lichstraße in Wiesdorf teilen. Dort finden Fans Ansprechpartner zu allen Themen, die sie beschäftigen – und umgekehrt pflegt man hier einen guten Draht zu den Fans. Sozialpädagoge Stefan Thomé und seit 2011 auch Sozialpädagogin Daniela Frühling bieten unterschiedliche Aktivitäten insbesondere für junge Fans an, wie etwa Touren zu Auswärtsspielen für Jugendliche bis 16 Jahren oder den Lauftreff. Dafür wurde Thomés und Frühlings Arbeit vergangene Woche mit dem Qualitätssiegel der Koordinationsstelle der Fanprojekte ausgezeichnet.

Initiative des Bündnisses Aktiver Fußball-Fans

Parallel zu der feierlichen Übergabe präsentiert das Fanprojekt in der Stadtbibliothek Leverkusen in Wiesdorf die Ausstellung „Tatort Stadion 2“, die dort noch bis Samstag, 17. November, zu sehen ist. Die Wanderausstellung ist auf Initiative des Bündnisses Aktiver Fußball-Fans, kurz „B.A.F.F.“, entstanden und die Fortsetzung einer Ausstellung, die unter dem Namen 2001 an über 200 Orten in Deutschland zu sehen war, auch in Leverkusen. Die Ausstellung, in Leverkusen unter der Schirmherrschaft von Wolfgang Holzhäuser, widmet sich dem Thema Fußball und Diskriminierung. Und da kommt einiges zusammen: Sexismus, Homophobie, Rechtsextremismus, gar Antisemitismus sind demnach auf Stadionrängen keine Seltenheit. Die Ausstellung dokumentiert solche Fälle im deutschen und europäischen Fußball, aber auch die Gegenbeispiele, etwa das Banner von Fans des FC St. Pauli Hamburg. Auf schwarzem Grund ist dort diese klare Ansage vermerkt: „Rassismus ist ein Arschloch!“

Bibliotheks-Leiterin Lucia Werder begrüßt interessante Ausstellungen wie diese in ihren Räumen: „Das hat sich bewährt, zum einen bieten wir unseren Kunden damit etwas Abwechslung, zum anderen lockt man mit solchen Ausstellungen durchaus auch den einen oder anderen potenziellen neuen Kunden zu uns.“

Ein Rahmenprogramm widmet sich Themen mit Vorträgen und Diskussionen, über die Ultra-Szene, ebenso über Rechtsextremismus und Homosexualität. Heute, Donnerstag, 15. November, ab 15.45 Uhr, wird Fansoziologe Dieter Bott einen Vortrag über „Die Fußballidole der Fans – und den Einfluss der Massenmedien am Beispiel von Beckenbauer, Bayern München und der Bild-Zeitung“ halten. Der Eintritt zu Veranstaltung und Ausstellung ist frei.

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