Bayer 04 und Leverkusen: cui bono?

Bayer 04 und Stadt Leverkusen

Leverkusens Oberbürgermeister Reinhard Buchhorn (v.l.), Professor Dr. Sascha L. Schmidt vom Institute for Sports, Business & Society, Bayer-04-Sprecher Meinolf Sprink und Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser bei der Präsentation der Studie.

Bayer 04 Leverkusen hat beim Institute for Sports, Business & Society, kurz ISBS, eine Studie in Auftrag gegeben, mit der der Nutzen, den die Stadt Leverkusen vom Fußballverein Bayer 04 Leverkusen hat, dargelegt werden soll. Jetzt haben Professor Dr. Sascha L. Schmidt und sein Institut geliefert: Holzhäuser ist stolz – und OB Buchhorn hat’s eh schon vorher gewusst.

Wolfgang Holzhäuser muss sich sehr geärgert haben. Ob in Sachen BayArena-Verkehrskonzept (siehe hier, hier, hier und hier) oder Klagen der Nachbarn über Lärm: Ständig wollen eifrige Politiker seinem Verein am Zeug flicken. Der reiche Fußballklub Bayer 04, sagen die, werde von der Stadt im Nothaushalt bei den Gebühren regelmäßig geschont.

Jetzt hat es Holzhäuser endlich Schwarz auf Weiß: Die BayArena ist für die Leverkusener ein Wahrzeichen. Nicht nur das: Der Verein Bayer 04 trägt erheblich zur Identifikationsstiftung der Leverkusener mit ihrer Stadt bei und engagiert sich überdies auch mit sozialen Projekten vor Ort. Und schlussendlich ist der wirtschaftliche Nutzen des Fußballvereins für die Stadt in Zahlen zu beziffern. In recht großen Zahlen sogar, jeweils mit einem „Euro“-Zeichen dahinter: Rund 4,75 Millionen Euro Einnahmen erwirtschaftete Bayer 04 demnach in der Saison 2011/12 für seine Heimatstadt, überdies einen Werbewert von 2,5 Millionen Euro. Daneben fallen die rund 160.000 Euro, die die Stadt im Jahr für Ordner, Politessen und Absperrmaßnahmen ausgibt, recht bescheiden aus. Professor Dr. Sascha L. Schmidt überbrachte diese frohen Botschaften vor der versammelten Medienschar: Der Mann ist Leiter des „Institute for Sports, Business & Society“, in dessen Kuratorium auch ein gewisser Oliver Bierhoff sitzt, und das der privaten EBS-Business School mit Standorten in Wiesbaden und Oestrich-Winkel angegliedert ist. Dort hat Holzhäuser die Studie in Auftrag gegeben.

Nimm das, SPD!

„Nimm das, SPD!“, hat Holzhäuser nicht gesagt, vielleicht hätte er aber gern. In Zukunft haben er ebenso wie Oberbürgermeister Reinhard Buchhorn jedenfalls nun stichhaltige Argumente zur Hand, wenn wieder ein Politiker mit der populistischen Forderung um die Ecke kommen sollte, man möge doch den Fußballmillionären bitteschön ein paar Euro für die klamme Stadtkasse abzwacken.

„Es lohnt sich für eine Stadt, einen Fußball-Bundesligisten zu beheimaten“, resümierte Schmidt lapidar, als sollte jede Kommune im nächsten Stadtentwicklungsplan auch mal das Forcieren einer Spitzenmannschaft in Erwägung ziehen. Aber Leverkusen hat zum Glück ja bereits einen solchen Verein, der der Stadt bislang so ziemlich alles außer einem nationalen Meistertitel beschert hat. Dabei waren die Ergebnisse der Befragung, wie Schmidt selbst zugeben musste, wenig überraschend. Und es mutete etwas befremdlich an, dass der Professor die drei beliebtesten Altstars von Bayer 04 (Ulf Kirsten, Rudi Völler und Bernd Schneider) aufzählte und ebenso die drei beliebtesten aktuellen Stars (Stefan Kießling, Lars Bender und Bernd Leno). Wichtiger vielleicht die drei Wahrzeichen der Stadt: Bayerkreuz, BayArena und Wasserturm. Freilich ist die Umfrage unter 1816 Leverkusenern weit entfernt davon repräsentativ zu sein, was von den Herren neben Schmidt niemanden anficht.

Als Wirtschaftsfaktor kann der Verein mit härteren Fakten auftrumpfen: Mit 215 Vollzeitangestellten (und da seien die Kicker selbst gar nicht miteinbezogen) spiele der Verein in einer Liga mit Unternehmen wie Mazda Motors Europe oder der Kraftverkehr Wupper-Sieg AG. Und dann sei da ja auch noch das soziale Engagement des Vereins, das von den Bürgern der Stadt sowohl erwartet und auch wahrgenommen werde, etwa mit dem Projekt „Bayer 04 macht Schule“.

„Ich hab‘ das auch vorher gewusst“

Oberbürgermeister Reinhard Buchhorn, den Bayer 04 zu der Pressekonferenz im Raum „Auswärtsspiel“ im BayArena-Bereich VIP-West hinzugebeten hatte, konnte das alles nicht beeindrucken: „Ich hab‘ das auch vorher gewusst“, fasste er den Vortrag Schmidts lakonisch zusammen, „und ich fühle mich bestätigt.“ Er begrüße dieses Gutachten „zu unserem Verein“, das „aus neutraler Ecke“ komme. Bereits früher hatte Buchhorn sich gegen solche Forderungen gestellt, nach denen Bayer 04 üppiger zur Kasse gebeten werden solle. Denn: „Dieser Verein tut so viel für die Stadt, das können wir mit Geld gar nicht aufwiegen.“

Und Wolfgang Holzhäuser freute sich einfach: Die BayArena ein Wahrzeichen für die Stadt! „Da bin ich richtig stolz drauf“, erklärte er und bekannte, dass eine Debatte „um angeblich niedrige Mieten für die Parkplätze unter der Stelze“ letzter Auslöser war, diese Studie auf den Weg zu bringen. „Da war ich richtig verärgert“, erinnerte er sich. Und Holzhäuser erklärte auch gleich, dass der Spieler mit dem aktuell höchsten Identifikationspotenzial mit der Stadt, nämlich Stürmer Stefan Kießling, seinen Vertrag gerne sofort verlängern könne – „wenn er will“.

Zum Lieferumfang des ISBS gehört auch eine auf hochwertigem Papier gedruckte Broschüre, die die Ergebnisse auf 28 Seiten zusammenfasst. Ihr unspektakulärer Titel: „Die Stadt und ihr Profifußball. Eine ganz normale Beziehung.“

ZAHLEN
Eine Verwaltungsgebühr von 767,- Euro pro Saison zahlt die Bayer 04 Fußball GmbH an die Stadt für die Durchführung der Fußballspiele in der BayArena.

Für den Pendelbusverkehr vor und nach den Spielen wendet Bayer 04 pro Saison rund 500.000 Euro auf.

Für 39.000 Euro hat Bayer 04 im Jahr 2011 ein Verkehrskonzept für die BayArena bei der RWTH Aachen erstellen lassen.

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