Monatsarchiv: August 2013

Verrückt in der Stadtbibliothek

Mit der Kampagne „BiblioFreak“ sollen die Bibliotheken im deutschsprachigen Raum kräftig entstaubt werden. In Leverkusen gehen die Mitarbeiter der Stadtbibliothek für die Kampagne mutig in Vorleistung.

Für eine Imagekampagne präsentieren sich die Mitarbeiter der Stadtbibliothek Leverkusen und Kulturdezernent Marc Adomat (Mitte, hinten) vor der Lokalpresse als "Freaks": Jeder mit seinem ganz eigenen "Spezialgebiet".

Für die Imagekampagne BiblioFreak präsentieren sich die Mitarbeiter der Stadtbibliothek Leverkusen und Kulturdezernent Marc Adomat (Mitte, hinten) vor der Lokalpresse als „Freaks“: Jeder mit seinem ganz eigenen Spezialgebiet.

Etwas Außergewöhnliches musste geschehen sein, denn während Lucia Werder die geladene Presseschar im Foyer ihrer Stadtbibliothek begrüßte, zierte ein Kochlöffel unübersehbar ihr Haar und ragte dabei mit der Löffelschale beinahe bedrohlich über sie selbst hinaus. Dass die anwesenden Bibliotheksnutzer denken könnten: „Was ist denn bloß in die Leiterin unserer ehrwürdigen Bibliothek gefahren?“, nahm Werder offenkundig nicht nur billigend in Kauf: sie legte es darauf an. Im Obergeschoss outeten sich, dem Vorbild ihrer Chefin folgend, dann auch gleich einige Mitarbeiter als Freaks, und zwar als: Golf-, Motorrad-, Kunst-, Katzen-, Hunde- oder Hockey-Freak. Sogar Marc Adomat, in Personalunion derzeit sowohl Kulturdezernent als auch kommissarischer KulturStadtLev-Leiter, erinnerte sich Frank Weiffens Lauschangriff und outete sich als Musik-Freak, mit gleich einem ganzen Schwung seiner Platten- und CD-Sammlung als anschaulicher Beglaubigung unterm Arm.

„Modernes Kommunikationszentrum“

Es sind also alle verrückt geworden im engeren Umfeld der Stadtbibliothek, könnte man nun zusammenfassen, den Kopf bedenkenvoll wiegen und die Geschichte dann zu den Akten legen. Doch die Freakshow mit Ansage hat einen Sinn und ein Ziel: Mit einer Aufmerksamkeitskampagne sollen Bibliotheken in Deutschland, Österreich und der Schweiz von ihrem angestaubten Image befreit werden und fortan wieder wahrgenommen werden als Orte, in denen außergewöhnliche Dinge geschehen, in denen vielfältige Quellen die unterschiedlichsten Interessen nähren, in denen man sich ganz seinen heimlichen und unheimlichen Leidenschaften widmen kann. Und zwar mittels aller zu Gebote stehenden Medien.

Vorbei die Zeiten, in denen verhärmte Bücherwürmer durch Regalreihen im Dämmerlicht schleichen, Bücher hervorziehen und mit bewegtem Gesichtsausdruck stumm deklamieren. In der modernen Bibliothek wird an der Playstation gezockt, werden Filme geschaut, Musik gehört, Fachzeitschriften ebenso wie Tageszeitungen gelesen, eMedien heruntergeladen, im Internet gesurft. Lucia Werder erklärt, den Kochlöffel beharrlich ins schwarze Haar geknotet, den ernsthaften Hintergrund: „Wir hoffen, mit dieser Kampagne die Wahrnehmung und die Sichtbarkeit der Bibliothek auf sympathische Weise zu erhöhen.“ Immerhin investiert die Leverkusener Stadtbibliothek Jahr für Jahr sechsstellige Summen in aktuelle Medien, für 2013 beträgt der Medienetat 118’900 Euro. Und das in Zeiten knapper Kassen, in denen das Angebot der Bibliotheken oft kommunalen Haushaltskürzungen ausgesetzt ist, auch in Leverkusen. Es lohnt sich für das Angebot zu werben, weiß Werder: „Wir sind ein modernes Kommunikationszentrum mit einem breiten Angebot“, erklärt sie, „was wir alles Tolles leisten ist vielen gar nicht bewusst.“ Das soll mit der „Freak“-Kampagne anders werden. Mitarbeiterin Eva-Marie Urban erklärt vorsichtshalber, wie das mit dem „Freak“ gemeint sein soll: „Wir denken dabei an jemanden, der auf etwas abfährt, total auf etwas steht oder sich mit etwas einfach sehr gut auskennt.“

In den USA sponsert Bill Gates die Kampagne

Vorbild für die Kampagne ist die amerikanische „Geek the Library“-Kampagne, die mit Bill Gates immerhin auch einen wahrhaftigen Geek als potenten Sponsor vorweisen kann. Die deutschsprachige Kampagne wird gleichsam von der in den USA beheimateten Bibliotheksorganisation OCLC organisiert. Leverkusen ist, gemeinsam mit Sömmerda, Mettmann, Graz und Basel eine von fünf Pilottest-Bibliotheken, die sie antesten sollen: Stellt sich der gewünschte Erfolg ein, soll die Kampagne mit allen Erfahrungen, die gesammelt werden konnten, ab dem Frühjahr 2014 in Deutschland, Österreich und der Schweiz starten. Für die Erprobungsphase darf Leverkusen sämtliche Materialien – Plakate, Flyer, Postkarten – kostenlos verwenden.

Seinen ganz persönlichen Freak eintragen kann man auf dieser Seite, auf der sich – obschon noch in der Erprobungsphase – schon so mancher Freak verewigt hat: www.bibliofreak.org. Auch bei Facebook ist die Kampagne vertreten, ebenso bei YouTube.

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150 Jahre: Bayer-Historie in Bildern

Vor 150 Jahren, am 1. August 1863, gründeten Friedrich Bayer und Johann Friedrich Weskott in Barmen die Firma „Friedr. Bayer et comp.“. Wenige Jahre später zog die Firma ins nahegelegene Elberfeld um, bevor Carl Duisberg sie ab 1891 an den Rhein verlegte. Eine kleine Firmenhistorie in Bildern.

„Und dieser Carl Leverkusen war also ein Bayer-Mitarbeiter?“ – Über Entstehung und Geschichte der Stadt Leverkusen existiert oft ein erstaunliches Halbwissen: innerhalb der Stadt, noch mehr – naturgemäß – außerhalb. Natürlich war Carl Leverkus, so sein richtiger Name, kein Bayer-Mitarbeiter, wie ein Bonner Bekannter von mir jüngst mutmaßte. Leverkus hatte mit Bayer rein gar nichts zu tun. Seine Söhne, immerhin, haben das Firmengelände, das sie vom Vater übernommen hatten, Ende des 19. Jahrhunderts an die Farbenfabriken Bayer verkauft. Ein gewisser Carl Duisberg – er sehr wohl ein Bayer-Mitarbeiter – hatte den kühnen Plan entworfen, am Rhein zwischen Wiesdorf und Mülheim eine riesige Bayer-Fabrik entstehen zu lassen, die ab 1891 Gestalt annahm: Das Bayer-Werk. Carl Leverkus hatte sich dort wenige Jahre zuvor angesiedelt: 1861, also vor 152 Jahren, hatte er bei der Bezirksregierung in Düsseldorf die Genehmigung erhalten, dort seine Ultramarinfabrik ansiedeln zu dürfen. So sparte er es sich fortan, die Rohstoffe, die meist mit den Schiff über den Rhein geliefert wurden, noch kilometerweit bis ins Bergische Land schaffen zu müssen. Den Ort, der unter den Wiesdorfern bis dato schlicht „Kahlberg“ hieß, benannte er kurzerhand nach der Hofschaft bei Remscheid, von der er stammte: Leverkusen.

Erst 1912, mithin also vor 101 Jahren, verlegte Bayer seinen Hauptsitz hierher. Die Stadt „Leverkusen“ entstand 1930 durch den Zusammenschluss von Wiesdorf und Bürrig mit Schlebusch, Rheindorf und Steinbüchel – nicht zuletzt durch das Bayer-Werk waren die Bevölkerungszahlen bemerkenswert angestiegen.

Heute, am 1. August 2013, jährt sich die Gründung der Firma, der die Stadt ihre Existenz verdankt, zum 150. Mal: Die Bayer AG begeht ihr Jubiläum mit verschiedenen Aktionen (z.B. dieser hier), das LevLog zeigt einige Bilder aus dem Bayer-Archiv, die die Historie des einst in Barmen gegründeten heutigen Weltkonzerns beleuchten – einfach durchklicken:

Alle Bilder: Bayer AG

Mit „Die Bayer-Story“ zeigte die ARD am Montagabend eine bemerkenswerte Dokumentation, hier via YouTube abrufbar:

Auch der WDR-Hörfunk beschäftigt sich heute ausgiebig mit Bayer: Im „ZeitZeichen“ auf WDR 5 um 9.05 Uhr, auf WDR 3 um 17.45 Uhr sowie im „Stichtag“ auf WDR 2, um 9.40 Uhr sowie um 17.40 Uhr; außerdem „Aspirin, Giftgas und Makrolon – Die größten Segen und Flüche aus dem Hause Bayer“ in der Sendung „Leonardo – Wissenschaft und mehr“ um 16 Uhr auf WDR 5. Alle Sendungen hat die Leverkusener Journalistin Maren Gottschalk zusammengestellt.

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