Die zehnte Leverkusener Kunstnacht – Der Künstler ist anwesend!

45 Stationen öffnen dem geneigten Kunstfreund bei der 10. Leverkusener Kunstnacht heute von 18 Uhr bis Mitternacht ihre Türen. Nicht nur Kunstkenner möchten die Aussteller zu dieser Gelegenheit in ihre Ateliers locken, sondern natürlich auch solche, die die Welt der Kunst erst noch für sich entdecken. Für all jene eine kleine Handreichung für einen gelungenen Atelierbesuch.

Twitter-Hashtag: #kunstnachtlev
Facebook-Seite: Kunstnacht Leverkusen
Webseite mit allen Infos: www.kunstnacht-lev.de

Neugier ist die vielleicht vornehmste Eigenschaft, die einen Atelierbesucher auszeichnen kann. Aber alle Neugier ist vergebens, wenn sich vor des Künstlers Kammer Schwellenangst breit macht. Diese zu überwinden soll die Kunstnacht helfen. Denn während man im Museum üblicherweise anonym die Werke abschreiten, hier und da den Kennerblick – sei er echt oder nur vorgetäuscht – nach Belieben schweifen lassen kann, muss man im Atelier natürlich dringend damit rechnen, dem Künstler selbst in die Arme zu laufen. Und woher soll man schon wissen, was so ein Künstler dann von einem erwartet? Muss man stundenlang über seine Kunst debattieren? Womöglich erwartet er gar noch, dass man gleich ein paar seiner Werke käuflich ersteht?

Mit ihrem Atelier in Hitdorf ist Martina Auweiler-Gewaltig seit der ersten Kunstnacht mit dabei, und sie weiß genau, was sie von einem Besucher erwartet: „Die Kommunikation ist mir schon wichtig, als Künstlerin möchte ich die Reaktion der Menschen sehen und die Resonanz erspüren.“ Sie versuche, jeden Besucher persönlich zu begrüßen und sich zumindest kurz vorzustellen – insbesondere, wenn sie ein neues Gesicht erblickt. „Wenn ich dann merke, dass jemand nicht viel reden möchte, dann lasse ich ihn natürlich in Ruhe.“ Es sei ohnehin genug zu tun bei so einer Kunstnacht, sodass auch Introvertierte nicht damit rechnen müssten, den ganzen Abend in Debatten verwickelt zu werden. Jeder könne sich ungestört umsehen, sich am Rotwein bedienen, dem Bühnenprogramm folgen oder auch nach fünf Minuten wieder gehen.

Auch Ulrike Harter aus Schlebusch versichert: „Bei uns wird niemand bedrängt oder vollgequatscht!“ Andererseits sei so eine Kunstnacht ja durchaus dazu angetan, mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen. Harter: „Unser Zelt ist für mich eine Begegnungsstätte, das ist ja auch spannend für uns Künstler!“ Ob jemand lange Diskussionen vor einem Bild führen möchte oder nicht – „das obliegt jedem selbst!“ Ein gewisses kommunikatives Rüstzeug schätzt auch Bernd Wachtmeister bei seinen Atelierbesuchern: „Wenn die Besucher mit einer Frage auf mich zukommen, vereinfacht das das Gespräch, das merkt man schon.“ Das sei ihm allemal lieber als der Besucher, der einmal täppisch anmerkte: „Schönes Männchen hamse da gemalt!“

9. Leverkusener Kunstnacht, 11.10.2013 - EVL City-Point Wiesdorf mit Bernd Wachtmeister

Bei der 9. Leverkusener Kunstnacht im EVL City-Point Wiesdorf mit Bernd Wachtmeister.

Welches Outfit ist das richtige? Ist Extravaganz angesagt oder doch gepflegtes Understatement? „Viele Besucher, insbesondere Besucherinnen“, hat Wachtmeister beobachtet, „nutzen solche Anlässe gerne für ein schrilles Outfit.“ Dagegen sei gar nichts einzuwenden, keinesfalls aber erwarte er von Besuchern Trendsettermentalität. Auch für Ulrike Harter muss niemand darauf achten, „besonders chic gekleidet zu sein“. Und Martina Auweiler-Gewaltig hat nur eine Bitte an ihre Besucher: „Niemand soll sich verkleiden! Ich muss ganz bei mir bleiben – als Künstler genauso wie als Besucher!“

Schließlich: Ist es unhöflich, ohne gutgefüllte Einkaufstüte das Atelier wieder zu verlassen? „Um Gottes Willen!“, rufen beide Künstlerinnen unisono aus. Ulrike Harter: „Dann müsste ich ja 400 Werke an einem Abend verkaufen!“ Wehren würde sie sich dagegen nicht, aber „das ist ja nicht der Grund, warum ich die Leute zu mir einlade.“ Natürlich sei es schön, Geld einzunehmen, um die nächste Miete bezahlen zu können, ergänzt Martina Auweiler-Gewaltig, aber: „Die wenigsten kaufen ein Bild – und kein Künstler würde das erwarten.“ Es gehe schlicht darum, das Atelier zu erkunden und die Techniken des Künstlers kennenzulernen.

Fazit: Anziehen, was bequem ist – nur das kaufen, was außerordentlich gefällt – und fragen, fragen, fragen. Und notfalls damit rechnen, dass man auch auf einen eher mürrischen Künstler treffen könnte, der mit Picasso zu verstehen gibt: „Könnte ich es beschreiben, hätte ich es geschrieben und hätte es nicht malen müssen!“

Der Text ist dem Katalog entnommen, den Norbert Kaluza anlässlich der 10. Kunstnacht zusammengestellt hat:

Titelseite Kunstnacht-Katalog

Titelseite Kunstnacht-Katalog

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