Monatsarchiv: Juni 2016

A3: Die Welt zu Gast bei Freunden

Auf der A3 zwischen Leverkusen und Köln-Mülheim werden zwei Behelfsbrücken abgebaut, daher ist der Autobahnabschnitt seit gestern Abend und noch bis voraussichtlich heute, 22 Uhr, voll gesperrt. Auf der B8 dürfen wir in Leverkusen daher wieder die Reisenden in unserer Stadt begrüßen.

Das geht bei aller Gastfreundschaft einher mit ein paar Unannehmlichkeiten für alle Beteiligten. Eine Pink-elpause der besonderen Art an der B8 hat @drehumdiebolzening dokumentieren können:

Ich habe mir gestern extra ein Auto besorgt, um zu probieren, ob der Verkehr wirklich so grausam ist. Nach rund 2 Stunden quer durch Köln-Mülheim teile ich @Jimfi s Einschätzung:

Vom Stau noch heute überraschen ließ sich @schopfzz:

Ein Blick in die Zukunft von @zusehrverkuerzt:

Manchmal muss man merkwürdige Dinge tun, Andreas Born von leverkusen.com hat das in tiefer Nacht wieder mal beherzigt und bei den Versuchen verschiedener Autofahrer, mit den Sperrungen klarzukommen, einfach mal draufgehalten. Dank moderner Schnitttechnik ein unterhaltsamer 145-Sekünder:

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„Wir wollen hier gewinnen!“

Bayer 04 und die Leverkusener Fußballfans betrauern den Tod von Sascha Lewandowski.

Der Fußballtrainer, der zuletzt wegen eines „Burnout“-Syndroms sein Engagement bei Zweitligist FC Union Berlin vorzeitig beenden musste, starb mit 44 Jahren in Bochum. Als Trainer der Leverkusener Profis gemeinsam mit Sami Hyypiä feierte er bemerkenswerte Erfolge. Unter anderem gelang es dem Trainer-Duo, nach 23 Jahren wieder einen Sieg beim FC Bayern München einzufahren: Beim 2:1-Sieg der Leverkusener im Oktober 2012 fingen die Mikrophone dabei am Spielfeldrand einen Satz Lewandowskis zu Gonzalo Castro ein, der so gar nicht zu Leverkusens sonst üblichem Auftreten im Münchner Olympiastadion passen wollte – kurz bevor Sidney Sam tatsächlich den Siegtreffer für Bayer 04 erzielte. Stefan Klüttermann (twitter) beschrieb das damals für die Rheinische Post sehr treffend so:

Es läuft die 84. Minute in der Allianz-Arena. Sieben Zeigerumdrehungen zuvor scheinen Bayers Träume vom ersehnten Auswärtssieg in München durch Mario Mandzukics Ausgleichstor zerplatzt zu sein. Ja, mehr noch: Viele erwarten nun den Siegtreffer der Münchner. Und was macht Leverkusens Trainer Sascha Lewandowski? Gibt er den Befehl zum kolossalen Einigeln, um wenigstens das Remis über die Zeit zu retten? Ein Achtungserfolg als kleine Lösung?

Nein. Ganz im Gegenteil. Lewandowski ruft Gonzalo Castro deutlich hörbar zu: „Wir wollen hier gewinnen!“ Es ist ein Satz in den Startlöchern zum Kultstatus. Einer, den sich so mancher Fan der Werkself im Geiste einrahmen dürfte. Und es ist ein Satz, mit dem Lewandowski einem in Sachen Eigenwerbung für ihn perfekten Tag das i-Tüpfelchen aufsetzt.

Der Verein wird Sascha Lewandowski ein ehrendes Andenken bewahren. Für die Fans hat sein Satz, in dem sein Enthusiasmus, seine Begeisterung und sein Ehrgeiz wie in einer Nussschale stecken, längst den Kultstatus, den Klüttermann voraussah. Hier ist der Satz dokumentiert (er lautet korrekt tatsächlich ohne „hier“ – gleichviel: Gänsehaut!):

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Zukunft der Zeitungen: Totholz für die Geschichte?

Über die „Geschichte des Zeitungswesens an Rhein und Ruhr“ berichtete der Leverkusener Lokalhistoriker Reinhold Braun in der Villa Römer. Sein Rückblick reichte bis in die Gegenwart, in der sinkende Abonnentenzahlen immer weniger werdender Lokalzeitungen den Historikern Sorgen um die Zukunft bereiten.

Denn wenn es nicht die tägliche Zeitung ist, die dereinst verlässlich über unsere Vergangenheit berichten kann – was sonst könnte gleichwertig an dessen Stelle treten? Schließlich gebe es kein anderes Medium, stellt Braun seinem Vortrag als Fazit voran, „das alle Facetten des politischen, kulturellen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und teils auch des sportlichen Lebens so konkret darstellt wie die Zeitungen“.

Bilder aus dem Vortrag von Reinhold Braun (mit Klick vergrößern):

Mit den Internetmedien tun sich Historiker schwer. Reinhold Braun erklärt mir das auf Nachfrage so: „Historiker beschäftigen sich damit, was früher war – vor 5, 10, 50 oder mehr Jahren. Internet- oder Blogbeiträge verschwinden schnell oder werden verändert“ – und damit seien sie als historische Dokumente unbrauchbar. Als diese seien sie später nur dann auswertbar, „wenn jemand sie gespeichert oder ausgedruckt hat“. Braun erläutert dazu sorgfältige Historikerarbeit beim Quellenstudium: „Bei einer gedruckten Zeitung weiß ich: der Artikel über Schlebusch aus dem Jahre 1848 war so und so, der Artikel über dasselbe Thema im Jahre 1925 war so und so. Wenn der Artikel ähnlich geblieben ist, dann weiß ich, der Schreiber von 1925 kannte den älteren Artikel oder hat die gleichen Quellen genutzt. Schreibt er etwas anderes, hatte er wohl andere, neuere Quellen oder er kannte die älteren Quellen nicht.“ Also müssen um der Geschichtsschreibung willen doch weiter Bäume sterben?

Bis 1975 gab es bis zu sieben Tageszeitungen in Leverkusen

In Leverkusen gibt es mit dem Leverkusener Anzeiger (Kölner Stadt-Anzeiger / „KStA“) und der Rheinischen Post („RP“) derzeit zwei Tageszeitungen, in denen zwei Redaktionen unabhängig voneinander an sechs Tagen in der Woche die aktuellen Nachrichten aus Leverkusen zusammentragen. Das erscheint mir für eine Stadt von der Größe Leverkusens als gar nicht mal so wenig. Das allerdings sieht Braun aus historischer Sicht entschieden anders – und erinnert an „goldene Zeiten“ des Zeitungswesens im 20. Jahrhundert: „In den ersten Jahren nach dem 2. Weltkrieg gab es im Raum des heutigen Leverkusen bis zu sieben verschiedene lokale Zeitungen, bis 1974 vier lokale Zeitungen: KStA, RP, Kölnische Rundschau und Neue Rhein Zeitung, teils mit zwei verschiedenen Ausgaben für den Rhein-Wupper-Kreis und Opladen oder Leverkusen.“ Das heiße, folgert Braun: Mehr Redakteure hätten auf viel mehr Seiten aus unterschiedlicher ideologischer oder anderer Sicht geschrieben, sodass für die Geschichtsforschung mehr lokale Informationen zu finden seien als in den Jahren nach 1975.

Zuletzt musste 2003 die Leverkusener Lokalredaktion der Kölnischen Rundschau wegen sinkender Leserzahlen ihre Pforten dichtmachen, nachdem sie zuvor bereits 15 Jahre mit einer Schrumpfredaktion weitgehend nur noch die Artikel des Leverkusener Anzeigers übernommen hatte. „Und heute“, registriert Braun mit Bedauern, „müssen RP und KStA aus verschiedenen Gründen mehr auf Unterhaltung bei ihrer Berichterstattung eingehen und sie haben weniger Seiten Platz für Leverkusen als früher.“

„Blogs sind in ein oder drei Jahren weg“

Onlinequellen könnten diese größer werdende Lücke nicht füllen, befindet Braun: „Die älteren Leverkusener Zeitungen bieten eine Fülle von Informationen aus der früheren Zeit. Blogs, die wir heute im Internet lesen können, sind vielleicht in ein oder drei Jahren weg. Das heißt, sie sind nur kurzzeitig verfügbar. Und sie haben, so mein Eindruck, auch nur wenige Fotos.“ Dennoch gibt es Hoffnung für die Geschichtsschreibung, ergänzt Braun: Denn etwas anderes sei es, wenn es Zeitungen zukünftig nur noch online gebe, etwa als e-Paper: „Diese können unter anderem von Archiven digitalisiert gesammelt werden und so wieder für die historische Arbeit zur Verfügung gestellt werden.“

„Haben die Zeitungen noch eine Zukunft?“ – Das fragt eine Veranstaltung der VHS Leverkusen am Dienstag, 07. Juni 2016, um 19 Uhr im Forum Leverkusen, zu der ich eingeladen bin, um gemeinsam mit Bert Gerhards vom Leverkusener Anzeiger sowie Horst Thoren und Ulrich Schütz von der Rheinischen Post ebenjene Frage zu erörtern.

Die Veranstaltung gehört – wie auch der Vortrag von Reinhold Braun – zum Begleitprogramm der Ausstellung „Zeitung – Buch – Film. Mediengeschichte an Rhein und Wupper“ von drei Leverkusener Geschichtsvereinen, die noch bis zum 19. Juni in der Villa Römer in Opladen zu besuchen ist.

Der Vortrag von Reinhold Braun ist übrigens bei leverkusen.com via YouTube dokumentiert und kann jederzeit hier abgerufen werden:

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