Archiv der Kategorie: Bericht

Mietspiegel 2013: Die Welt in Ordnung

Der „Arbeitskreis Mietspiegel Leverkusen“ legt den Mietspiegel 2013 für die Stadt vor. Die Tabelle ist ab dem 1. September verbindlich.

Man ist das kaum noch gewohnt: Neuigkeiten künden von Unbilden, Katastrophen, zuallermindest von nahendem Unheil. Insbesondere dann, wenn es um Geld und Prozentzahlen geht. Und dann treten Donnerstagnachmittag im Rathaus sieben dunkel gekleidete Herren und eine dunkel gekleidete Dame der lokalen Presse gegenüber und fassen ihre Neuigkeit so zusammen: „Man kann sagen, dass die Welt hier noch weitgehend in Ordnung ist.“ So formulierte es Dr. Thomas Gutknecht, Vorsitzender des Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümer-Vereins Leverkusen und Umgebung. Was Gutknecht, Birgit Maaß von der städtischen Statistikstelle und die übrigen sechs Herren so froh vorstellten, war der neue Mietspiegel für Leverkusen. Die letzte tabellarische Auflistung über die ortsüblichen Wohnungsmieten war 2011 erstellt worden, und da eine Kommune angehalten ist, mindestens alle zwei Jahre einen neuen Mietspiegel vorzulegen, war es nun wieder soweit. Der neue gilt ab dem Stichtag 1. September.

Spektakulär unspektakulär also die Steigerungen, die in der Diktion der Runde auch nur „Anpassungen“ hießen: Die „Anpassungen“ seien „sehr moderat ausgefallen“, noch unter der Inflationsrate. In gerade mal 23 der 60 Werte habe es überhaupt Veränderungen gegeben, erläuterte Maaß. Noch den größten Sprung um bis zu 25 Cent seien bei Wohnungen mit 90 Quadratmetern und mehr zu verzeichnen, und das weitgehend unabhängig von Baujahr oder Lage. Insgesamt lägen die Mittelwerte abhängig von der Baualtersklasse, der Lage und der Größe der Wohnung zwischen 5,10 Euro und 9,45 Euro, jeweils bezogen auf die Netto-Kalt-Miete, also ohne Betriebskosten.

Geordnete Mietpreise statt Exzesse

WGL-Chef Wolfgang Mues variierte die Heile-Welt-Metapher dann auch noch etwas poetischer: „Man kann sagen, dass sich die Welt hier noch in geordneten Mietpreisen darstellt.“ Mehr Ordnung braucht kein Mensch. Im landauf, landab wütenden Sturm explodierender Mietpreise ist Leverkusen also ein behaglicher Hort glückseliger Anpassungen im Prozentbereich einer durchschnittlichen Sparbuchverzinsung. Von den „Exzessen“ in Metropolen wie Köln oder Düsseldorf, wo binnen nur eines Jahres zum Teil „Steigerungen“ (nicht „Anpassungen“) um 8 oder gar 9 Prozent zu verzeichnen seien, sei man weit entfernt.

Und zu was so ein Mietspiegel eigentlich zunutze ist? Es sei „ein Friedensinstrument“, erläuterte André Juffern vom Mieterverein Leverkusen, für zerstrittene Mieter und Vermieter sowie Arbeitsgerät für vereidigte Sachverständige. Jürgen Späker vom Gutachterausschuss für Grundstückswerte in der Stadt Leverkusen erklärte, wer sich außerdem am Mietspiegel zu orientieren pflege: „Es gibt verschiedene Akteure auf dem Immobilienmarkt“, außer Käufern und Verkäufern seien das auch Makler „oder Investoren, die darüber entscheiden, wie sie ihr Geld möglichst gewinnbringend aufwenden wollen.“ Und nebenbei stünden auch die Kommunen im Wettbewerb untereinander, erinnerte Gutknecht mahnend: denn wenn so ein Mietspiegel möglicherweise gar einen negativen Trend aufweise, könne das einen Domino-Effekt nach sich ziehen.

Günstiger Wohnraum Sache der Politik

Was das derzeit oft beschworene Ringen um günstigen Wohnraum angeht, verwiesen die anwesenden Vertreter übrigens gleich vorbeugend auf die Politik: „Der freie Markt kann das nicht leisten“, betonte Gutknecht, „dieses Postulat aus der Politik ist nur mit Förderung möglich.“ Womit an diesem Nachmittag beiläufig die Grenzen des Marktliberalismus auch in einer geordneten Welt ausgemessen waren.

Der Mietspiegel ist gegen eine Schutzgebühr von 5 Euro unter anderem per E-Mail als pdf-Dokument erhältlich, Bestellungen werden unter statistik@stadt.leverkusen.de erbeten.

Um den Mietspiegel zu ermitteln, treten in Leverkusen die fünf Mitglieder des „Arbeitskreises Mietspiegel Leverkusen“ zusammen:

  • Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümer-Verein Leverkusen und Umgebung e.V.
  • Mieterverein Leverkusen und Umgebung e.V.
  • Leverkusener Immobilienbörse
  • Gutachterausschuss für Grundstückswerte in der Stadt Leverkusen
  • Stadtverwaltung

sowie die Wohnungsgesellschaft Leverkusen GmbH und Vivawest Wohnen GmbH.

Der erste Mietspiegel vergleichbar der jetzigen Form, wurde übrigens 1975 von „Haus- und Grund“, „Mieterverein“ und Stadt Leverkusen 1975 unterschrieben.

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Verrückt in der Stadtbibliothek

Mit der Kampagne „BiblioFreak“ sollen die Bibliotheken im deutschsprachigen Raum kräftig entstaubt werden. In Leverkusen gehen die Mitarbeiter der Stadtbibliothek für die Kampagne mutig in Vorleistung.

Für eine Imagekampagne präsentieren sich die Mitarbeiter der Stadtbibliothek Leverkusen und Kulturdezernent Marc Adomat (Mitte, hinten) vor der Lokalpresse als "Freaks": Jeder mit seinem ganz eigenen "Spezialgebiet".

Für die Imagekampagne BiblioFreak präsentieren sich die Mitarbeiter der Stadtbibliothek Leverkusen und Kulturdezernent Marc Adomat (Mitte, hinten) vor der Lokalpresse als „Freaks“: Jeder mit seinem ganz eigenen Spezialgebiet.

Etwas Außergewöhnliches musste geschehen sein, denn während Lucia Werder die geladene Presseschar im Foyer ihrer Stadtbibliothek begrüßte, zierte ein Kochlöffel unübersehbar ihr Haar und ragte dabei mit der Löffelschale beinahe bedrohlich über sie selbst hinaus. Dass die anwesenden Bibliotheksnutzer denken könnten: „Was ist denn bloß in die Leiterin unserer ehrwürdigen Bibliothek gefahren?“, nahm Werder offenkundig nicht nur billigend in Kauf: sie legte es darauf an. Im Obergeschoss outeten sich, dem Vorbild ihrer Chefin folgend, dann auch gleich einige Mitarbeiter als Freaks, und zwar als: Golf-, Motorrad-, Kunst-, Katzen-, Hunde- oder Hockey-Freak. Sogar Marc Adomat, in Personalunion derzeit sowohl Kulturdezernent als auch kommissarischer KulturStadtLev-Leiter, erinnerte sich Frank Weiffens Lauschangriff und outete sich als Musik-Freak, mit gleich einem ganzen Schwung seiner Platten- und CD-Sammlung als anschaulicher Beglaubigung unterm Arm.

„Modernes Kommunikationszentrum“

Es sind also alle verrückt geworden im engeren Umfeld der Stadtbibliothek, könnte man nun zusammenfassen, den Kopf bedenkenvoll wiegen und die Geschichte dann zu den Akten legen. Doch die Freakshow mit Ansage hat einen Sinn und ein Ziel: Mit einer Aufmerksamkeitskampagne sollen Bibliotheken in Deutschland, Österreich und der Schweiz von ihrem angestaubten Image befreit werden und fortan wieder wahrgenommen werden als Orte, in denen außergewöhnliche Dinge geschehen, in denen vielfältige Quellen die unterschiedlichsten Interessen nähren, in denen man sich ganz seinen heimlichen und unheimlichen Leidenschaften widmen kann. Und zwar mittels aller zu Gebote stehenden Medien.

Vorbei die Zeiten, in denen verhärmte Bücherwürmer durch Regalreihen im Dämmerlicht schleichen, Bücher hervorziehen und mit bewegtem Gesichtsausdruck stumm deklamieren. In der modernen Bibliothek wird an der Playstation gezockt, werden Filme geschaut, Musik gehört, Fachzeitschriften ebenso wie Tageszeitungen gelesen, eMedien heruntergeladen, im Internet gesurft. Lucia Werder erklärt, den Kochlöffel beharrlich ins schwarze Haar geknotet, den ernsthaften Hintergrund: „Wir hoffen, mit dieser Kampagne die Wahrnehmung und die Sichtbarkeit der Bibliothek auf sympathische Weise zu erhöhen.“ Immerhin investiert die Leverkusener Stadtbibliothek Jahr für Jahr sechsstellige Summen in aktuelle Medien, für 2013 beträgt der Medienetat 118’900 Euro. Und das in Zeiten knapper Kassen, in denen das Angebot der Bibliotheken oft kommunalen Haushaltskürzungen ausgesetzt ist, auch in Leverkusen. Es lohnt sich für das Angebot zu werben, weiß Werder: „Wir sind ein modernes Kommunikationszentrum mit einem breiten Angebot“, erklärt sie, „was wir alles Tolles leisten ist vielen gar nicht bewusst.“ Das soll mit der „Freak“-Kampagne anders werden. Mitarbeiterin Eva-Marie Urban erklärt vorsichtshalber, wie das mit dem „Freak“ gemeint sein soll: „Wir denken dabei an jemanden, der auf etwas abfährt, total auf etwas steht oder sich mit etwas einfach sehr gut auskennt.“

In den USA sponsert Bill Gates die Kampagne

Vorbild für die Kampagne ist die amerikanische „Geek the Library“-Kampagne, die mit Bill Gates immerhin auch einen wahrhaftigen Geek als potenten Sponsor vorweisen kann. Die deutschsprachige Kampagne wird gleichsam von der in den USA beheimateten Bibliotheksorganisation OCLC organisiert. Leverkusen ist, gemeinsam mit Sömmerda, Mettmann, Graz und Basel eine von fünf Pilottest-Bibliotheken, die sie antesten sollen: Stellt sich der gewünschte Erfolg ein, soll die Kampagne mit allen Erfahrungen, die gesammelt werden konnten, ab dem Frühjahr 2014 in Deutschland, Österreich und der Schweiz starten. Für die Erprobungsphase darf Leverkusen sämtliche Materialien – Plakate, Flyer, Postkarten – kostenlos verwenden.

Seinen ganz persönlichen Freak eintragen kann man auf dieser Seite, auf der sich – obschon noch in der Erprobungsphase – schon so mancher Freak verewigt hat: www.bibliofreak.org. Auch bei Facebook ist die Kampagne vertreten, ebenso bei YouTube.

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150 Jahre: Bayer-Historie in Bildern

Vor 150 Jahren, am 1. August 1863, gründeten Friedrich Bayer und Johann Friedrich Weskott in Barmen die Firma „Friedr. Bayer et comp.“. Wenige Jahre später zog die Firma ins nahegelegene Elberfeld um, bevor Carl Duisberg sie ab 1891 an den Rhein verlegte. Eine kleine Firmenhistorie in Bildern.

„Und dieser Carl Leverkusen war also ein Bayer-Mitarbeiter?“ – Über Entstehung und Geschichte der Stadt Leverkusen existiert oft ein erstaunliches Halbwissen: innerhalb der Stadt, noch mehr – naturgemäß – außerhalb. Natürlich war Carl Leverkus, so sein richtiger Name, kein Bayer-Mitarbeiter, wie ein Bonner Bekannter von mir jüngst mutmaßte. Leverkus hatte mit Bayer rein gar nichts zu tun. Seine Söhne, immerhin, haben das Firmengelände, das sie vom Vater übernommen hatten, Ende des 19. Jahrhunderts an die Farbenfabriken Bayer verkauft. Ein gewisser Carl Duisberg – er sehr wohl ein Bayer-Mitarbeiter – hatte den kühnen Plan entworfen, am Rhein zwischen Wiesdorf und Mülheim eine riesige Bayer-Fabrik entstehen zu lassen, die ab 1891 Gestalt annahm: Das Bayer-Werk. Carl Leverkus hatte sich dort wenige Jahre zuvor angesiedelt: 1861, also vor 152 Jahren, hatte er bei der Bezirksregierung in Düsseldorf die Genehmigung erhalten, dort seine Ultramarinfabrik ansiedeln zu dürfen. So sparte er es sich fortan, die Rohstoffe, die meist mit den Schiff über den Rhein geliefert wurden, noch kilometerweit bis ins Bergische Land schaffen zu müssen. Den Ort, der unter den Wiesdorfern bis dato schlicht „Kahlberg“ hieß, benannte er kurzerhand nach der Hofschaft bei Remscheid, von der er stammte: Leverkusen.

Erst 1912, mithin also vor 101 Jahren, verlegte Bayer seinen Hauptsitz hierher. Die Stadt „Leverkusen“ entstand 1930 durch den Zusammenschluss von Wiesdorf und Bürrig mit Schlebusch, Rheindorf und Steinbüchel – nicht zuletzt durch das Bayer-Werk waren die Bevölkerungszahlen bemerkenswert angestiegen.

Heute, am 1. August 2013, jährt sich die Gründung der Firma, der die Stadt ihre Existenz verdankt, zum 150. Mal: Die Bayer AG begeht ihr Jubiläum mit verschiedenen Aktionen (z.B. dieser hier), das LevLog zeigt einige Bilder aus dem Bayer-Archiv, die die Historie des einst in Barmen gegründeten heutigen Weltkonzerns beleuchten – einfach durchklicken:

Alle Bilder: Bayer AG

Mit „Die Bayer-Story“ zeigte die ARD am Montagabend eine bemerkenswerte Dokumentation, hier via YouTube abrufbar:

Auch der WDR-Hörfunk beschäftigt sich heute ausgiebig mit Bayer: Im „ZeitZeichen“ auf WDR 5 um 9.05 Uhr, auf WDR 3 um 17.45 Uhr sowie im „Stichtag“ auf WDR 2, um 9.40 Uhr sowie um 17.40 Uhr; außerdem „Aspirin, Giftgas und Makrolon – Die größten Segen und Flüche aus dem Hause Bayer“ in der Sendung „Leonardo – Wissenschaft und mehr“ um 16 Uhr auf WDR 5. Alle Sendungen hat die Leverkusener Journalistin Maren Gottschalk zusammengestellt.

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Verdienste um die Integration

Die stellvertretende NRW-Ministerpräsidentin Sylvia Löhrmann (l.) überreicht das Verdienstkreuz am Bande an Marcella Dorn aus Leverkusen. Bild: Roberto Pfeil, Staatskanzlei Nordrhein-Westfalen

Die stellvertretende NRW-Ministerpräsidentin Sylvia Löhrmann (l.) überreicht das Verdienstkreuz am Bande an Marcella Dorn aus Leverkusen.
Bild: Roberto Pfeil, Staatskanzlei Nordrhein-Westfalen

Große Ehre für Marcella Dorn: Die Schlebuscherin wurde für ihr Engagement für die Integration ihrer italienischen Landsleute in Leverkusen von Bundespräsident Joachim Gauck mit dem Verdienstkreuz des Bundes am Bande ausgezeichnet.
Die stellvertretende NRW-Ministerpräsidentin Sylvia Löhrmann überreichte Dorn diese Auszeichnung gestern in Düsseldorf und würdigte in ihrer Rede ihren Einsatz für den Italienischen Familienverein Leverkusen, kurz A.F.I.L., sowie für den Integrationsrat der Stadt Leverkusen, in dem sie in verschiedenen Funktionen tätig war und im Arbeitskreis Frauen weiterhin sehr aktiv ist.

Die vollständige Rede von Ministerin Löhrmann im Wortlaut:

„Die wahre Heimat ist eigentlich die Sprache. Sie bestimmt die Sehnsucht danach, und die Entfernung vom Heimischen geht immer durch die Sprache am schnellsten“, damit hat der deutsche Gelehrte Wilhelm von Humboldt wohl recht und ich vermute, Marcella Dorn wird ihm zustimmen.
Marcella Dorn kam 1966 als 15-jährige mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern aus Süditalien nach Deutschland zu ihrem Vater, der der Arbeit wegen hier her gekommen war. Sie blieb, heiratete und bekam drei Töchter. Viele Jahre arbeitete sie als Lehrerin für muttersprachlichen italienischen Unterricht und achtete dabei stets darauf, dass Kinder mit Sprachproblemen nicht überfordert wurden. Heute ist Marcella Dorn Dozentin für Fremdsprachen an der Volkshochschule in Leverkusen.

Seit den 1970er Jahren setzt sich Marcella Dorn für die Integration ihrer italienischen Landsleute ein. Seit über 30 Jahren leitet sie den von ihr gegründeten „Italienischen Familienverein Leverkusen (A.F.I.L)“, um den hier lebenden Italienerinnen und Italienern noch besser bei der Lösung sozialer oder schulischer Probleme helfen zu können. Und von ihr organisierte Informationsveranstaltungen und Feste bieten viele Gelegenheiten, sich untereinander auszutauschen. Marcella Dorn war an der Ausarbeitung der ersten Geschäftsordnung des damaligen „Koordinierungskreises zur Integration ausländischer Arbeitnehmer und ihrer Familienangehörigen“ beteiligt – dem heutigen Integrationsrat.

Nach dieser Geschäftsordnung wurde 1982 erstmals der Vorstand des Koordinierungskreises nach demokratischen Prinzipien gewählt – und Marcella Dorn zur stellvertretenden Vorsitzenden. Bis heute setzt sie sich auch im „Arbeitskreis Frauen“ des Integrationsrates für die Verbesserung der Lebensumstände von Migrantinnen und Migranten ein. Zur Förderung des kulturellen Miteinanders von Deutschen und Italienern beteiligte sie sich im Jahr 2000 an der Gründung des Vereins „Deutsch-Italienischer Club Leverkusen e.V.“ und stand diesem Kulturverein zehn Jahre als stellvertretende Präsidentin vor.

Da Marcella Dorn schon immer der Ansicht war, dass Sprache verbindet, regte sie vor über zehn Jahren an, Italienisch als offizielles Unterrichtsfach an Schulen einzuführen – mit Erfolg: Seit dem Schuljahr 2010/11 bietet die Gemeinschaftshauptschule Leverkusen-Neukronenberg als erste Hauptschule in ganz Nordrhein-Westfalen neben Englisch auch Italienisch als zweite Fremdsprache an. Beim Aufbau des Unterrichts wurde die Schule von Marcella Dorn und dem „Italienischen Familienverein Leverkusen“ unterstützt.

Liebe Marcella Dorn, wir sind auf die vielfältigen Beiträge von Migrantinnen und Migranten für unser Gemeinwohl angewiesen. Sie gehören zu denen, die sich in umfassender Weise engagieren und wichtige Strukturen geschaffen haben. Zum Dank dafür überreiche ich Ihnen heute das Verdienstkreuz am Bande.

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„Bis zur letzten Patrone!“

"Zahlen, Grafiken, Fakten 2013": Kämmerer Rainer Häusler und Mitarbeiter Thomas Malek präsentieren die neue Broschüre "Leverkusener Finanzen".

„Zahlen, Grafiken, Fakten 2013“: Kämmerer Rainer Häusler und Mitarbeiter Thomas Malek präsentieren die neue Broschüre „Leverkusener Finanzen“.

Bevor sich Stadtkämmerer Rainer Häusler in den Ruhestand verabschiedet, stellte er mit seinem Adlatus Thomas Malek zum letzten Mal die Broschüre „Leverkusener Finanzen“ vor. Mit dem 80-seitigen Werk randvoll mit Diagrammen, Graphen und Schaubildern nebst Glossar rund um die Finanzlage der Stadt können interessierte Leverkusener sich nicht nur die Zeit im Bus verkürzen.

Heute wird Stadtkämmerer Rainer Häusler seinen Ausstand geben, offiziell endet seine Amtszeit mit dem 31. August. 17 Jahre lang, seit 1996, hat er den Job dann gemacht. Als die Finanzkrise der Kommunen auch Leverkusens Haushalt zusehends in Schieflage brachte, hatte Häusler eine Idee: Er legte eine schmale Broschüre auf, in der das Dilemma der Leverkusener Finanzen für jeden anhand von Schaubildern und Diagrammen anschaulich erklärt wurde. Und Häusler drückte das Heftchen fortan nicht nur jedem interessierten Bürger als potenziellen Multiplikatoren in die Hand – sehr gern empfahl er es besonders den Politikern, die über das Wohl und Wehe der Stadt entscheiden und ihm dabei über die grundsätzlichen Gegebenheiten nicht immer hinlänglich informiert schienen.

Mit dieser „Transparenz-Offensive“ Anfang dieses Jahrhunderts (und einige Jahre vor Erfindung der Piratenpartei) nahm Häusler zuvorderst die Finanzpolitik von Bund und Ländern ins Visier, die die Kommunen zusehends in die roten Zahlen trieb. Sein Lieblings-Thema – der Solidarzuschlag Ost: „Dieser Unfug, Gelder nach Himmelsrichtungen zu verteilen statt nach Bedürftigkeit!“, klagt er auch heute noch. Dabei, so Häuslers Auffassung, zeige sich der Staat den Bürgern doch „zuallererst hier unten in der Kommune“, das vergesse man in Berlin und Düsseldorf gerne.

Hosentaschen auf links gezogen

Zu seinem Abschied erscheint das Bändchen zum 13. Mal in einer Auflage von 4000 Exemplaren, die wieder an allen Auslagestellen sowie in den Bussen der Kraftverkehr Wupper-Sieg die tristen Zahlen des Kontostandes (am Freitag waren es laut Häusler 189 Millionen Miese) in bunten Diagrammen abwechslungsreich auffächert. Noch transparenter machte er die Finanzlage vielleicht nur noch mit einem Foto für Stadt-Anzeiger-Fotograf Ralf Krieger, für den er mit auf links herausgezogenen Hosentaschen posierte (online leider nicht mehr auffindbar!?).

Mit den Jahren wurde die Broschüre immer umfangreicher, was auch an des Kämmerers Vorwort lag: Der Umfang seiner Einleitung schien ein guter Indikator für den Grad der Schieflage der Stadtfinanzen – je düsterer die Lage, desto mehr Vorwort. Nach 2009 beispielsweise, einem besonders trüben Jahr für den Kämmerer, ließ er seinem Furor über die ungerechte Verteilung der Gelder, die das Konnexitätsprinzip und damit die Selbstverwaltung der Kommunen beschneide, auf 17 Seiten freien Lauf – mehr Seiten als die ersten Ausgaben insgesamt hatten. In seinem Abschiedswerk begnügt Häusler sich mit gerademal vier Seiten – ob das nun heiße, dass die Lage wieder rosig sei, oder ob er einfach milde gestimmt sei angesichts des bevorstehenden Ruhestandes? Häusler verneint vehement: rosig sehe es gewiss nicht aus für Leverkusen, ebenso wenig wie für andere westdeutsche Kommunen. Und ganz gewiss sei es auch nicht Gleichgültigkeit, die sich bei ihm breitmache, im Gegenteil: „Gehen Sie davon aus, das hier bis zur letzten Patrone gearbeitet wird!“

Dampf ablassen in seinem Buch

Vermutlich konnte er zwischenzeitlich auch eine Menge Dampf ablassen in seinem Buch, das er gemeinsam mit Sohn Martin 2012 veröffentlichte. Eines vergisst Häusler freilich nicht in seinem letzten Vorwort: Seinem Nachfolger Frank Stein den guten Rat nachdrücklich mit auf den Weg zu geben, das Heftchen weiterhin aufzulegen. „Da mein Nachfolger mit Sicherheit die schon zur Tradition gewordene Veröffentlichung auch im nächsten Jahr fortsetzen wird“, könne man diesem auch bereits jetzt „konstruktiv-kritische Vorschläge“ zu der Broschüre zukommen lassen, schreibt Häusler.

Der 1948 in Opladen geborene Häusler, der ein SPD-Parteibuch auf seinen Nachttisch legt, ist seit 1964 in der Stadtverwaltung tätig. 1996 übernahm er den Job des Kämmerers – und erledigte diesen Job trotz unerfreulicher Voraussetzungen zur Zufriedenheit (beinahe) aller, selbst über Parteigrenzen hinweg – was ihm erst im vergangenen Jahr eine Verlängerung seines Amtes im von einer Jamaika-Plus-Mehrheit regierten Stadtrat bis zur nun bevorstehenden Verrentung bescherte.

Online ist derzeit nur die Broschüre aus dem Vorjahr abrufbar, die neue könnte vielleicht unter diesem Link abrufbar sein.

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Limonade in Rheindorf

Die Aktionsgemeinschaft Rheindorfer Vereine richtete am Wochenende gemeinsam mit der Sozialen Stadt Rheindorf und dem Integrationsrat das 6. Rheindorfer Stadtteilfest aus.
Buntes Treiben auf dem Festplatz an der Solinger Straße: Zahlreiche Migrantenvereine boten landestypische Leckereien an und auf der Bühne wurde ein abwechslungsreiches Programm geboten, unter anderem mit der großartigen Leverkusener Cover-Band „No Vacancy“. Gleichwohl machte die Hitze nicht eben großen Appetit auf die Köstlichkeiten vom Grill, ließ dafür aber zum Beispiel die eisgekühlte libanesische Limonade zu einem Geheimtipp avancieren.

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Space Oddities im Chempark

Anna Fisher und Joseph Allen zusammen mit (v. l.) Marc Adomat, Dezernent der Stadt Leverkusen, und Chempark-Leiter Ernst Grigat inmitten von Schülern aus Leverkusener Schulen. BILD: Currenta

Anna Fisher und Joseph Allen zusammen mit (v.l.) Marc Adomat, Dezernent der Stadt Leverkusen, und Chempark-Leiter Ernst Grigat inmitten von Schülern aus Leverkusener Schulen. BILD: Currenta


Einen ganz außergewöhnlichen Kontakt bescherte Chempark-Betreiber Currenta Leverkusener Schülern am Mittwoch: Die Astronauten Anna Lee Fisher und Joseph Percival Allen trafen sich zum „Astronautentag“ im Currenta-Bildungszentrum mit rund 80 Schülern der Leverkusener „MINT„-Schulen (die da sind: Montanus Realschule, Werner-Heisenberg-Gymnasium, Landrat-Lucas-Gymnasium und Lise-Meitner-Gymnasium). Die Schüler durften die beiden ausführlich befragen, auch Chempark-Leiter Ernst Grigat leugnete nicht seine Begeisterung für dieses Thema: „Ich kann die Faszination unserer beiden Gäste für ihre Arbeit sehr gut nachvollziehen. Als Naturwissenschaftler bin ich da ebenfalls sehr leicht zu begeistern.“

Die beiden Weltraumfahrer sind derzeit zu Gast beim 26. Planetarischen Kongress der Association of Space Explorers, kurz ASE (hier geht’s zur Homepage der „Space Explorers“), der vom 1. bis 5. Juli in Köln ausgerichtet wird.

Auf einen singenden Astronauten muss Leverkusen weiterhin warten:

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Ein Engel und viel Backwerk

Der Integrationsrat und die Europa Union Leverkusen luden am Sonntag zum 27. Europafest in den Morsbroicher Schlosspark.

Das Wetter war dem Fest hold: zwar zeugte der Rasen im Schlosspark noch von Regenschauern jüngerer Vergangenheit, aber der Jahreszeit angemessene Temperaturen sorgten für beste Stimmung und viele Besucher beim diesjährigen Europafest. Während man bei Albanern, Griechen, Kurden, Marokkanern, Serben oder Türken landestypische Spezialitäten ebenso wie Backwerk mit sehr mitteleuropäischer Tradition – zum Beispiel Bergische Waffeln oder Donauwellen – genießen konnte, bot auch das Bühnenprogramm einen bunten Querschnitt durch die kulturelle Vielfalt in Leverkusen.

In den Remisen des Schlosses, als Gast des Leverkusener Kunstvereins, lud die Künstlergruppe unter dem Dach des Integrationsrates unter ihrem neuen Namen „arteLEV“ zur ersten gemeinsamen Ausstellung mit dem beziehungsreichen Namen „Angekommen!“.

Und anstelle des ökumenischen Gottesdienstes wurde in diesem Jahr unter Beteiligung der in Leverkusen vertretenen Religionen – Buddhisten, Christen, Juden, Muslime – mit Vertretern aus dem Leverkusener Rat der Religionen sowie von Oberbürgermeister Reinhard Buchhorn vor dem Schloss der „Engel der Kulturen“ des Künstlerpaares Gregor Merten und Carmen Dietrich als Bodenintarsie verewigt.

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45.000 Bratwürste und 1 Teufelsgeiger

Bayer feierte seinen 150. Geburtstag mit einem großen Mitarbeiter-Fest in der BayArena, Motto: „Wir sind Bayer“.

Dieses Jubiläum dürfte Anke Feller in besserer Erinnerung bleiben als der 100. Geburtstag der Aspirin-Tablette im Jahr 1999: Damals musste sie, seinerzeit Aushängeschild der Bayer-Leichtathleten, das Bayer-Hochhaus, das sich zu diesem Anlass als weltgrößte Aspirin-Schachtel zurechtgemacht hatte, senkrecht hinunterwetzen. Am Samstag durfte sie festen Boden unter den Füßen behalten und gemeinsam mit Klaus Schenkmann und Entertainer Guido Cantz durch das Programm moderieren. Und das hatte mancherlei zu bieten: die Bayer-Philharmoniker, den Bayer-Männerchor, den Bayer-Anniversary-Song, Mitmach- und Staun-Elemente für die geladenen rund 30.000 Bayer-Mitarbeiter aus ganz Deutschland, die nach der letzten Konzern-Ausgliederung noch übrig geblieben sind. Marijn Dekkers war freitags eigens noch zum Friseurtermin in Wiesdorf geeilt und begrüßte seine Mitarbeiter nicht nur gut frisiert, sondern wusste auch, wer hier gefeiert werden sollte: „Die Leidenschaft, das Engagement unserer Mitarbeiter ist immer hervorragend gewesen, sie haben so viel geleistet in 150 Jahren!“ Als Höhepunkt der Bayer-Show wurde inmitten der Mitarbeiter, die auch im Innenraum vor der Bühne Platz fanden, das weltgrößte Bayer-Kreuz, das „Living Bayer Cross“ entrollt und mit einigem Effekt gefeiert. Und als Überraschungsgast strich schließlich Geiger David Garrett gemeinsam mit den Bayer-Philharmonikern eine Stunde lang gekonnt durch den Garten der Populär- sowie der klassischen Musik.

Noch beliebter als ohnehin schon bei Fußballspielen waren die Imbissbuden am Samstag: Schließlich wollten 45.000 Bratwürste, 5000 Kilogramm Fritten und 40.000 Liter Kaltgetränke, die natürlich samt und sonders auf die Rechnung des Geburtstagskindes gingen, genüsslich vertilgt werden.

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Unternehmerpreis an Denso Chemie

Unternehmerpreis Leverkusen Denso Chemie Geschäftsführer Thomas Kaiser und Max Wedekind

Mit dem Unternehmerpreis 2012 der Wirtschaftsförderung Leverkusen ausgezeichnet: Thomas Kaiser (li.) und Max Wedekind, Geschäftsführer der Rheindorfer Denso Chemie.

Mit dem Leverkusener Unternehmerpreis 2012 ausgezeichnet wurden am Abend die Geschäftsführer Thomas Kaiser und Max Wedekind der Firma Denso Chemie in Rheindorf. Beim Wirtschaftsempfang der Wirtschaftsförderung Leverkusen im Bayer-Kasino hielt Vorjahrespreisträger Dr. Winfried Leßmann die Laudatio auf die beiden. Die Konstanz, mit der sich das 1922 gegründete Unternehmen präsentiere zeige, dass dort eine Familie dahinterstehe, „die ihre unternehmerische Verantwortung ernst nimmt“, erklärte Leßmann.

Die Geehrten bedankten sich, gaben sich aber bescheiden: „Wir sind es gewohnt, dass unsere Produkte im Verborgenen bleiben“, erklärte Thomas Kaiser in seiner Dankesrede. Die Firma Denso Chemie, die nach dem 2. Weltkrieg ihren Sitz in Rheindorf nahm, entwickelt chemische Produkte für den Korrosionsschutz von Pipelines und Gleiswegen sowie Material zur Abdichtung und Sanierung von Asphalt.

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