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„Museum Morsbroich passte schon damals nicht zur Stadt“

Welt-Autorin Swantje Karich ist in Leverkusen geboren. Seit gestern macht sie daraus kein Geheimnis mehr: „Von heute an werde ich es allen erzählen“, verkündete sie in der „WamS“. Ihren Sinneswandel eingeleitet, schreibt sie, habe der drohende Kahlschlag in der Leverkusener Kultur – von der freien Szene bis zum Museum Morsbroich.

Gerhard Richters "Tiger" im Museum Morsbroich.

Ein Graus, für viele, die Vorstellung: Gerhard Richters „Tiger“ – hier in einer Ausstellung im Museum Morsbroich im Frühjahr 2016 – könne verkauft werden oder wieder in der Vorstandsetage der Sparkasse Leverkusen verschwinden. Handyfoto: Stefan Andres

Vor sechs, sieben Jahren, nicht lange, nachdem ich das LevLog gestartet hatte, fragte ich ein paar Journalisten, die ehedem aus Leverkusen kamen, ob sie nicht einen kleinen Text über ihre einstige Heimat schreiben mögen. Irgendwas, freie Themenwahl. Thomas Nehls rief immerhin an, Werner Sonne antwortete nicht. Swantje Karich, damals noch bei der FAZ, antwortete. Ich weiß nicht mehr, ob wir gemailt oder telefoniert haben, jedenfalls antwortete sie mir, dass sie mit Leverkusen nichts verbinde außer ihrer Geburt im Klinikum. Sie habe keine Erinnerung an diese Stadt, die es in einen Text zu gießen gelte.

Für das Feuilleton der „Welt am Sonntag“ hat sie an diesem Wochenende bekannt, dass das nicht die ganze Wahrheit war. Die Erklärung, warum sie derlei Fragen oder Anfragen bis dato so beschied, liefert sie gleich mit: „Ich bereue, dass ich immer nur dachte, nur eines aus Leverkusen mitgenommen zu haben: Scham. Die Scham, in dieser Stadt geboren zu sein. Ich habe meine Heimat mit Köln, Bonn, Frankfurt oder Berlin umschrieben. Leverkusen aber steht in meinem Ausweis. Von heute an werde ich es allen erzählen.“ [An einem hinreichend entlegenen Ort bekannte sie immerhin schon 2009, dass sie einst kleine Buchrezensionen für eine „Buchhandlung in Schlebusch“ verfasste, was ihr den Weg zur Kulturjournalistin ebnete.]

Der „Kürzungskrieg“ in der Leverkusener Kultur habe ihren Sinneswandel befördert, schreibt sie. Haushaltsprobleme und (Kultur-)Kürzungen waren schon vor sechs, sieben Jahren und auch schon vor sechzehn oder siebzehn Jahren ein aktuelles Thema in Leverkusen. Aber mit der wieder mal drohenden Schließung von Museum Morsbroich nach dem Gutachten der Unternehmensberatung KPMG ist offenbar eine neue Eskalationsstufe erreicht:

„Ich habe mich in den letzten zwanzig Jahren nicht mit meiner Herkunft beschäftigt. Dann hörte ich, dass das Museum Morsbroich geschlossen werden soll. Ein Kürzungskrieg war ausgebrochen – gegen die Kultur, den Sport. Die Unternehmensberatung KPMG hat das Konzept erarbeitet. Ein Sturm der Entrüstung folgte, bundesweit war die Kunstszene entsetzt. Sogar Gerhard Richter schrieb einen offenen Brief an den Leverkusener Oberbürgermeister. Das Junge Theater der Stadt demonstrierte. 15.000 Unterschriften wurden gesammelt.“

Karich erinnert ihren Klavierunterricht und wie sie die Zeit jeweils kurz zuvor verbrachte („Es gab kein Café, es gab nur zwei Tankstellen“). Ihr Vater arbeitete bei Agfa, er fuhr eines der begehrten roten Werksfahrräder, sie selbst arbeitete noch als Werkstudentin im Bayerwerk. Natürlich arbeitet sie sich an der „Retortenstadt“ ab, am Beton und an der in ihre Stadtteile zersplitterten Stadt ohne Tradition. Damit aber, bekennt sie nun, erschöpfe sich Leverkusen eben nicht:

„Doch dann gibt es das Museum Morsbroich. Es passte schon damals nicht zur Stadt. Ein Barockschloss, so verspielt und mutig, dass es mir am Anfang wahnsinnig hässlich vorkam. Ich musste mich daran gewöhnen. Der Spiegelsaal. Der Stuck. Die Symmetrie. Hier atmete alles Geschichte. Hier erzählte mir die Architektur von neobarocker Verspieltheit und von Abenteuern.“

Immerhin hatte sie sicher einen guten Gesprächspartner, der ihr ihre bislang verleugnete Erinnerung aufzufrischen helfen konnte: Schließlich ist Andreas Rosenfelder, Chef beim WamS-Feuilleton, selbst gebürtiger Leverkusener. Ihn hatte vor 14 Jahren – die Bayer-Kicker waren gerade, glaube ich, wieder nicht Deutscher Meister geworden – schon das FAZ-Feuilleton gebeten, etwas über Leverkusen zu schreiben. Ich stelle mir das etwa so vor: „Sie kommen doch aus Leverkusen. Schreiben Sie uns bitte bis 16 Uhr 2000 Zeilen über die Stadt, die irgendwie nach Feuilleton klingen!“ Mindestens die Überschrift erfüllte diesen Anspruch: Leviathan an der Autobahn

Bei Springer ist „online“ kein Schimpfwort, daher geht’s hier umweglos zur Online-Version des Artikels von Swantje Karich: http://www.welt.de/print/wams/kultur/article157654689/Leverkusen-als-geistige-Lebensform.html

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Die zehnte Leverkusener Kunstnacht – Der Künstler ist anwesend!

45 Stationen öffnen dem geneigten Kunstfreund bei der 10. Leverkusener Kunstnacht heute von 18 Uhr bis Mitternacht ihre Türen. Nicht nur Kunstkenner möchten die Aussteller zu dieser Gelegenheit in ihre Ateliers locken, sondern natürlich auch solche, die die Welt der Kunst erst noch für sich entdecken. Für all jene eine kleine Handreichung für einen gelungenen Atelierbesuch.

Twitter-Hashtag: #kunstnachtlev
Facebook-Seite: Kunstnacht Leverkusen
Webseite mit allen Infos: www.kunstnacht-lev.de

Neugier ist die vielleicht vornehmste Eigenschaft, die einen Atelierbesucher auszeichnen kann. Aber alle Neugier ist vergebens, wenn sich vor des Künstlers Kammer Schwellenangst breit macht. Diese zu überwinden soll die Kunstnacht helfen. Denn während man im Museum üblicherweise anonym die Werke abschreiten, hier und da den Kennerblick – sei er echt oder nur vorgetäuscht – nach Belieben schweifen lassen kann, muss man im Atelier natürlich dringend damit rechnen, dem Künstler selbst in die Arme zu laufen. Und woher soll man schon wissen, was so ein Künstler dann von einem erwartet? Muss man stundenlang über seine Kunst debattieren? Womöglich erwartet er gar noch, dass man gleich ein paar seiner Werke käuflich ersteht?

Mit ihrem Atelier in Hitdorf ist Martina Auweiler-Gewaltig seit der ersten Kunstnacht mit dabei, und sie weiß genau, was sie von einem Besucher erwartet: „Die Kommunikation ist mir schon wichtig, als Künstlerin möchte ich die Reaktion der Menschen sehen und die Resonanz erspüren.“ Sie versuche, jeden Besucher persönlich zu begrüßen und sich zumindest kurz vorzustellen – insbesondere, wenn sie ein neues Gesicht erblickt. „Wenn ich dann merke, dass jemand nicht viel reden möchte, dann lasse ich ihn natürlich in Ruhe.“ Es sei ohnehin genug zu tun bei so einer Kunstnacht, sodass auch Introvertierte nicht damit rechnen müssten, den ganzen Abend in Debatten verwickelt zu werden. Jeder könne sich ungestört umsehen, sich am Rotwein bedienen, dem Bühnenprogramm folgen oder auch nach fünf Minuten wieder gehen.

Auch Ulrike Harter aus Schlebusch versichert: „Bei uns wird niemand bedrängt oder vollgequatscht!“ Andererseits sei so eine Kunstnacht ja durchaus dazu angetan, mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen. Harter: „Unser Zelt ist für mich eine Begegnungsstätte, das ist ja auch spannend für uns Künstler!“ Ob jemand lange Diskussionen vor einem Bild führen möchte oder nicht – „das obliegt jedem selbst!“ Ein gewisses kommunikatives Rüstzeug schätzt auch Bernd Wachtmeister bei seinen Atelierbesuchern: „Wenn die Besucher mit einer Frage auf mich zukommen, vereinfacht das das Gespräch, das merkt man schon.“ Das sei ihm allemal lieber als der Besucher, der einmal täppisch anmerkte: „Schönes Männchen hamse da gemalt!“

9. Leverkusener Kunstnacht, 11.10.2013 - EVL City-Point Wiesdorf mit Bernd Wachtmeister

Bei der 9. Leverkusener Kunstnacht im EVL City-Point Wiesdorf mit Bernd Wachtmeister.

Welches Outfit ist das richtige? Ist Extravaganz angesagt oder doch gepflegtes Understatement? „Viele Besucher, insbesondere Besucherinnen“, hat Wachtmeister beobachtet, „nutzen solche Anlässe gerne für ein schrilles Outfit.“ Dagegen sei gar nichts einzuwenden, keinesfalls aber erwarte er von Besuchern Trendsettermentalität. Auch für Ulrike Harter muss niemand darauf achten, „besonders chic gekleidet zu sein“. Und Martina Auweiler-Gewaltig hat nur eine Bitte an ihre Besucher: „Niemand soll sich verkleiden! Ich muss ganz bei mir bleiben – als Künstler genauso wie als Besucher!“

Schließlich: Ist es unhöflich, ohne gutgefüllte Einkaufstüte das Atelier wieder zu verlassen? „Um Gottes Willen!“, rufen beide Künstlerinnen unisono aus. Ulrike Harter: „Dann müsste ich ja 400 Werke an einem Abend verkaufen!“ Wehren würde sie sich dagegen nicht, aber „das ist ja nicht der Grund, warum ich die Leute zu mir einlade.“ Natürlich sei es schön, Geld einzunehmen, um die nächste Miete bezahlen zu können, ergänzt Martina Auweiler-Gewaltig, aber: „Die wenigsten kaufen ein Bild – und kein Künstler würde das erwarten.“ Es gehe schlicht darum, das Atelier zu erkunden und die Techniken des Künstlers kennenzulernen.

Fazit: Anziehen, was bequem ist – nur das kaufen, was außerordentlich gefällt – und fragen, fragen, fragen. Und notfalls damit rechnen, dass man auch auf einen eher mürrischen Künstler treffen könnte, der mit Picasso zu verstehen gibt: „Könnte ich es beschreiben, hätte ich es geschrieben und hätte es nicht malen müssen!“

Der Text ist dem Katalog entnommen, den Norbert Kaluza anlässlich der 10. Kunstnacht zusammengestellt hat:

Titelseite Kunstnacht-Katalog

Titelseite Kunstnacht-Katalog

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Auf zur 9. Leverkusener Kunstnacht

Am Freitag. 11. Oktober 2013, ist es wieder soweit: Die Leverkusener Kunstnacht bietet dann ab 18 Uhr bereits zum 9. Mal die Chance zu einem Orte übergreifenden Streifzug durch die lebendige Leverkusener Kunstszene. 42 Stationen im ganzen Stadtgebiet laden ein zum Besuch und zum Verweilen, Shuttle-Busse der Wupsi verbinden alle Stationen miteinander. In diesem Jahr möchte ich einen neuen Anlauf nehmen, das Geschehen vor und vor allem während der Kunstnacht via Soziale Netzwerke ein wenig zu bündeln.

Bei der 9. Leverkusener Kunstnacht nutzen wir das Twitter-Hashtag

#KunstnachtLev

Und hier geht’s zur Twitterwall für die 9. Kunstnacht: http://kunstnachtlev.tweetwally.com/

Auf dieser Twitterwall erscheinen alle Eure Tweets mit dem Hashtag #KunstnachtLev. [Keine Ahnung, was ein „Häschtäg“ ist? Einfach im Tweet die Raute „#“ direkt vor ein Wort setzen – und schon ist’s ein Hashtag, das man anklicken und so andere Tweets mit dem gleichen Hashtag sehen kann.] Ein paar Tweets gibt es bereits – schreibt, wo Ihr gerade seid, schickt Fotos von Kunstwerken oder aus dem Shuttle-Bus. Erst mit möglichst vielen Tweets wird die Twitterwall so richtig interessant. Viel Spaß beim Twittern von den & Lesen über die 42 Stationen!

Wer noch keinen Twitter-Account hat, der kann sich den in wenigen Augenblicken anlegen: Es kostet nichts, verpflichtet zu nichts, selbst die NSA erfährt dort nichts, was sie nicht eh längst über Euch weiß – und Ihr werdet sehen: es macht Spaß.

Die Twitterwall ist übrigens auch für iPhone optimiert abrufbar, und zwar hier: http://kunstnachtlev.tweetwally.com/iphone

Und diese Optimierung können all jene nutzen, die die Twitterwall z.B. für die Gäste in ihrer Kunstnacht-Station mit einem Projektor an die Wand werfen möchten: http://kunstnachtlev.tweetwally.com/projection

Natürlich kann sich jeder auch seine ganz eigene Twitterwall für die Projektion in der eigenen Station anlegen. Empfehlen möchte ich zum Beispiel twitterwall.me, wo man außer Twitter- auch Facebook-Postings mit dem Hashtag #KunstnachtLev einbinden kann.

Hier geht’s zum Kunstnacht-Programm 2013 als PDF:
http://kunstnacht-lev.de/fileadmin/flyer2013.pdf

Alle 42 Stationen im Schnelldurchlauf:

Schlebusch
1) Altes Bürgermeisteramt Schlebusch Bergische Landstr. 28
2) Atelier Richard Bausewein Metzer Str. 18
3) Villa Wuppermann Mülheimer Str. 14
4) Atelier Kunstraum von Ulrike Harter Grüner Weg 96 (Hinterhaus)
5) Schmuckwerkstatt Böhme Mülheimer Str. 27
6) Atelier Ploenes Hammerweg 26
7) Friedenskirche Merziger Straße (Waldsiedlung)
8) Industriemuseum Freudenthaler Sensenhammer Freudenthal 68
9) Spektrum Leverkusen Virchowstr. 43
10) Villa Rhodius Bergische Landstr. 82a-84

Lützenkirchen
11) Ehemalige Witzheller Kornbrennerei FB Visuelle Kommunikation Altenberger Str. 147

Alkenrath
12) Museum Morsbroich & Kunstverein Leverkusen Schloss Morsbroich e.V. Gustav-Heinemann-Str. 80

Bergisch Neukirchen
13) Atelier Engelbert Engel Burscheider Str. 400
14) Restaurant Fachwerk Burscheider Str. 106a
15) Imbacher Weinladen Wuppertalstr. 96a
16) Grunder Mühle Grunder Mühle 1
17) Atelier-Gemeinschaft C.A.P.R.A. Albert-Zarthe-Weg 9

Wiesdorf, Manfort & Bürrig
18) Lindenhof Weiherstr. 49
19) Galerie im Forum Am Büchelter Hof 9
20) Christuskirche Dönhoffstr. 2
21) CityKirche Herz Jesu Wiesdorfer Platz 55
22) Energieversorgung Leverkusen City Point, Friedrich-Ebert-Platz 11
23) Bayer Kulturhaus Nobelstr. 37
24) Koloniemuseum Nobelstr. 78
25) Sparkasse Leverkusen Hauptfiliale Friedrich-Ebert-Str. 39
26) topos Hauptstr. 134
27) Reuschenberger Mühle Alte Garten 61

Hitdorf
28) Atelier Martina Auweiler-Gewaltig Hitdorfer Str. 130
29) Atelier Helga Santel Hohestr. 15

Opladen, Quettingen & Fixheide
30) Galerie am Markt Peter-Neuenheuser-Str. 3
31) Atelier Grass Restaurierung Birkenbergstr. 84
32) CBT-Wohnhaus Upladin Opladener Platz 8
33) St. Remigius-Kirche An St. Remigius
34) Tanzstelle Düsseldorfer Str. 119
35) Künstlerverein Begegnungsstätte Bunker Karlstr. e.V. Karlstr. 9
36) Junges Theater Leverkusen Karlstr. 9a
37) NaturGut Ophoven Burg Ophoven, Talstr. 4
38) AWO-Familienseminar Berliner Platz
39) Café Galerie Zettel’s Traum Altstadtstr. 20
40) Kulturausbesserungswerk (KAW) Kolberger Str. 95a
41) Alter Wasserturm Neue Bahnstadt Opladen, Bahnstadtchaussee 8
42) Ateliergemeinschaft etage3 Benzstr. 1a

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Verrückt in der Stadtbibliothek

Mit der Kampagne „BiblioFreak“ sollen die Bibliotheken im deutschsprachigen Raum kräftig entstaubt werden. In Leverkusen gehen die Mitarbeiter der Stadtbibliothek für die Kampagne mutig in Vorleistung.

Für eine Imagekampagne präsentieren sich die Mitarbeiter der Stadtbibliothek Leverkusen und Kulturdezernent Marc Adomat (Mitte, hinten) vor der Lokalpresse als "Freaks": Jeder mit seinem ganz eigenen "Spezialgebiet".

Für die Imagekampagne BiblioFreak präsentieren sich die Mitarbeiter der Stadtbibliothek Leverkusen und Kulturdezernent Marc Adomat (Mitte, hinten) vor der Lokalpresse als „Freaks“: Jeder mit seinem ganz eigenen Spezialgebiet.

Etwas Außergewöhnliches musste geschehen sein, denn während Lucia Werder die geladene Presseschar im Foyer ihrer Stadtbibliothek begrüßte, zierte ein Kochlöffel unübersehbar ihr Haar und ragte dabei mit der Löffelschale beinahe bedrohlich über sie selbst hinaus. Dass die anwesenden Bibliotheksnutzer denken könnten: „Was ist denn bloß in die Leiterin unserer ehrwürdigen Bibliothek gefahren?“, nahm Werder offenkundig nicht nur billigend in Kauf: sie legte es darauf an. Im Obergeschoss outeten sich, dem Vorbild ihrer Chefin folgend, dann auch gleich einige Mitarbeiter als Freaks, und zwar als: Golf-, Motorrad-, Kunst-, Katzen-, Hunde- oder Hockey-Freak. Sogar Marc Adomat, in Personalunion derzeit sowohl Kulturdezernent als auch kommissarischer KulturStadtLev-Leiter, erinnerte sich Frank Weiffens Lauschangriff und outete sich als Musik-Freak, mit gleich einem ganzen Schwung seiner Platten- und CD-Sammlung als anschaulicher Beglaubigung unterm Arm.

„Modernes Kommunikationszentrum“

Es sind also alle verrückt geworden im engeren Umfeld der Stadtbibliothek, könnte man nun zusammenfassen, den Kopf bedenkenvoll wiegen und die Geschichte dann zu den Akten legen. Doch die Freakshow mit Ansage hat einen Sinn und ein Ziel: Mit einer Aufmerksamkeitskampagne sollen Bibliotheken in Deutschland, Österreich und der Schweiz von ihrem angestaubten Image befreit werden und fortan wieder wahrgenommen werden als Orte, in denen außergewöhnliche Dinge geschehen, in denen vielfältige Quellen die unterschiedlichsten Interessen nähren, in denen man sich ganz seinen heimlichen und unheimlichen Leidenschaften widmen kann. Und zwar mittels aller zu Gebote stehenden Medien.

Vorbei die Zeiten, in denen verhärmte Bücherwürmer durch Regalreihen im Dämmerlicht schleichen, Bücher hervorziehen und mit bewegtem Gesichtsausdruck stumm deklamieren. In der modernen Bibliothek wird an der Playstation gezockt, werden Filme geschaut, Musik gehört, Fachzeitschriften ebenso wie Tageszeitungen gelesen, eMedien heruntergeladen, im Internet gesurft. Lucia Werder erklärt, den Kochlöffel beharrlich ins schwarze Haar geknotet, den ernsthaften Hintergrund: „Wir hoffen, mit dieser Kampagne die Wahrnehmung und die Sichtbarkeit der Bibliothek auf sympathische Weise zu erhöhen.“ Immerhin investiert die Leverkusener Stadtbibliothek Jahr für Jahr sechsstellige Summen in aktuelle Medien, für 2013 beträgt der Medienetat 118’900 Euro. Und das in Zeiten knapper Kassen, in denen das Angebot der Bibliotheken oft kommunalen Haushaltskürzungen ausgesetzt ist, auch in Leverkusen. Es lohnt sich für das Angebot zu werben, weiß Werder: „Wir sind ein modernes Kommunikationszentrum mit einem breiten Angebot“, erklärt sie, „was wir alles Tolles leisten ist vielen gar nicht bewusst.“ Das soll mit der „Freak“-Kampagne anders werden. Mitarbeiterin Eva-Marie Urban erklärt vorsichtshalber, wie das mit dem „Freak“ gemeint sein soll: „Wir denken dabei an jemanden, der auf etwas abfährt, total auf etwas steht oder sich mit etwas einfach sehr gut auskennt.“

In den USA sponsert Bill Gates die Kampagne

Vorbild für die Kampagne ist die amerikanische „Geek the Library“-Kampagne, die mit Bill Gates immerhin auch einen wahrhaftigen Geek als potenten Sponsor vorweisen kann. Die deutschsprachige Kampagne wird gleichsam von der in den USA beheimateten Bibliotheksorganisation OCLC organisiert. Leverkusen ist, gemeinsam mit Sömmerda, Mettmann, Graz und Basel eine von fünf Pilottest-Bibliotheken, die sie antesten sollen: Stellt sich der gewünschte Erfolg ein, soll die Kampagne mit allen Erfahrungen, die gesammelt werden konnten, ab dem Frühjahr 2014 in Deutschland, Österreich und der Schweiz starten. Für die Erprobungsphase darf Leverkusen sämtliche Materialien – Plakate, Flyer, Postkarten – kostenlos verwenden.

Seinen ganz persönlichen Freak eintragen kann man auf dieser Seite, auf der sich – obschon noch in der Erprobungsphase – schon so mancher Freak verewigt hat: www.bibliofreak.org. Auch bei Facebook ist die Kampagne vertreten, ebenso bei YouTube.

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42 Stationen, Hashtag #Kunstnachtlev

UPDATE 2013: In diesem Jahr, bei der 9. Leverkusener Kunstnacht, nutzen wir das Twitter-Hashtag #kunstnachtlev.

Hier die Twitterwall für die 9. Kunstnacht: http://kunstnachtlev.tweetwally.com/

Diese Twitterwall ist auch für iPhone optimiert abrufbar, und zwar hier: http://kunstnachtlev.tweetwally.com/iphone

Und diese Optimierung können all jene nutzen, die die Twitterwall z.B. für die Gäste in ihrer Kunstnacht-Station mit einem Projektor an die Wand werfen möchten: http://kunstnachtlev.tweetwally.com/projection

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Kunstnacht LeverkusenAuf so eine Kunstnacht gilt es sich vorzubereiten: zunächst ein überschaubares Programm zusammenstellen, bequemes Schuhwerk auswählen, Sinne schärfen – und dann kann’s losgehen. Ab 18 Uhr ist es heute wieder soweit: Zum achten Mal öffnen Ateliers, Galerien, Museen & andere Veranstaltungsorte ihre Türen zur Leverkusener Kunstnacht.

Sie habe recht schnell verstanden, dass es unmöglich sei, alle Stationen einer Kunstnacht zu besuchen, erklärte jüngst die kürzlich in den Ruhestand ausgeschiedene Leiterin der KulturStadtLev Marion Grundmann: „Seriös sind wohl maximal acht Orte“, schätzt sie. Kunstnacht-Organisatorin Anke Holgersson überbietet das – professionelle Routine – immerhin noch: „Ich schaffe zwölf, aber das ist dann wirklich ein Dauerlauf!

42 Stationen sind es in diesem Jahr, der Gedanke an einen Marathon ist also naheliegend. Was per pedes und auch mithilfe der kostenlosen Shuttle-Busse nicht zu schaffen ist, wäre online ein Klacks: Sämtliche 42 Stationen bequem zusammenführen könnte das WWW – ich werde versuchen, via Twitter von möglichst allen Stationen, die ich besuche, ein paar Handyfotos unter dem Hashtag #Kunstnacht zu versammeln. Je mehr sich daran beteiligen, desto beeindruckender die Sammlung, die dann im Netz zu bestaunen wäre. Mitmachen kann jeder mit einem Twitter-Account: Einfach fotografieren, den Ort und dazu das Hashtag #Kunstnacht einfügen und twittern. Und weitersagen!

UPDATE: Hier ist die TWITTERWALL zum Thema #Kunstnacht!

HIER geht es zur Webseite der Kunstnacht.

Und HIER ist der Flyer online als PDF anrufbar.

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Stationen auf meiner Wunschliste:

Bernd WachtmeisterBunte Digital-Kunst in Bürrig. (Station 19)

In der Reuschenberger Mühle zeigt Peter Hölscher Videos, Bilder und Klangkunst zum Thema Bahnstadt, dazu spielt LYS. (Station 27)

Internationales Künstlerdorf des Integrationsrates im Manforter Lindenhof. (Station 18)

In Museum Morsbroich eröffnet die neue Ausstellung „Zeitgeister“. Nicht nur, weil es das renommierteste Kunstmuseum der Stadt ist, handelt es sich hierbei zweifellos um ein Highlight der Kunstnacht, hier wird sie übrigens auch offiziell eröffnet. Wer aber nur hier her kommt, der hat die Kunstnacht nicht verstanden. Außerdem beginnt die Ausstellung ja gerade erst und kann also noch eine ganze Weile besucht werden. (Station 12)
(Wer sich übrigens auf die Ausstellung einstimmen möchte, dem empfehle ich wärmstens das Weblog manipogo.de, in dem mein römischer Weggefährte Manfred in täglichen Beiträgen seinen bemerkenswerten Erfahrungsschatz über die Welt des Paranormalen, der Geister und Gespenster ausbreitet.)

Außerdem möchte ich zumindest ein paar Stationen in Wiesdorf besuchen. (Stationen 20 bis 26 & 29)

Mal schauen, wie weit ich komme…

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) Leverkusen bietet eine Radtour zu ausgewählten Stationen an. Treffpunkt ist um 18.00 Uhr am NaturGut Ophoven in Opladen; eine Anmeldung sei nicht notwendig, die Reisegeschwindigkeit „gemütlich“.

Die einstige Kulturexpertin des Leverkusener Anziegers, Ingeborg Schwenke-Runkel, bietet einen Rundgang durch Schlebusch, bei dem sie die Bau- und Gartenkunst in den Blick zu nehmen verspricht. Treffpunkt ist um 19.00 Uhr an der Villa Wuppermann, Dauer rund 1,5 Stunden, Taschenlampen und festes Schuhwerk dringend empfohlen.

Und auch in den Shuttle-Bussen wird mehr geboten als nur Fortbewegung: Im Sparkassen-Shuttle spielt z.B. die Band 4Colours, dazu werden Fotografien von RP-Fotograf Uwe Miserius gezeigt. Die EVL-Shuttle zeigen Fotografien von Heinz-Friedrich Hoffmann. Und es soll in den Kunstnachtbussen auch wieder Comedy-Darbietungen geben.

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Endlich wieder unterm eigenen Dach: Das Junge Theater Leverkusen

Seit Freitagabend hat eine Institution der Leverkusener Theaterszene endlich wieder eine Adresse: Das Junge Theater Leverkusen öffnete nach rund zweijähriger Umbauzeit mit allen dazugehörigen Höhen, Tiefen und Bauabnahmen wieder seine Tore. Ab sofort ist der Bunker an der Opladener Karlstraße, Haus Nummer 9, das Domizil der Talentschmiede für Spielwütige ab 17 Jahren.

Michael Schmidt, Vorsitzender des JTL-Fördervereins, bekannte, „mächtig stolz“ zu sein – und in einer rund einstündigen Darbietung unter dem Titel „Herzstück“ zeigten die beiden Leiterinnen Petra Clemens und Claudia Sowa, Techniker, Maske und natürlich das neue Ensemble, was sie und die neue Spielstätte so alles können. – Eine kurze boulevardeske Kritik zu Abend und Ambiente in Stichworten:

Die Adresse
Top! Dieser Teil der Karlstraße mit Künstlerbunker, Studiobühne und Pentagon ist nun ganz und gar der Kunst geweiht. Mögen die Spiele beginnen!

Das Haus
Das klobige Ding war nunmal ein Bunker. Wer Neobarock will, ist weiterhin im Erholungshaus gut aufgehoben. Aber nicht nur für die Bauabnahme, auch für das Auge haben die fleißigen Helfer aus Team und Förderverein gewerkelt, freundliche Farben sorgen bereits für eine gute Stimmung im Eingangsbereich.

Illustre Gäste bei der Eröffnung des Jungen Theater Leverkusen.

Im Foyer: Illustre Gäste bei der Eröffnung im Jungen Theater Leverkusen.

Nassräume/Toiletten:
Wenige, dafür aber flammneu und blitzsauber. Und die Fliesen wurden beim KAW stibitzt, gab Petra Clemens zu.

Der Bühnenraum:
Klein, eine niedrige Decke – wie gemacht für atmosphärisch dichte Darbietungen in kleinerer Besetzung. Eher nichts hingegen für eine überbordende Inszenierung z.B. des kompletten Faust.

Das Licht…
… musste noch kurz vor der Eröffnung angebracht werden. Durch die niedrige Decke kommen die Strahler dem Publikum wirklich nahe und wer als Gast im Schweinwerferlicht sitzt, dem wird zumindest am Rücken selbst im Winter kaum kalt.

Die Sicht:
So mittel. Wer sehen will, was passiert, wenn sich die Darsteller auf dem Boden tummeln, sollte sich einen Platz in Reihe 1 sichern. Aber vielleicht hilft da irgendwann noch ein kleines Podest ab?

Dramatik:
Der bisweilen schleppende Fortschritt der Arbeiten, immer wieder neue Hindernisse, berufliche Veränderungen: Die einstündige Darbietung, bei der unter anderem Clemens und Sowa 2 Jahre Theater ohne Obdach Revue passieren ließen, machte ahnen, was die beiden und das gesamte Team durchgemacht haben. „Wir gingen echt auf dem Zahnfleisch“, erinnert sich Petra Clemens an die ganz schwere Zeit. Marion Bryx, einst dritte im JTL-Leiterinnen-Bunde und inzwischen am Düsseldorfer Schauspiel, war am Freitag als Gast mit dabei.

Emotionaler Höhepunkt:
Beinahe schien es schon, als wolle man die Anfänge des Jungen Theaters an der neuen Spielstätte hinter sich lassen, aber da würde man Petra Clemens und Claudia Sowa schlecht kennen: Ganz am Schluss stießen die beiden auf der Bühne mit Sekt an und widmeten den Bühnenraum dem 2006 viel zu früh verstorbenen Gründer des Jungen Theaters Bernd Vossen.

Das fand auch er hier prima:

Und last but not least:

Das Ensemble:
Wer nicht versteht, was so ein Junges Theater eigentlich soll, der schaue sich diese Truppe an! Meist kaum älter als 17, quasi keine Bühnenerfahrung (woher auch?) – aber jede Menge Power. Herausragend am Freitag: Inga Dreger mit einem Monolog von Borcherts Beckmann, Yasmin Münter als verzogene Göre oder Kilian Bierwirth (hier beim Poetry-Slam im KAW), der den Faust in der Studierstube im Engelskostüm probt.

Kilian Bierwirth gibt den Faust als Engel.

Kilian Bierwirth gibt den Faust als Engel. (Für schöne Fotos verweise ich auf den Stadt-Anzeiger.)


Samstag & Sonntag gastierte Schauspieler Helmut Thiele mit Süßkinds „Der Kontrabass“ im JTL; am Dienstag, 2. Oktober, 20 Uhr, gibt es übrigens eine „JTL Eröffnung II“.
Ab Freitag, 12. Oktober, startet dann der Spielplan mit den Produktionen „Klasse der Besten“ und einer Bühnenfassung Lesung von Irmgard Keuns „Das kunstseidene Mädchen“ (Premiere: 21.10.). Dazu Gastspiele und u.a. eine Lesung der Leverkusener Autorin Maren Gottschalk am Freitag, 9. November. Und 2013 soll Schillers „Kabale und Liebe“ auf die Bühne im „Vossen“ gebracht werden.


http://www.jungestheaterlev.de/

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Schmickler & Co spielen für das Buch-Antiquariat

Musiker für das Zentral Antiquariat

Wolfgang Müller-Schlesinger, Wilfried Schmickler (v.l., beide „Egal 88“), Klaus Montag („LYS“) und Buddy Sacher („Das Wüste Gobi“) freuen sich auf das Benefiz-Konzert für das Zentral Antiquariat am 18. Mai im KAW.

Ein ganz verschiedenartiges Line-up bietet das Kulturausbesserungswerk heute Abend ab 19.30 Uhr auf: Rocktheater, Hip-Hop oder Psychedelic – da dürfte für jeden Freund moderner Musik des 20. und 21. Jahrhunderts etwas dabei sein. Anlass für die ungewöhnliche Zusammenkunft auf der KAW-Bühne: Das Zentral-Antiquariat, die kleine Buchhandlung an der Wiesdorfer Lichstraße, benötigt Hilfe. Nicht allein, dass das Geschäft mit Büchern für Buchhandlungen nicht nur in Leverkusen zuletzt eher schleppend läuft. Überdies hat ein Wasserschaden zu Jahresbeginn ein paar der antiquarischen Schmuckstücke in Mitleidenschaft gezogen, zum Teil vollständig zerstört, und einen Schaden in vierstelliger Höhe verursacht.

Besonders gespannt dürfen Musikliebhaber auf die legendäre Kultband „Egal 88“ um Frontmann Wilfried Schmickler sein: „Wir haben uns überlegt, was man machen kann, um einen Abend für ein Antiquariat zu gestalten“, erläuterte Schmickler, „und wir schlagen nun eines der ältesten Kapitel im Buch der Leverkusener Musikgeschichte auf“. Zwar gebe es Bands, die älter seien – „aber dafür ist ‚Egal 88‘ die Leverkusener Band, die es am längsten nicht mehr gibt.“ Für eine halbe Stunde wird die Band aus den 70ern beinahe in Originalbesetzung mit Schmickler (Gesang), Michael Meierjohann (Gitarre), Friedel Benjamin (Bass), Uli Riechert (Schlagzeug) und Wolfgang Müller-Schlesinger (Piano) wieder erstehen. Und weil damals Rocktheater angesagt war, werden sie einen rund halbstündigen Auszug aus ihrer 2-Stunden-Rock-Oper „Die Eintagsfliege“ spielen.

„Lange vor dem Vorlesehype“

Schmickler erinnert an die Anfänge des Zentral Antiquariats: Der Kreis um Inhaberin Christine Weihermüller habe schon Ende der 80er Jahre spannende und auch mal spröde Autoren zu Lesungen eingeladen, und das „schon lange vor dem heutigen Vorlesehype, wie etwa bei der ‚litcologne'“. Und „Egal 88“ sei immer Freund gewesen von nichtkommerziellen Projekten, die die Stadt kulturell bereichern: „Und das trifft auch auf das Zentral Antiquariat zu!“

Auch die anderen Bands haben Anknüpfungspunkte an die Wiesdorfer Buchhandlung: Buddy Sachers in der Schweiz erschienenes Buch „Freie Sicht auf die Ambiente“ – dessen phantastische Vogelschau Sacher mit „Ars Vitalis“-Kollege Peter Wilmanns als „Das Wüste Gobi“ instrumentiert auf die Bühne bringt – wird von der Buchhandlung in Deutschland vertrieben. Die „Freunde der Realität“ vom Leverkusener Indie-Label Planet Tapes Records sorgen für die Dosis Hip-Hop an diesem Abend. Und „LYS“ mit Conny Döppert, Klaus Montag, Dirk Schuwerack und Rolf Stegh, die Hausband des Antiquariats, die dort bereits zu verschiedenen Anlässen aufgespielt hat, spielt Kostproben ihres Psychedelic Freestyle.

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Freitag, 18. Mai, 19.30 Uhr
Kulturausbesserungswerk, Kolberger Str. 95a, 51381 Leverkusen
Eintritt: 15,- Euro (ermäßigt 10,- Euro)

Das Line-up im Detail:
Das Wüste Gobi
Egal 88
– Pause –
Freunde der Realität
LYS

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Astrid Gehlhoff-Claes ist tot – „Fast zu schön, um aus Leverkusen zu stammen“

Astrid Gehlhoff-Claes

Astrid Gehlhoff-Claes †
(Bild: privat)

Die Leverkusener Autorin Astrid Gehlhoff-Claes ist, wie erst jetzt bekannt wurde, bereits am 1. Dezember verstorben. Das bestätigte der Düsseldorfer Grupello-Verlag heute auf Anfrage. Die Tochter des ersten Bürgermeisters der Stadt Leverkusen, Dr. Heinrich Claes, wuchs bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten in Leverkusen auf. Sie studierte an der Universität Köln Germanistik und Geschichte und promovierte 1953 mit einer Arbeit über die Lyrik Gottfried Benns, der ersten wissenschaftlichen Arbeit überhaupt über den Dichter. Sie hinterlässt unter anderem verschiedene Gedicht- und Erzählbände, Bühnenstücke und den Roman „Abschied von der Macht“ von 1987. Außerdem arbeitete sie als Herausgeberin und Übersetzerin aus dem Englischen und dem Italienischen, unter anderem übersetzte sie Texte von James Joyce und Henry James.

Mit ihrem „Forschungsobjekt“ Gottfried Benn trat sie auch in persönlichen Kontakt: Der Dichter fasste bald Interesse an der jungen Frau, das offenkundig auch über die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit seinem Werk hinausging. Es entwickelte sich eine rege Korrespondenz, er schrieb an „meine liebste Astrid“, hofierte sie und monierte auch gerne: „Kühler Brief von Lady Astrid, wenig Honig drin!“ Ebenso lobte Benn ihre Lyrik, zum Beispiel das Gedicht „The Raven“ hatte es ihm angetan: „Es ist fast zu schön, um aus Leverkusen zu stammen“, schrieb er ihr im April 1954. Die für 1997 geplante Veröffentlichung der von dem Düsseldorfer Germanistikprofessor Bernd Witte herausgegebenen Briefkorrespondenz zwischen Claes und Benn verhinderte Benns Geliebte Ursula Ziebarth mit Verweis auf ihre Persönlichkeitsrechte, erst 2002 konnte der Band im Verlag Klett-Cotta erscheinen. (Hier eine Besprechung zu dem Band aus der FAZ.)

„Paradies meines frühen Lebens“

In dem im Düsseldorfer Grupello-Verlag 2002 erschienenen Buch „Inseln der Erinnerung“ beschreibt Gehlhoff-Claes ihre Kindheitserinnerungen an Wiesdorf und Leverkusen, die sie als „das Paradies meines frühen Lebens“ beschreibt. Zurückkehren mochte sie 1945, als ihr Vater Stadtdirektor wurde, gleichwohl nur ungern: „Das Paradies war zerstört.“ Mit dem Germanisten Rainer Gruenter hatte Claes eine Tochter, die 1952 in Köln geborene Undine Gruenter, die sich ebenfalls als Schriftstellerin einen Namen machte, sie verstarb bereits 2002. Claes heiratete später den Journalisten Joachim Gehlhoff, den sie 1956 in Harvard kennengelernt hatte, aus ihrer Ehe geht Tochter Rachel hervor.

1975 gründete Gehlhoff-Claes den Verein „Mit Worten unterwegs – Schriftsteller arbeiten mit Inhaftierten“, dessen Vorsitzende sie bis 1988 war. Sie wurde ausgezeichnet mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse sowie mit dem Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen. Zuletzt lebte sie zurückgezogen in einem Düsseldorfer Pflegeheim. Astrid Gehlhoff-Claes wäre am vergangenen Freitag 84 Jahre alt geworden.

Weblinks: NRW-Literatur im Netz / duesseldorf.de / leverkusen.com / wikipedia.org

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