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Abschottung und Macht

Was höre ich: Konstantin Neven DuMont warnt heute in seinem Kölner Stadt-Anzeiger und in seiner Frankfurter Rundschau vor dem Internet?
Nicht direkt vor dem Internet. Neven DuMont fürchtet zwischen dem staatlich subventionierten (Internet-)Angebot des öffentlichen-rechtlichen Rundfunks und der freien Bloggerszene um die Wettbewerbsfähigkeit der Zeitungsverleger. Das ist ja durchaus nicht unbegründet. Er garniert diese Sorge freilich mit einer allzu großen Portion diffuser Internet-Skepsis, verweist auf das bislang „weitgehend unregulierte Netz“, auf die Datenschutzpraktiken bei sozialen Netzwerken oder mangelnden Jugendschutz, und fragt, ob zunehmende Politikverdrossenheit und zurückgehende Wahlbeteiligungen auf die Digitalisierung zurückzuführen seien. Schließlich appelliert er in Richtung Politik: „Die offene Frage, wie wir unsere Demokratie in Zukunft ausgestalten, geht uns alle an.“

Soll wohl heißen, dass Zeitungen und ihre Verleger auf dem (digitalen) Informationsmarkt auch weiterhin ihren Teil zur demokratischen Meinungsbildung beitragen können sollen.
Etwas in der Art. Genau zu diesem Zweck, übrigens, verweisen wir hier auf seinen Beitrag. Er verweist freundlicherweise ja gelegentlich auch auf das LevLog. Auf diese Weise nämlich wird im Internet Relevanz generiert – ganz basisdemokratisch.

Also denn: Mittwoch, 19. Mai – was berichten Neven DuMonts Angestellte denn heute aus Leverkusen?
Der Leverkusener Anzeiger dreht seine Geschichte über den Wachdienst am Rathaus weiter. Oberbürgermeister Reinhard Buchhorn informiere in einem Schreiben darüber, dass der Vertrag mit dem Sicherheitsdienst jetzt auslaufe, dass es für diese Aufgabe bei der Stadt aber sehr wohl Personalmangel gebe und dass mit dem Sicherheitsdienst zugleich auch der Rathausvorplatz beaufsichtigt werden solle. Dazu hat der Anzeiger fünf Bürger befragt, die durchweg nicht einsehen, was so ein Wachdienst am Rathaus denn soll. Dass diese Wachdienst-Geschichte von Relevanz ist, beweist übrigens, dass die Rheinische Post das Thema heute auch aufnimmt (freilich ohne auf den Anzeiger zu verweisen). Besonders spannend daran sind nun…

…ja!?…
…die Kommentare dazu in den beiden Blättern: Während Ralf Krieger im Anzeiger fordert, OB Buchhorn möge recht bald den Befehl „Wachen – abtreten“ geben, weil die Wachleute ein Bild von Abschottung und Macht vermittelten, lenkt Ulrich Schütz in der RP in seinem Kommentar (leider nicht online) die Aufmerksamkeit eher auf die zunehmende Verunreinigung sowie auf Schäden durch Skater auf dem Vorplatz (heißt nicht umsonst „Leverkusener Domplatte“) – und spricht sich so zumindest indirekt für die Beibehaltung eines Wachdienstes aus.

Das ist echte Meinungsvielfalt!
Ganz im Sinne von Herrn Neven DuMont! Übrigens passen die Stichworte „Skater“, „Sicherheit“ und „Oberbürgermeister“ auch zu einem zweiten, aktuellen Thema: OB Buchhorn hat einer Mutter, deren Sohn am Skaterpark unter der Stelzenautobahn überfallen und geschlagen wurde, Hilfe zugesagt: Er sehe es „durchaus als Aufgabe, dafür zu sorgen, dass ein solcher Überfall nicht noch einmal passiere“, versichere Buchhorn laut Anzeiger.

Was bietet die Rheinische Post heute außerdem?
Die RP hat immerhin schon ein Foto von einem der berüchtigten Google-Streetview-Autos in seinem Archiv. Aber Neues aus Leverkusen gibt es dazu auch hier nicht – dafür aber immerhin aus der Nachbargemeinde Leichlingen.

Was gibt es Neues aus dem Osten der Stadt?
Zeichen der Vergänglichkeit: Die vor sieben Jahren abgebrannte Gaststätte „Alt Schlebusch“ stehe nun vor dem Abriss. Eine Blutbuche im Park von Schloss Morsbroich hingegen vor einer möglichen Fällung retten möchte der Musiker Rolf Müller – trotz aufgehobener Baumschutzsatzung. Und am Klinikum solle sich der Ärztestreik zum Ende der Woche noch verschärfen: Die Ärzte wollen dann auch vor dem Klinikum demonstrieren.

Ein paar erfreuliche Geschichten?
Die RP stellt das Kirchencafé vor, dass sich in Wiesdorf als feste Institution etabliert hat. Und der Anzeiger hat Dorothee Willers-Klein und ihren Mann Wolfgang Willers anlässlich des zehnjährigen Bestehens des von ihnen gegründeten Deutsch-Italienischen Clubs Leverkusen besucht. Wer ihr Haus in der Pyritzer Straße betrete, „der überschreitet die Grenze nach Südeuropa“, bezeugt Frank Weiffen.

Was gibt es vom Sport?
Surachet Ngamtip aus Thailand ist zur Zeit Gastspieler bei der von Ulf Kirsten und Dirk Dreher betreuten zweiten Mannschaft von Bayer 04. Etwas länger, nämlich fünf Jahre, und nicht nur als Gast soll Mittelfeldspieler Sidney Sam die Bayer-Profis verstärken, wie die Fußball GmbH heute offiziell mitteilt.

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Von bösen großen Brüdern

Guten … Morgen!
Der frühe Vogel fängt den Wurm!

Dann mal los: Dienstag, 18. Mai – was sagt die Nachrichtenlage in Leverkusen?
Der Geisterfahrer, der einen Unfall mit tödlichem Ausgang auf der A59 vor Leverkusen verursachte, kommt für zweieinhalb Jahre ins Gefängnis, melden heute auch Medien überregional. Im Leverkusener Anzeiger wird Sicherheit heute groß geschrieben: Dort hat man sich mal den Sicherheitsdienst näher angeschaut, der am Rathaus-Eingang Wache schiebt und die Stadt 3000 Euro im Monat kostet.

Wer oder was wird denn da bewacht?
Der „Behörden-Besucherverkehr“, erklärt eine Stadtsprecherin. Was auch sonst? Nicht so gut überwacht wird hingegen der Neulandpark, wo am Wochenende die hölzernen Radständer vor dem Eingang Ziel blinder Zerstörungswut wurden. Aber apropos Rathaus: Dazu gibt es im Anzeiger heute auch eine „Nicht“-Meldung.

Was ist eine „Nicht“-Meldung?
Eine „Nicht“-Meldung meldet, dass etwas nicht geschehen ist. „Es ist kein Auto vor einen Baum gefahren“, wäre so ein Fall. Das kann man im Zweifel immer bringen, wenn einfach gar nichts passiert. Verwunderlich also eigentlich, dass es diese Meldung nicht schon gestern in die Zeitung geschafft hat. Die Meldung lautet: Die Stadt hat keine Sammelliste ausgelegt, auf der Bürger gegen die Veröffentlichung ihrer Häuser bei „Google Streetview“ Einspruch erheben können. Immerhin also ein aktuelles Thema, sogar mit Bezug auf das Internet.

Das darin aber nun wieder etwas unreflektiert als eine Art Brutstätte des Bösen erscheint.
Das könnte man kritisieren, die Reflektion bietet den Anzeiger-Lesern heute aber der Leitartikel von Thomas Kröter auf der Meinungsseite. Da kommt das Internet freilich auch nicht so richtig gut weg: „Es gehört schon sehr hartnäckiger Glaube an das Gute im Menschen dazu, da nichts Böses zu unterstellen“, schreibt Kröter über Streetview, Google und die großen „sozialen Netzwerke“. Die Überschrift dazu lautet: „Großer Bruder außer Kontrolle“.

Die könnte heute auch über einem Artikel über Kevin-Prince Boateng stehen.
Schon. Aber Nationaltrainer Joachim „Jogi“ Löw hat ja appelliert, man möge Jerome Boateng jetzt nicht in Sippenhaft nehmen für das böse Foul seines großen Bruders an unserem Fußball-Nationalheiligtum Michael Ballack. Übrigens haben sich zu dieser Tragödie auch Leverkusener geäußert: „Bitter und tragisch“ findet Bayer-04-Trainer Jupp Heynckes Ballacks WM-Aus: „Das war wahrscheinlich seine letzte Chance, an einer WM teilzunehmen.“ Und Reiner Calmund meint, die Nationalspieler sollten nun nicht resignieren, „auch wenn kein Spieler da ist, der Michael ersetzen kann“.

Können die Ärzte da eigentlich wirklich nichts mehr machen?
Zumindest wohl nicht die Ärzte am Klinikum in Leverkusen: Rund die Hälfte von ihnen beteiligt sich nämlich an den bundesweiten Streiks und demonstrieren in München für mehr Lohn. Immerhin: Bei der Rheinischen Post sieht man dazu nur glückliche Patienten, die attestieren, dass es keine Verzögerungen gab und dass die Ärzte ruhig gerecht entlohnt werden sollten.

Hm. Spricht das nun dafür, den Ärzten mehr Geld zu zahlen? Oder dafür, auf die Hälfte der Ärzte einfach ganz zu verzichten?
Weiß nicht. Aber im Zweifel hilft immer Hypnose: Die Süddeutsche etwa staunt, wie Bayer-Hochspringerin Silke Spiegelburg die Latte zu hypnotisieren versteht. Und wo wir gerade in den überregionalen Zeitungen blättern: Der Chemiekonzern Lanxess „fasst neuen Mut“, konstatiert heute die FAZ, die von der Eröffnung eines neuen Lanxess-Werks in Singapur berichtet (der Artikel kostet online, die AnzeigerMeldung nicht). Und neuen Mut fassen auch die Leverkusener Radfreunde in Sachen Balkantrasse: Auf der Gründungsversammlung eines Fördervereins für das Projekt wurde Rechtsanwalt Karl-Friedrich Weber zum Vorsitzenden gewählt.

Was gibt es aus der Kultur?
Mitfinanziert hat die Bayer AG die Restaurierung des Kunstwerks „Large Divided Oval: Butterfly“ von Henry Moore vor dem Haus der Kulturen der Welt.

Ich wusste gar nicht, dass das in Leverkusen steht.
Tut es natürlich auch nicht. Es steht in Berlin und darf daher zu Bayers „Kulturachse Leverkusen-Berlin“ zählen. In Leverkusen wurde in der Stadtbibliothek gestern eine Ausstellung zu „25 Jahre Frauenbüro“ eröffnet. Und alle zwei Kritiker (online nur einer) zeigen sich begeistert über den Filmmusiken-Abend des Bayer-Mandolinenorchesters im Erholungshaus.

Gibt es eigentlich auch noch einmal was aus den Blogs?
Na klar: Leverkusen hat einen neuen Baublog! Während in Quettingen bereits der Garten gestaltet wird, dokumentieren Kerstin und Christian bereits eine Weile ihren Hausbau in Schlebusch – für sich selbst und für ihre Freunde und Bekannten. Aber vielleicht darf man dort auch unbekannterweise mal reinschauen. Immerhin ist bereits das Obergeschoss „schon fast fertig“.

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